Mare e Monti.

 

 

Nachdem uns für ein paar Tage starker Wind einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, sind wir in die Monti delle Madonie ausgewichen, um uns mit Laufen zu begnügen. Danach sollte es Richtung Westen gehen, um unter Umständen zu fliegen und wenn nicht zumindest im Kletter-Hotspot San Vito lo Capo an die Wand zu kommen. Auf dem Weg dahin machten wir bei Partinico Halt und wollten den kleinen Gebirgszug der Monti di Palermo erkunden: Romitello am Monte Gradara.

Die Monti di Palermo befinden sich etwas 30 km südlich von Palermo und bieten neben den offiziellen Startplätze auch Potential für Hike & Fly. Wobei hier jedoch gesagt werden muss, dass der Startplatz nicht das Problem ist, sondern das Auffinden eines geeigneten Landeplatzes und auch eines schönen Weges auf den Berg. Die Gebirgslandschaft ist geprägt von Weidefläche und Waldgebieten. Richtung Süden gehen die Erhebungen über ins Valle dello Jato und dem ebenfalls viel beflogenen Gebiet der Piana degli Albanesi, wo es mehrere offizielle Startplätze gibt.

Was unabhängig vom Fluggebiet für alle Fälle für Sizilien zu beachten ist: vertraut nicht auf Windy. Die Windvorhersagen sind, wie wir feststellen mussten, regelrechter Schmarren. Bei angesagtem 20er Wind muss man scheinbar mit einer flauer Brise aus entgegengesetzter Richtung rechnen…Eine bessere Orientierung, ohne detaillierte Vorhersage, biete der lokale Wetterdienst. Vorhersagen werden immer dienstags und freitags aktualisiert. Aktuelle meteorologische Messdaten gibt es ebenfalls bei SIAS, hier kann u.a. zwischen Niederschlagsmengen, durchschnittlicher Windgeschwindigkeit und Vmax gewählt werden.

Um also nicht vergeblich einen Berg hinauf zu stapfen, um wieder runterlaufen zu müssen, fuhren wir die kurvige Straße zum Startplatz Romitello herauf. Es gibt hier insgesamt zwei offizielle Startplätze. Der offizielle Startplatz befindet sich auf ca. 850 amsl und man muss vor der langen Serpentine auf einen kleinen Schottere nach rechts abbiegen. Die Straße ist ok, aber nicht gut. Wer sein Auto liebt, lässt es hier stehen und läuft den Rest des Weges zur Brücke. Hier rechter Hand auf das Feld zu den verdutzt schauenden Kühen gehen und man befindet sich auf dem SW(-W)-Startplatz. Auf den ersten Blick erscheint die Fluglinie sehr flach und man glaubt nicht, dass man zum Landeplatz kommt – den man übrigens von hier nicht sehen kann. Die 650 Höhenmeter Differenz reichen jedoch mit viel Luft nach unten.

Es gibt einen weiteren Startplatz, den man findet, wenn man die Straße Richtung Monte Gradara weiter hinauffährt. Nach der langen Gerade kommt eine 90-Grad-Kurve, wo es ein Holztor gibt. Man kann vor der Serpentine entlang der Straße parken. Hinter dem Holztor muss man nun am kleinen Gebäude vorbeigehen und parallel zum Zaun gehen bis man über einen Durchgang in das Waldstück wechselt. Hier hält man sich wieder westlich und gelangt durch einen weitere Öffnung im Zaun zu einem recht gut hergerichteten Startplatz, der für einen Schirm Platz bietet. Recht gut hergerichtet bedeutet, dass die Flora hier schon ganz gut gedeiht, der Platz jedoch nicht komplett überwuchert ist.

Wir hatten statt angesagten 17 km/h West eigentlich Nullwind und vor allem waren wir in den Wolken. Wahrlich ungünstig. Da es auch nicht unbedingt heiß war, entschieden wir uns die Wartezeit mit dem Hike zu überbrücken und fuhren zum Landeplatz. Am einfachsten parkt es sich östlich der Kirche von Borgetto, wo man u.a. auch eine Wasserquelle hat. Dann gibt zwei Möglichkeiten auf den Monte Gradara zu kommen. Die erste, im Nachgang festgestellt vermutlich bessere Variante, ist es der wenig bis mäßig befahrenen Straße zur Wallfahrtskirche Romitello und von da weiter Richtung Antenne zu folgen. Wir hingegen sind der SS186 Richtung Sagana gefolgt, um von Norden auf den Berg zu kommen. Die Straße ist auch nicht stark befahren und in den zwei Tunneln, die man passieren muss, gibt es auch einen erhöhten Bordstein zum Gehen. Die Aussicht ist zwar schön, der Weg bis zum Einstieg des Wanderwegs eher weniger. Hinter dem zweiten Tunnel rechter Hand gelangt man dann jedoch endlich zum Wanderweg in Form eines geschotterten Forstwegs. Diesem folgt man dann in langen Serpentinen den Berg hinauf.

Oben angekommen muss dann das Joch übersteigen und ein Stück die Straße zum besagten Holztor hinunterlaufen. Am Startplatz angekommen, waren die Wolken zwar schon lange aufgelöst – auf Grund der nun späten Stunde jedoch wieder allzeit bereit sich wieder zu bilden. Wind war auch keiner in Sicht, also mussten wir uns mit einem Vorwärtsstart Richtung W/NW begnügen. Ein Start auf SW wäre theoretisch möglich, ist jedoch zu vermeiden – Stromleitungen unterhalb des Startplatzes!

Die Luft war in unserem Fall bei untergehender Sonne butterweich, der Ausblick bis zum Golf von Castellammare traumhaft und wir landeten mit den letzten Sonnenstrahlen auf dem falschen Landeplatz. Der Platz war zwar geräumig, aber eingezäunt, so dass wir wieder über Zäune klettern mussten. Am Parkplatz angekommen hielt plötzlich ein Jeep und ich befürchtete schon den Anschiss des Grundstücksbesitzers. Aber nein. Es waren zwei lokale Piloten, die wissen wollten, wer die zwei unbekannten Schirme am Horizont sind. Lustigerweise fliegt einer der beiden Piloten im Sommer auch Tandem am Tegelberg…wie klein die Welt doch ist.

Fazit: Wie gesagt, Hike & Flys ohne richtige Wanderwege sind nur halber Spaß, das Gebiet jedoch zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert.


Informationen.


NameRomitello
GruppeMonti di Palermo
RegionSicilia
StartrichtungenW, SW
TalortBorgetto
GPS (Berg)38.052720, 13.143690
GPS (Tal)38.04654, 13.16916
Höhe Startplatz [amsl]970
Höhenunterschied [m]738
AufstiegsvariantenAm schnellstens gelangt man zu den Startplätzen über die Strasse nach Romitello.
StartplatzHöchster Startplatz kann dichter bewachsen sein. Die unteren Startplätze sind flachere Wiesen.
FlughinweiseKeine
LandeplatzEs gibt einige Landemöglichkeiten, man sollte jedoch darauf achten, dass das Feld nicht umzäunt ist.
Talwind am LandeplatzMeeresbrise


Bildergalerie.


 

 


Kartenmaterial zum Nachhiken.