Tag 1: Momela Gate bis Miriakamba Hut (4 bis 5 Stunden, 10 km, 1000 hm Aufstieg)

 

Wir werden morgens abgeholt und starten unser Abenteuer Richtung Arusha. Unterwegs müssen wir mehrmals anhalten, um diverse Erledigungen zu machen und wir können erste Einblicke ins Getummel afrikanischer Märkte erhaschen. Der Highway ist übrigens auch höchstinteressant und zeitgleich gilt: Augen zu und durch.

Nach weit über einer Stunde Fahrt erreichen wir die Ngorongare Gate und kommen so in den Nationalpark. Mit dem Auto geht es dann weiter zur Momela Gate, wo wir unser erstes Wildlife in Form von gestreiften Pferden und schwarzen Kühen mit einem knöchernen Moustache auf dem Kopf erleben dürfen. Dann geht es endlich los und zwar „pole pole“, was so viel wie „langsam langsam“ in Swahili bedeutet. Der Trick einer erfolgreichen Akklimatisierung ist nämlich den Kreislauf beim gesamten Anstieg nie über seine kritische Schwelle zu bringen, da sich der Körper nach einem Mal zu viel einfach nicht mehr richtig erholt. Wir folgen einem Weg, der uns zuerst in südliche Richtung von der Momela Gate wegführt. Es gibt zwar einen direkteren Weg zum Tagesziel, aber die eher unspektakuläre Variante möchten wir uns für den Abstieg sparen.

Wir überqueren gleich zu Beginn den Ngare Nanyuki und können den Gleichgewichtssinn auf simplen Baumstämmen, die über den Fluss gelegt sind, testen. Alternativ holt man sich nasse Füße. Oder es wird einem von einem geholfen, der sich nasse Füße holt. Wir treffen auch eine Horde Pawiane, die jedoch sofort das Weite suchen. Unser Guide, Joseph, ist ein tiefenentspannter Waarusha, der sogar ein paar Brocken Deutsch kann und für alle Fragen zum Thema Flora und Fauna eine Antwort parat hat.

Nach einigen Hundert Metern verlassen wir den Busch und kommen in die Regenwaldzone, wo es zunehmend steiler bergauf geht. Nach etwa einer Stunde wandern, treffen wir auch auf die erste Attraktion: Fig Tree Arch. Ein imposantes Naturschauwerk, das ein natürliches Tor zum Meru darstellt. Es handelt sich dabei um eine parasitäre Feigenart, die sich um zwei Bäume geschlungen hat und über Jahrhunderte den Torbogen geformt hat.

Wir unterhalten uns unterwegs ausgiebig mich unserem Guide Max und auch Joseph, dem Nationalpark-Ranger. Auch wenn beide extrem nett sind und wir uns gut verstehen, haben wir das Gefühl, dass hinter Josephs Aufmerksamkeit ein ehrliches Interesse steht. Für unseren Guide jedoch sind wir vermutlich nur die „Mzungus“ = ka-ching. Nichts desto trotz, ist alles extrem aufregend und jede Kurve bringt neue spannende Sachen hervor.

Wir folgen einem breiten Forstweg, passieren die erfrischenden Maio Wasserfälle und machen beim Kitoto Camp eine kurze Rast. Dort liegt eine ganze Menge Büffel-Gerippe herum und wir haben zum ersten Mal die Aussicht über den bewaldeten Kraterboden des Meru bis hin zum Fuße des Kilimanjaro (ca. 65 km Entfernung). Von dort geht es dann auf zunehmend bewachsenen Pfaden steil nach oben bis man die Kraterridge erreicht. Und da, ich gehe um die Ecke und sie steht vor mir: Frida. Eine Giraffe! Unglaublich coole Sau, rennt aber sofort weg. Ich renne hinterher, Joseph pfeift mich grinsend zurück, denn Frida muss ja nicht unbedingt vor mir weggelaufen sein, es könnten noch andere Kollegen im Busch versteckt sein.

Kurz unterhalb der Ridge befindet sich die Miriakamba Hütte (2541 amsl), die ca. 40 Personen in Mehrbettzimmern unterbringen kann. Hier können wir auch zum ersten Mal echte afrikanische Küche genießen, was uns aber fast unangenehm ist. Man wird leider total von seiner Crew separiert und bedient, was eigentlich nicht das ist, was wir wollten.

Kurz vor dem Schlafen gehen, kommt immer wieder der Gedanke: ich kann nicht glauben, dass ich hier bin.

 
 

Tag 2: Miriakamba Hut bis Saddle Hut (2 bis 3 Stunden, 4 km, 1050 hm Aufstieg)

 

Um 6:30 Uhr geht es los. CharlieCharlie hört einfach nicht auf zu Klopfen. Nach einer Katzenwäsche gibt es Porridge und im Allgemeinen viel zu viel unterschiedlichen Kram zum Frühstück. Der Sinn von Essensvielfalt am Berg leuchtet mir nicht ein. Es erscheint uns fast so als ob man uns mästen wollte. Um halb neun geht es dann aber endlich los und zwar ganz schön steil. Wir folgen einem bewaldeten Weg, der immer wieder mit Lichtungen gesäumt ist. Zuerst geht es durch einen flechtenbehangenen Regenwald mit Treppen über Treppen. Nach etwa einer Stunde erreicht man die Elephant Ridge, von wo man oberhalb der Baumgrenze wunderschöne Ausblicke genießen kann. Dann geht es durch die Wolken und weiter über ausgetrocknete Flussbetten und eine immer rauere Landschaft. Nach mehr als 3 Stunden kommt man dann zur Saddle Hut auf 3570 amsl. Unterwegs treten dann bereits erste leichte Kopfschmerzen auf.

Nach einer Mittagspause animiert uns Max dann zu einem kleinen Sidetrip auf den Little Meru (3820 amsl). Wir brauchen auf dem schmalen und recht steinigen Pfad für 3 km und ca. 250 Höhenmeter eine gute Stunde und sehen von da auch endlich ungehindert auf den Uhuru Peak, der aus der geschlossenen Wolkendecke hinausragt. Dieser kleine Höhenausflug ist zwar nicht unbedingt besser für die akuten Kopfschmerzen, aber essentiell für eine weitere Akklimatisierung. Climb high, sleep low.

Abends haben wir die Küche übernommen und auf Anweisung unseres Stomache Engineers Zucchinisuppe und gebackene Bananen zubereitet. Wir wurden damit zur Belustigung der gesamten Crew (wir sind als 2Pax unterwegs gewesen, aber es waren insgesamt ca. 7 Reisegruppe mit je 2-3 Leuten in der Hütte), aber am Ende hat es allen geschmeckt. Später durfte ich mich im Hüttenbuch sogar als Ranger Guide Assistent verewigen und Joseph versprach mit uns beiden zum Gipfel zu gehen. Er hätte auch in der Hütte bleiben können, da oberhalb der Baumgrenze eigentlich keine Gefahr mehr von wilden Tieren ausgeht.

Abends geht es dann sehr früh ins Bett (20 Uhr), denn um Mitternacht sollen wir schon wieder fit sein, um den Gipfelsturm zu wagen. Ziel: Sonnenaufgang über dem Kilimanjaro bewundern.

 
 

Tag 3: Saddle Hut bis Socialist Peak und zurück zur Miriakamba Hut (8 bis10 Stunden, 10 km, 1000 hm Aufstieg/2050 hm Abstieg)

 

Wir stehen um Mitternacht auf und ziehen alles an was wir dabei haben, denn es ist eiskalt draußen. Zum „Frühstück“ gibt es Tee und ein paar Cracker, bloß nicht zu viel Essen, da das in der Höhe dann auch nach hinten bzw. in dem Fall nach vorne losgehen kann. Um 01:30 Uhr starten wir unsere nächtliche Wanderung und folgen mit Stirnlampen am Kopf einem sehr schmalen Pfad. Alles glitzert und ist gefroren. Ein eiskalter Wind pfeift uns um die Ohren. Jospeh flucht die ganze Zeit „Scheiße Wind“ und lacht im selben Moment. Sehen tun wir auch nicht viel außer unseren Füßen.

Zuerst schlängelt sich der Weg durch die Savanne, dann wird es sogar anspruchsvoll. Wir müssen Verblockungen mit einzelnen Kletterpassagen bewältigen bevor wir die Geröll-Mond-Vulkanlandschaft erreichen. Im Nachhinein bin ich froh nicht alles gesehen zu haben, u.a. wie es rechts und links runtergeht. Es war kalt, ich war müde. Ein Teil der Reisenden ist gar nicht aufgebrochen, da AMS (acute mountain sickness) zugeschlagen hatte. Unterwegs kamen uns auch andere Besteiger entgegen, die früher gestartet sind, aber den Gipfelsturm abbrechen mussten. Wir kämpfen weiter und erreichen kurz vor 5 Uhr morgens den Gipfel. Unglaublich – wie kalt es ist. Aber wir wollen warten bis die Sonne aufgeht. Das Panorama, was sich einem bietet, ist nämlich gigantisch.

Frierend hüpfen wir hin und her, verdrängen den Kopfschmerz und dann endlich kommt die Sonne. Un-fckn-believable. Die Sonne geht genau über dem Kilimanjaro auf und wirft zunehmend einen Schatten auf die geschlossene Wolkendecke, die sonstigen Einblicke auf die Landschaft davor bleiben uns verwehrt. Wir schießen gefühlt Hundert Fotos und machen uns dann endlich auf den Rückweg, während uns nach und nach vereinzelt Bergsteiger entgegenkommen.

Auf dem Rückweg realisieren wir, wo wir in tiefster Dunkelheit unterwegs waren. Ein sehr schmaler Grat im schwarzen Vulkangestein, der entlang der steil abfallenden Kraterridge entlangführt. Ein blöder Schritt und auf Wiedersehen. Nichts desto trotz: wow. Einfach wow. Mit steigender Sonne lichtet sich der Bodennebel und der Aschehaufen mitten im Vulkankrater präsentiert sich in seiner ganzen Pracht. So dramatisch, dass es einem den Atem verschlägt. Nicht nur, weil es so schön ist, sondern weil es auch heißer und heißer wird. Während wir nachts noch zähneklappernd den Weg lang gestrauchelt sind, läuft uns jetzt beim Abstieg die Suppe vom Kopf. Also Wasser mitnehmen!
Auf dem Rückweg halten wir noch kurz am Rhino Point, den wir nachts einfach übergangen haben. Scheinbar sollen die Formationen am Meru aussehen, wie ein Nashorn – uns fehlt jedoch vor zufriedenen Müdigkeit die Muße zur Phantasie. An der Saddle Hut gibt es dann eine kurze Mittagspause, die wir für ein Nickerchen nutzen. Denn es geht weiter runter, um tiefer schlafen zu können. Kurz vor 19 Uhr erreichen wir dann wieder die Miriakamba Hut und fallen nach einer kurzen Stärkung hundemüde ins Bett.

 
 

Tag 4: Miriakamba Hut bis Moshi (2 bis 3 Stunden, 5 km, 1000 hm Abstieg)

 

Auf dem Rückweg folgen wir dem direkten Weg zur Momela Gate, der mehr oder weniger der Ridge folgt und nicht mehr durch den dichten Regenwald im Kraterboden führt. Zwar passiert man hin und wieder Waldpassagen, aber eigentlich befindet man in einer Grasslandschaft, wo ggf. wieder mehr Game anzutreffen sein sollte. Wir haben kein Glück/Pech einen der Big Fives zu treffen, aber finden ein Mini-Chamäleon, dass uns den Tag versüßt.

Fazit: Der Berg ist einmalig schön und steht zu Unrecht im Schatten des Kilimanjaro. Was die Organisation betrifft, ist alles super und zu unserer Zufriedenheit gelaufen. Aber, jetzt kommt das große Aber. Am Morgen nach der Gipfelbesteigung kam es zu einer Diskussion bezüglich Trinkgeldern. Und das läuft wie folgt ab: der Guide kommt mit der Crew auf einen zu und sagt einem, wie viel Trinkgeld die einzelnen Crewmitglieder denn gerne hätten. Das widerspricht definitiv unserer Definition von Trinkgeld, war mit dem Chef Jasper anders abgesprochen und die verlangte Summe war auch astronomisch. Davon ausgehend, dass die Crewmitglieder unabhängig vom Trinkgeld einen Lohn erhalten müssen (als Bedingungen für die Mitgliedschaft in KIATO; eine Überprüfung von Verbraucherseite ist natürlich nicht möglich), war die Situation einfach nur: der weiße Mzungu = Cashcow = man hole raus, was geht. Und da die meisten Touristen sich auch an der Stelle unter Druck setzen lassen, läuft die Masche einfach zu gut. Wir haben in dem Fall auf die Spaßbremse gedrückt und Trinkgelder nach unserer Vorstellung rausgerückt. Zurück in Moshi haben wir dann nochmal ein ernstes Gespräch mit dem Chef der Firma geführt.

Denn was mehr Sinn macht und wo wir auch gerne helfen sind Projekte wie „Make a Difference“. Bei der Besteigung des Meru haben wir einen jungen Amerikaner, der ursprünglich aus Indonesien kommt, kennen gelernt. Er hat aus New York einen riesigen Koffer im Rahmen von „Pack for a purpose“ mit Schulsachen, Bekleidung und Spielsachen für die Kinder eines Kinderheims in Holili mitgebracht. Wir trafen uns also mit einer australischen Voluntärin, mit der wir zuerst zum Wochenmarkt gefahren sind. Dort haben wir dann, wie dort üblich, aus dem Autofenster heraus viel frisches Obst und andere Lebensmittel gekauft. Damit sind wir dann ins Kinderheim gefahren. (Unterwegs wurden wir von der Polizei angehalten. Da unser tansanischer Fahrer/Voluntär Emanuelle aus Prinzip kein Lunchmoney an die korrupten Beamten zahlen wollte, wurden wir schikaniert und mussten auf dem Polizeirevier 2 Stunden ausharren bevor es weiter ging). Die Kids von Holili haben uns dann sehr herzlich empfangen und freuten sich am meisten über eigenes Schreibmaterial für die Schule oder das weiße Hemd, um sonntags in der Kirche anständig gekleidet zu sein (etwa 30 % der tansanischen Bevölkerung haben christlichen Glauben). Wir spielten den ganzen Nachmittag Basketball und mussten blonde Haare als Erinnerung da lassen. Und ja, die Kids rubbelten an unserer Haut und dachten die weiße Farbe würde irgendwann endlich abgehen. Wir haben auch viel über die einzelnen Schicksale gelernt und waren beeindruckt von den kleinen Persönlichkeiten. Jedes einzelne Kind in dem Kinderheim hat die Chance zur Schule zu gehen und einen Abschluss zu machen. Die Kinder sind sich dessen auch bewusst und wissen bereits ganz genau, wo es in der Zukunft für sie hingehen soll. Go girls and go boys!

 

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