Zucco di Cam. Ein NoName-Berg mit Starpotential.

 

 
Das lange Wochenende war dem Klettern bestimmt, aber auch mindestens einen Tag wollten wir fliegen. Die Höhenunterschiede im Lario sind dann auch nicht unbedingt gering, daher entschieden wir uns nach einer Kletterpartie für einen Biwak und stiefelten am späten Nachmittag gen Berg: Zucco di Cam.

Wir steuern recht zielsicher auf einen der vielen Wasserfälle im Tal zu und müssen leider feststellen, dass es sich hierbei um eine Sackgasse handelt. Der Wind sorgt für eine angenehme Abkühlung durch Sprühwasser und wir kehren um, um uns auf die Suche nach dem richtigen Weg zu machen. So gehen wir langsam aber stetig in den Wald, folgen langen Serpentinen und treffen auf exotische Echsen in der Sonnenhitze. Die Landschaft ist nun wirklich abwechslungsreich, daher machen mir auf etwa halber Strecke eine Brotzeit.

Hier trennen sich zwei Wege. Der obere Weg führt unterhalb des Gipfels an einem Felsband vorbei und ist hierbei minimal ausgesetzter. Der untere Weg hingegen versorgt uns mit frischem kalten Quellwasser und fordert unser Geschick lediglich beim Umklettern eines umgestürzten Baums. Der Weg zieht sich dann doch länger als erwartet. Im höheren Lagen kommt noch frischer Wind hinzu. Der letzte Gipfelrücken ist dann auch nicht kurzweilig und so kämpfen wir uns mit klapprigen Gepäck ans Ziel.

Oben wird dann das Biwak vorbereitet und wir verzehren unsere Brotzeit bei einem lauwarmen Bier. Müde sind wir alle, aber die Sonne lässt sich beim Untergehen Zeit. Zwischenzeitlich stelle ich mir einen Wecker und mache ein Vorsonnenuntergangsnickerchen. Pünktlich zum Ende des Tages erwachen wir alle nochmal und vermummeln uns zum Schlaf, da die kalte Brise unangenehm die Nieren erfrischt.

Die Nacht war für mich eher weniger erholsam, aber der nächste Morgen grüsst wolkenfrei daher. Es bläst eine leichte Brise aus entgegengesetzter Richtung, wie prognostiziert. Aber der Zucco di Cam bietet ein 360° Startpanorama, somit war der Ostwind kein Problem. Etwas mehr besorgniserregend waren die Starkwindwolken am kaum höher gelegenen Gipfel des Pizzo Tre Signori, aber wird schon werden.

Die Luft war wie erwartet ruhig, das Tal noch halb im Schlaf und der Landeplatz ebenfalls ein leichtes Spiel. Durch eine Vielzahl an Leitungen im Tal muss man die Augen etwas offen halten und Alex hat sich aus einem nicht rekonstruierbaren Grund auf die andere Flussseite „verflogen“. Der von mir gewählte Landeplatz hingegen entpuppte sich gemäss Information eines Locals als „der Landeplatz“, wobei im Frühjahr die Thermik nicht zu unterschätzen ist.

Fazit: Einer der vielen einsamen Berge des Lario, der am Rande des Parco delle Orobie liegt. Schön, entspannt, mit einer gehörigen Portion allein sein. Da es für uns hier erst der Anfang war, sind wir gespannt, was wir zukünftig noch so entdecken werden.
 


Informationen.


NameZucco di Cam
GruppeAlp Orobie Lecchese
RegionBergamasker Alpen
StartrichtungenW, SW, S, SO, O, NO, N, NW
TalortIntrobio
GPS (Berg)46.001624, 9.485288
GPS (Tal)45.982155, 9.429751
Höhe Startplatz [amsl]2150
Höhenunterschied [m]1730
AufstiegsvariantenVon Introbio aus kann man über die Alpe Foppabona zum Zucco di Cam kommen.
Startplatz360 ° Wiese
FlughinweiseÜber dem Canale di Daggio führen Stromleitungen und im Tal sind die Landemöglichkeiten begrenzt.
LandeplatzWiese im Sommer thermisch.
Talwind am LandeplatzSüdlich


Bildergalerie.



Kartenmaterial zum Nachhiken.