Wildstrubel. Grüezi im Berner Oberland.

 

 

Zu Besuch im Berner Oberland kommt man nicht daran vorbei sich einen der vielen wunderschönen Berge rauszusuchen, um hinauf zu laufen und natürlich einen Abflug Richtung Tal zu machen. So starteten wir nach einem gemütlichen Frühstück zugegebenermaßen recht spät um 8 Uhr in Zweisimmen und fuhren nach Lenk. Von da ging es los zu unserem 3000er: Wildstrubel.

Es gibt beim Hotel-Restaurant Simmefälle einen kostenpflichtigen Parkplatz oder Richtung Kiosk des Campingsplatzes Hasenweide (1105 amsl) einige kostenfreie Parkplätze im Wald. Es gibt normalerweise zwei Möglichkeiten zu den Simmenfällen zu gelangen. Der schönere Weg führt direkt die Simme entlang Richtung Siebe Brünne und man kann unterwegs aus nächster Nähe die Schönheit der Wasserfälle genießen. Leider hat sich einige Tage vor unserer Ankunft der Favergessee auf dem Plaine-Morte-Gletscher komplett entleert, wobei eine nicht unerhebliche Menge Wasser über die Simme abgeflossen ist. Der Wasserstand war in Lenk zwar nicht dramatisch, jedoch wurde dabei der Weg über die Simme zur Barbarabrügg zerstört. Uns blieb also Option 2 übrig und wir folgten dem eher unspektakulären Wirtschaftsweg den Berg hinauf. Man bekommt auf dem Weg einen Einblick auf das Ausmaß der Zerstörung und es war echt schade, dass wir die Wasserfallweg nicht gehen konnten.

Nach ca. einer halben Stunde erreicht man das Rezlialpli (1402 amsl) bzw. das Restaurant Siebe Brünne, das von großen grünen Weiden und nicht kommunikationsfreudigen Kühen umgeben ist. Hier steht man dann auch direkt unter der Flueschaf-Wand, die steil in den Himmel ragt, wo auch die Simme entspringt. Im Tal ist es noch recht duster, während sich an den Schneeresten unterhalb des Gipfels des südwestliche gelegenen Wildhorns die Sonne spiegelte. Im Zickzack geht es zuerst einen Wanderweg zur Wand hinauf, wonach ein kurzer steiler Steig folgt. 

Den Flueseelifall querend muss man hier dann nochmal 600 Höhenmeter überwinden, um zum türkisblauen Flueseeli (2045 amsl), wo sich große Forellen tummeln, zu gelangen. Hier haben wir einige Wanderer getroffen, die wohl von der Wildstrubelhütte runterkamen und hier eine Verschnaufpause einlegten. Man hält sich hier Richtung Südwesten und steigt die ersten paar Serpentinen im Geröll auf. Hier muss man die Augen offen halten, da sich der Weg auf ca. 2250 amsl gabelt. Hier stehen jedoch kein Schild, man hat zur linken Hand auf dem Fels eine Kennzeichnung in rot, die auf den Wildstrubel verweist. Hier -nicht- Richtung Wildstrubelhütte orientieren.

Man gelangt in eine schier endlose Gerölllandschaft und quert den als Rote Steine bezeichneten Bergausläufer südlich. Im Rottälli geht es dann immer wieder durch Geröll und über Stein auf und ab, aber der Blick auf den imposanten flachen und spaltenarmen Plaine-Morte Gletscher, wobei die steilere nördliche Spitze als Rezligletscher bezeichnet wird, entschädigt. Im Südwest-Zipfel des Gletscherplateaus glitzert die Bergstation Pointe-de-la Plaine Morte und natürlich fehlt der Favergessee. Wenn man die Kulisse vorher nicht kannte, fehlt hier jedoch nichts.

Am Vormittag war der Himmel noch absolut wolkenfrei und erst als wir die Südflanke des Wildstrubels und den vermeintlichen Endspurt erreichten bildeten sich langsam Wolken – diese auch nur in der Ferne auf der Südseite des Les-Faverges-Kamms. Während wir uns noch ins Geröll kämpften, sahen wir einen Gleitschirmflieger der just vom Gipfel gestartet sein muss. 

Das machte Hoffnung, dass wir die Wetterprognose richtig eingeschätzt haben. Angesagt waren maximal rund 20 km/h W auf 3000 amsl, der Gradient über das Höhenprofil nicht hoch und die Windstärke abnehmend Richtung Nachmittag. Vom Gipfel kann man fast in 360 ° starten und der Startplatz sollte eher unkritisch sein, so dass etwas stärkerer Wind nicht allzu kritisch sein sollte. 

Die letzten 300 Höhenmeter wurden wir immer langsamer, da man die Höhe dann schon gut bei jedem Atemzug spürt. Den Alex plagten bereits leichte Kopfschmerzen und da hilft nur ausreichend trinken und 8000er-Schritt. Gegen 13.30 Uhr standen wir dann endlich auf dem flach abfallenden Geröllbuckel (3244 amsl), von dem man Aussicht auf den Wildstrubelgletscher im Osten, das Simmental im Norden, das Wildhorn im West und den Plaine-Morte-Gletscher im Süden hat. In weiter Ferner erahnt man gen Süden auch die Sillouette des Matterhorns: gigantisches Panorama also!

Am Gipfelkreuz trafen wir einen Tandempiloten mit Begleitung, der mit der Bergbahn zur Pointe-de-la-Plaine-Morte gefahren ist und von dort den Gletscher gequert hat. Sie hatten zwar alles an Equipment für den Gletscher dabei, aber brauchen tut man es scheinbar nicht (nicht mal Steigeisen). Landen wollten die beiden in Lenk und dann mit der berühmten Schweizer Bahn zurück nach Lausanne fahren. 

Am Gipfel drehte der Wind je nach thermischer Ablösung ein wenig, jedoch kam es tendenziell aus SW hinauf und zwar mit Windstärken weit unter 10 km/h. Um ca. 14 Uhr jedoch schossen direkt in unsere Wunschflugrichtung plötzlich die Wolken, wie die Pilze aus dem Boden. Und zwar unter uns! Der Doppelsitzer startete von etwas weiter unten und schaffte es noch rechts und links an Wolken vorbei. Wir standen jedoch direkt am Gipfel und von Süd bis Nord schloss sich die Wolkenwand vor uns. Bei mir kam leichte Panik auf, denn durch Wolken fliegen kam für mich zumindest nicht in Frage. So standen wir startbereit und warteten. Es rissen immer wieder kleinere Fenster auf, blieben jedoch nie lange genug offen, um potentiell kontaktfrei ins Freie zu fliegen. Nach einer guten Viertelstunde jedoch die Chance! Die Wolke auf SW löste sich fast komplett auf und wir konnten endlich starten.

Die Sorge über die Wolken war in dem Fall unbegründet, da die Luft so gut getragen hat, dass wir glatt drüber segelten. Vor, zwischen und hinter den Wolken gäbe es auch immer genug Platz um durchzuschlüpfen und die Wolken bildeten sich auch nur recht hangnah. Vorbei an den Roten Steinen ging es nordwärts über den Flueseeli. Einen kurzen Abstecher über den Gletscher traute man sich doch nicht, weil es die Luft in diesem neuen Gelände erst zu erkunden galt. Thermisch gesehen war es trotz der Wölkchen nicht spannend und so segelten wir entspannt über diese wunderbar brachiale Landschaft. Mit enormer Höhe gleiteten wir zur Rägeboldshore und dem Metschstand, der sich westlich vom Adelboden befindet und auch mittels Bergbahn von lokalen Fliegern gerne besucht wird. Dort fanden wir dann auch tatsächlich noch thermischen Anschluss!

Die Landung ist recht unproblematisch. Man kann bei der Talstation der Lenkbahn auf dem offiziellen GS-Landeplatz landen oder auch auf der Wiese nördlich des Campingplatzes. Im Tal selbst soll es wohl in der Regel nicht zu starken Talwind geben, was bei uns auch der Fall war. Nachdem die Höhenempfindlichkeit sich beim Alex doch noch stärker auswirkte, mussten wir recht schnell Höhe abbauen. Die Camper hat’s gefreut, dass es nicht Halbverdautes vom Himmel regnete und wir standen megahappy auf der Wiese, da die Tour einfach grandios war.

Fazit: Wem knapp 2200 Höhenmeter in einem Rutsch nicht zu viel sind, der kann hier eine traumhafte Landschaft und einen spektakulären Hike & Fly erleben. Der Berg ist von Einheimischen gut frequentiert und bei entsprechenden Konditionen auch für Anfänger bestens geeignet. Unterwegs gibt es bis auf das Rezlialpli keine Einkehrmöglichkeit, also sollte man genug Proviant mit dem auf den Weg nehmen. Ansonsten kann man eigentlich 360 ° starten, wobei der Nordstart etwas kürzer ist und man beim Start auf Ost besser zum Joch zwischen Wildstrubel und Mittelgipfel steigt.


Informationen.


NameWildstrubel
GruppeWildhorn-Wildstrubel-Kette
RegionBerner Alpen
StartrichtungenSO, S, SW, W, NW, (N), (NO), (O)
TalortLenk (Simmental)
GPS (Berg)46.400344, 7.528633
GPS (Tal)46.426515, 7.476535
Höhe Startplatz [amsl]3244
Höhenunterschied [m]2080
AufstiegsvarianteVorbei an den Simmenfällen geht es zum Restaurant Siebenbrunnen hinauf. Von dort auf geht es auf einen Steig bis zum Fluhseeli. Von hier aus durch Geröllwüste Richtung Gletscher und kurz vorher links hoch zum Wildstrubel.
StartplatzDirekt am Gipfelkreuz gibt es eine riesige flache Fläche. Ohne Schnee findet ihr dort leichtes Geröll bis scharfkantige Platten. Insgesamt ein einfacher Startplatz.
FlughinweiseAuf Basishöhe achten.
LandeplatzViele grüne Wiesen
Talwind am LandeplatzVorwiegend Nordwind


Bildergalerie.



Kartenmaterial zum Nachhiken.