Watles. Perle des Vinschgaus.

 

 

Jeder der schon über den Reschenpass gefahren ist, kennt den Watles. Er ist auch neben dem Hirzer oder der Hochmuth einer der bekanntesten Flugspots im Vinschgau. Vor allem wenn kein starker Nordwind über Reschen schießt.

Wir wollten die letzten schönen Herbsttage nochmal im Vinschgau geniessen und diesmal nicht den Bikes (auch wenn das wirklich das Biker-Paradies schlechthin ist), sondern mit den Gleitschirmen! Am Abend rollten wir dann nach der ersten Skitour der Saison aus dem Kaunertal über den Reschen und wurden von einem 30er-40er Südwind überrascht, der bei einer sehr tiefen Basis Schaumkronen auf den See zauberte. Und das soll bis morgen wieder gut sein?

Am nächsten Morgen hing die Feuchtigkeit immer noch tief über der Malser Haide, die Vorhersage jedoch versprach uns Sonnenschein. Wir parkierten also direkt auf dem Landeplatz in Schleis und frühstückten gemütlich. Zwischenzeitlich kamen einige Flieger vorbei, um sich den Landeplatz auch anzuschauen und zischten schnell wieder, vermutlich Richtung Startplatz, ab. Man kann mit dem PKW über Burgeis bis auf Prämajur hinauffahren und bei der Talstation der Watles-Bahn parkieren. Wir hingegen wollten/mussten uns die Füsse vertreten.

Man läuft durch das etwas verschlafene Schleis und muss den Wanderschildern Richtung Kloster Marienberg folgen. Der Patersteig zieht sich sanft den Hang hinauf und bietet einem schnell schöne Aussicht ins Val Venosta. Noch hingen die dicken Wolken tief, aber hinter Prad blitzte hier und da schon wieder die Sonne hervor. Beim kleinen Kloster angekommen, wird der Weg dann etwas schwieriger zu finden, denn erst zieht sich über die steilen Weiden bis nach Planof. Alternativ folgt man der Asphaltstraße.

Von Planof aus geht es durch kurze Waldstücke und die Dörfchen Gerstl und Rofen entlang des Weges Nummer 2 bis nach Prämajur auf 1720 amsl. Dort befindet sich dann auch die Talstation des Bahn, wo man in östliche Richtungen starten kann – Fliegen bei Nordwind sollte man hier nicht unbedingt. Der zweite/bessere Startplatz befindet sich hinter dem Hotel Watles und kostet für Gastflieger wohl 3 Euro. Hier kann man wunderbar Richtung Süden (S, SO) starten.

Die Webcam der Watles Mittelstation bei der Plantapatsch-Hütte auf 2150 amsl zeigte immer noch einen Wolkenschleier, aber mit Aussicht auf Besserung. Also machten wir uns auf Richtung oberen Startplatz. Man muss hierfür durch den Amberger Wald und folgt am besten dem Weg Nr. 2B.

Das herrliche am späten Herbst ist, dass es morgens bereits winterlich fröstelt und tagsüber doch der wärmende Herbst Einzug nimmt. Bei unserem Tempo bewegten wir uns ständig an der Frostgrenze, denn unter uns waren die Bäume bunt verfärbt, während die Nadeln über uns mit Raureif bedeckt waren. Ein wirklich sehr schöner Anblick.

Aus dem Wald hinaus erreicht man auf 2040 amsl die Höfner Alm, die in den Sommermonaten bewirtschaftet ist. Von hier folgt man den Spuren der Pisten und passiert die Plantapataschhütte ostwärts Richtung Pfaffensee und Großboden. Die Seen waren nicht mehr zu finden, aber auf ca. 2200 amsl findet man den offiziellen Startplatz mit 360°-Sitzkoje.

Der Ostwind sollte knackig zur Sache gehen, wir hatten jedoch eher schwachen Südwind mit phasenweise starken Windböen. Nach etwas Abwarten flaute der Wind dann bis auf Null ab, nur um dann wieder aus SW zu wehen…SW ist zwar startbar, aber nicht mehr so schön. Das waren auch reine thermische Ablösungen und kein regionaler Wind mehr. In der Luft war dann mit leisen Piepsen etwas Bewegung, aber im Großen und Ganzen ging es langsam gen Tal.

Der Landeplatz in Schleis lag bereits im Schatten und wurde mit Bergwind bedient. Das Landen ist im oberen Vinschgau aber generell kein Problem, da hier wenig Apfelanbau betrieben wird und noch viele Weidewiesen frei stehen.

Fazit: Mit Sicherheit ist der Watles nicht nur ein schönes Wander- und Bikegebiet, sondern auch zum Gleitschirmfliegen ein guter Ausgangspunkt in die Stilfser Berge oder die Engadiner Alpen.


Informationen.


NameWatles
GruppeSesvennagruppe
RegionMünstertaler Alpen
Startrichtungen(NO), O, SO, S, (SW)
TalortSchleis
GPS (Berg)46.71343, 10.49653
GPS (Tal)46.69199, 10.52642
Höhe Startplatz [amsl]2212
Höhenunterschied [m]1148
AufstiegsvariantenVom Landeplatz folgt man dem schönen Patersteig bis zum Kloster Marienberg. Von dort über Wiesen und Wege bis nach Prämajur, wo sich der tiefe Startplatz befindet (kostenpflichtig, Hotel Watles). Schöner ist es, wenn man weiter durch den Wald Richtung Plantapatsch-Hütte geht und vom oberen Startplatz startet. Notfalls mit dem PKW bis zur Talstation der Watlesbahn.
StartplatzUnterer Startplatz: Gepflegte Wiese, oberer Startplart: Wiese
FlughinweiseBei Nordföhn gilt Flugverbot! Wenn es im Tal Süwind gibt und in der Höhe eine leicht Nordlage, ist es je nach eigener Abschätzung fliegbar.
LandeplatzGroße Wiese in der Malser Haide
Talwind am Landeplatzhoffentlich nur Süd 🙂 Im Herbst/Winter auf frühen Bergwind einstellen.


Bildergalerie.



Kartenmaterial zum Nachhiken.