Equipment-Check

 

ProduktnameSpot GEN3
KategorieSicherheit
Gewicht140 g (inkl. Akkus)
Packmaß90 mm x 65 mm x 25 mm
GerätepreisCa. 179,00 € (bei WeSpot Vertrieb D & AT)
Fakten+ GPS Tracking
+ Wasserdicht (IPX7/1m bis 30 Min)
+ widerstandsfähiges Gehäuse
+ 4 x AAA (Standardakkus)
- laufende Kosten
FazitZufriedenstellende Gerätefunktion, wobei die laufenden Kosten für den Hobbybereich sehr hoch sind


Erster Eindruck vom Spot GEN3


Sicherheitsrelevante Funktionen wie das Absetzen eines Notrufs, Live-Tracking oder das Verschicken von Textnachrichten werden heutzutage von einem schlauen Telefon übernommen. Was aber wenn der Empfang weg ist? Oder wenn die Akkulaufzeit nicht der eines Nokia 3310 (gefühlt ein Monat) entspricht?

Um diese Probleme zu lösen bietet das Unternehmen SPOT satellitengestützte Kommunikationsgeräte an. In Besitz eines solchen Geräts und bei Buchung des zusätzlich kostenpflichtigen Service kann man weltweit per GPS geortet werden und man kann nicht nur im äußersten Notfall Hilfe holen.

Wir haben das Spot Gen 3 getestet. Im Bericht möchten wir nun Schwachstellen beleuchten und abwägen für wen sich wann eine Investition lohnen könnte.


Details


Der Gerätepreis des Spot Gen 3 liegt bei etwa 170 €, wobei hin und wieder gebrauchte Geräte auf diversen Gebrauchtmärkten zu finden sind. Leider bleibt es nicht bei den Anschaffungskosten, denn man muss einen Service-Vertrag abschließen, um das Gerät überhaupt nutzen zu können. Die Basisdienste sind als Jahresvertrag buchbar und fangen beim Gen3 bei ca. 180 € zzgl. Steuern an (günstigste Variante. Stand 31.01.17). Eine monatliche Zahlung ist möglich, wobei eine 12-monatige Vertragslaufzeit gilt. Zusätzlich zum Basisservice können verbesserte Trackingoptionen (kürzere Trackinginterveralle) oder eine Bergekostenversicherung (GEOS) gebucht werden. Wird das im Basisservice enthaltene Nachrichtenkontigent aufgebraucht, müssen weitere Einheiten nachgebucht werden. Nach Abschluss des Vertrags erhält man Login-Daten und kann das Spot aktivieren. Erst danach können alle notwendigen Einstellungen für die Benachrichtigungsoptionen vorgenommen werden.


Funktionen im Überblick


S.O.S.-Nachricht: im Fall einer lebensbedrohlichen Situation kann eine internationale Rettungskette (GEOS) aktiviert werden. Das bedeutet, man setzt einen allgemeinen Notruf ab, wodurch professionelle Helfer, wie der Rettungsdienst, alarmiert werden. Dafür werden die aktuellen GPS-Koordinaten, private Informationen über dich (diese müssen vorab online gespeichert) und Informationen über eine weitere Kontaktperson an die GEOS Rettungsleitzentrale weitergeleitet. Auch wenn der aktuelle Standort über GPS nicht ermittelt werden kann, wird ein Notrufsignal mit der letzten bekannten Position an GEOS abgesetzt.

Hilferuf: (Handzeichen, keine lebensbedrohende Gefährdung). Man sendet einen personalisierten Hilferuf an eine (bzw. bis zu 10 Personen) im System hinterlegte Kontaktperson (z.B. „Stehe in der Pampa, hab keinen Empfang, hol mich ab!“), wobei die aktuellen GPS-Koordinaten übermittelt werden.

Nachrichten senden: Man kann mit dem Spot zwei verschiedene Nachrichtentypen verschicken. Die Sprechblase entspricht einer individuellen Nachricht (z.B. „Schieb die Pizza in den Ofen, komme gleich.“). Die OK-Nachricht sollte einer Info entsprechen, dass alles in Ordnung ist. Diese Nachricht wird entweder per Email oder SMS zugestellt. Die Inhalte und Empfänger beider Nachrichtentypen kann man vorab selbst bestimmen. Auch hier werden die GPS-Koordinaten in beiden Fällen übermittelt.

Live Tracking: (Footprint). Die aktuelle GPS-Position wird in Echtzeit auf einer öffentlich zugänglichen SPOT Shared Page veröffentlicht. Über einen Link kann der Track dann mit Freunden und Familie geteilt werden, so dass diese live verfolgen können, wo man sich aktuell befindet. Je nach Einstellungen und Service-Vertrag variiert das Trackingintervall zwischen 180 Sekunden bis zu 60 Minuten.

Man erhält bei allen Benachrichtigungsoptionen eine Versandbestätigung in Form von grünem Blinken. Fehlt die GPS-Position so blinkt die Kontrollleuchte rot und die Nachricht wird nach spätestens 4 Minuten ohne GPS-Position versendet. Man kann den S.O.S.-Notruf auch jederzeit aktiv zurücknehmen, wobei eine Abbruch-Nachricht verschickt wird. Bereits verschickte OK-Nachrichten können nicht mehr zurückgenommen werden.

Alle Funktionen setzen jedoch voraus, dass das Spot Gen 3 Satellitenempfang hat (hier mehr zu Deckungsgebieten). In den Anwendungsgebieten wird der Versand einer einzelnen Nachricht mit einer > 96 %igen Wahrscheinlichkeit gewährleistet. Insbesondere in Höhlen, Gebäuden oder lediglich dichten Wäldern sinkt die Zuverlässigkeit jedoch rapide. Auch wenn das Gerät bei einer Wanderung am Rucksack baumelt, kann es zum Verlust von einzelnen Trackingpunkten kommen. Auf der Website von Spot steht, dass der beste Empfang erreicht wird, wenn das Gerät flach gehalten wird und „freie Sicht“ zum Himmel hat. Das entspricht dem Idealfall und wohl eher selten der Realität.

Die Akkulaufzeit beim Spot Gen 3 ist sehr gut. Die Lebensdauer der Batterien im eingeschalteten Gerät beträgt bis zu 18 Monate. Bei aktivem Tracking variiert die Lebensdauer zwischen 4 Tagen (180 Sek-Intervall) und 6 Monaten (60 Min-Intervall). Bei schlechtem GPS-Empfang sinkt die Lebensdauer um ca. 50 %. Diese Angaben beziehen sich auf optimale Bedingungen und hängen natürlich von dem verwendeten Batterietyp ab. Die Verwendung des Geräts über ein 5V USB-Kabel ist ebenfalls möglich. Details hierzu gibt es auf der SPOT-Website.


Unsere Erfahrungen


Das Spot Gen 3 ist grundsätzlich ein ausgereiftes Produkt. Es wird in der Segelflugszene, im Segelsport und bei jeglichen Outdooraktivitäten in den entlegensten Gebieten der Welt eingesetzt. Es ist mit Sicherheit eine gute Investition, wenn man sich in sehr abgelegenen Gegenden fortbewegt und bei Expeditionen ist es nicht wegzudenken.

Als Sportler, die sich vorwiegend im dicht besiedelten Alpenraum mit guter Infrastruktur bewegen, hinterfragen wir jedoch den Kosten-Nutzen-Faktor eines Spots. (Leider) ist man in den Alpen nur selten alleine am Weg. Dazu kommt, dass die mobile Netzabdeckung mittlerweile ziemlich gut ausgebaut ist und sich die Anzahl von totalen Funklöchern in Grenzen hält. Die Gefahr, dass der Akku des Mobiltelefons leer ist, ist signifikant größer.
Unter der Annahme, dass man z.B. beim Gleitschirmfliegen vorwiegend in Sichtweite anderer Piloten oder Bergsportler ist und man sich für gewöhnlich in Radien < 100 km bewegt, schießt das Spot mit Kanonen auf Spatzen. Natürlich erreichen professionelle Streckenpiloten oder X-Alps-Wettbewerbsteilnehmer andere Streckendimensionen als Hobbyflieger. Im Alltag ereignen sich jedoch nur im seltensten Fall Unfälle, die außer Sichtweite von anderen Mitmenschen sind oder die den Piloten außer Reichweite seines Mobiltelefons bringen. Im Worstcase ist der Verunglückte bewusstlos und kann dann auch selbst keinen Notruf mehr absetzen. Er ist darauf angewiesen, dass jemand seinen aktiven Track verfolgt und als Außenstehender aus Eigeninitiative den Notruf absetzt. Die Wahrscheinlichkeit in eine solche Situation zu geraten ist denkbar gering und die Investition in ein Akkupack fürs Handy ist mit Sicherheit kleiner und von größerem Nutzen. Für den oben genannten Worstcase empfiehlt sich schon eher das SPOT Trace. Ein Tracking- und Asset-Recovery Device. Gedacht ist es eigentlich für Fahrzeuge oder wertvolle Güter. Aber wenn man jemanden hat, der einen nach ein paar Stunden Funkstille vermisst, gibt es die etwas günstigere Variante, um gefunden zu werden.

Fazit: Wem die 215 € pro Jahr nicht jucken und wer eine extra Portion Sicherheit möchte oder wer mit dem Radl durch die unbekannten Weiten von Kasachstan düsen will, der ist mit dem SPOT Gen3 zuverlässig abgesichert.


Konkurrenzfähige Produkte


Für das erste Quartal 2017 kommt ein vielversprechendes Produkt für den Bereich der persönlichen Sicherheitsgeräte auf den Markt. Die Fusion von Delorme, einem Unternehmen, das sich auf Geoinformationssysteme spezialisiert, und Garmin, dem Hersteller von GPS-gestützten Navigationsgeräten aus der Schweiz, bringt einen so genannten Satellite Communicator mit dem Namen inReach SE®+ und inReach Explorer®+ hervor. Man erhält damit ein Gerät mit dem man nicht nur über eine globale Zwei-Wege-Satellitenkommunikation einen Notruf mit Empfangsbestätigung absetzen oder Nachrichten versenden kann, sondern hat zeitlich ein GPS-Navigationsgerät zur Hand. Das inReach Explorer®+ hat hierfür vorinstallierte DeLorme®-TOPO-Karten, einen integrierten digitalen Kompass, einen barometrischen Höhenmesser und einen Beschleunigungsmesser. Man kann zusätzlich weltweit aktuelle Wetterdaten abrufen und über Gerätekopplung auf diverse Cloudspeicher oder deine Routenplanung vom heimischen PC aus zugreifen. Alles in allem klingt das wie die eierlegende Wollmilchsau für den Gebrauch im Gleitschirmsport.

Dieses Glanzprodukt in Explorer-Version hat mit 499,99 € einen stattlichen Preis. Im Vergleich dazu kostet das GPS-Navigationshandgerät Garmin GPSMAP 64s nur ca. 300 €. Auch beim Garminprodukt muss der Satellitenservice in Form eines Abonnements gebucht werden, wobei es unterschiedliche Vertragsoptionen gibt. Beginnend beim Safety-Tarif fällt eine Jahresgebühr von 180 € inkl. Nachrichteneinheiten an, wobei je Trackingpunkt (ab 10 Min) oder Positionsabfrage weitere 0,12 € anfallen. Der große Vorteil vom Garminprodukt ist jedoch die Möglichkeit den Vertrag monatlich zu buchen. Das ist insbesondere für saisonalen Sport, wie das Gleitschirmfliegen, von Vorteil. Hier beginnt der monatliche Tarif bei 19,99 €/Monat zzgl. einer Jahresgebühr in Höhe von 29,99 € (beim Jahresvertrag 24,99 €).

Wie man sieht, ist auch das Konkurrenzprodukt zum SPOT nicht mit Kleingeld zu finanzieren. Aber aus unserer Sicht zeigt das inReach Explorer®+ sehr großes Potential und würde von den technischen Funktionen ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. Vorausgesetzt es tut, was es verspricht (Markteinführung in Europa noch nicht bekannt. Stand 31.01.2017). Das Gerät könnte Barometer/Höhenmesser inkl. GPS-Aufzeichnung und Navigation mit persönlichem Sicherheitsgerät vereinen und damit drei Fliegen mit einer Klappe erschlagen. Zusätzlich ist es vielfältig bei sämtlichen Outdooraktivitäten, wie Wandern oder MTB-Transalps zur Navigation verwendbar. Wir sind gespannt!

GerätService p.a.VertragsdauerNotruf/
Nachrichten
TrackingNavigationKarten*WetterdienstMultifunktion**
SPOT Gen3ab 215 €12 Monatejajanein-neinnein
SPOT Traceab 172 €12 Monateneinjanein-neinnein
inReach SE+ab 180 €ab 30 Tagejajajaneinjanein
inReach Explorer+ab 180 €ab 30 Tagejajajajajaja

*vorinstalliert; **Kompass, Barometer, Höhenmesser


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