Sirkot im Andi Khola Valley oder bei Babu zu Tisch.

 

 

Sarangkot, Madredunga, Mardi Himal haben wir hinter uns gelassen und nun waren wir unterwegs in den Süden. Weg von den höchsten Gipfeln der Welt Richtung Herz des Landes wollten wir, nur wo „wohnt“ Babu und wo ist dieses ominöse Andi Kola Tal, wo man anscheinend fliegen kann? Scheinbar macht jedoch jeder junge Mann in Pokhara eine Ausbildung zum Tandempiloten und die Lizenz kann nur Babu erteilen – und der Sohn unseres Guesthouse-Besitzers gab uns die essentielle Info: Chhangchhangdi.

Aber wie kommen wir dahin? Taxi, mit 6000 NRP recht teuer, also wo fährt da ein Bus? Wir holten uns eine recht zweifelhafte Wegbeschreibung, fuhren zum Prithivi Cnhowk, bogen in den Siddharta Rajmarg ab und nahmen die erste Hausunterführung links. Seltsamer Hinterhof. Aber am Ende davon stand ein Minibus! Und ja, der Minibus fuhr nach Chhangchhangdi, und zwar jede Stunde um 10 Minuten vor voll! Wir reservierten uns für 280 NRP pro Person einen Platz und setzten uns ums Eck in ein Mini-Restaurant. Nachdem wir lecker Thukpa gegessen haben, gingen wir auf die Straße – und unser Bus fährt an uns vorbei! Zum Glück sah der Bus-Junge uns, der Bus hielt and und wir wurden auf unsere vorgehaltenen Plätze geschickt. Bäm – geschafft!

So rumpelten wir von Schlagloch zu Schlagloch und hofften an der richtigen Bushaltestelle rausgelassen zu werden. Bis sich plötzlich ein junger Mann zwei Reihen vor uns umdrehte und uns fragte, ob wir Gleitschirmflieger seien? Ja. Und wir würden zu Babu fahren? Jep. Habt ihr Babu angerufen? Nope. Dann hing er plötzlich am Telefon. Wir dachten uns nichts dabei. Nach 10 Minuten dreht Somrai sich wieder um und was stellt sich heraus: Er hat Babu angerufen, uns angekündigt, denn zu Fuß braucht man nach Sirkot Maidan mindestens 3-4 Stunden und Babu schickt zwei seiner Azubis, Rohan und Bibi, damit sie uns an der Bushaltestelle abholen und dann können wir mit Babu’s Jeep zu Babu’s Adventure Camp fahren.

Wir waren heidenfroh und über die coole Aktion megaglücklich. Irgendwann stieg Som aus, wünschte uns viel Spaß und wir fuhren weiter bis zum Ziel. Dort standen dann Bibi und Rohan, führten uns hinterm Kiosk eine lange Treppe bis in Flussbett runter, wo wir die lange Hängebrücke queren mussten. Von dort ging es dann über’s Feld zu einem kleinen Baumhain. Darunter saßen jede Menge Leute auf ihrer Flugausrüstung und mittendrin Babu Sunuwar. Man hat nur auf uns gewartet…und so wurde der Jeep nicht StVO-konform beladen und wir schaukelten eine weitere Stunde bis nach Sirkot.

Oben angekommen, zeigte uns Babu sein Adventure Camp und wir setzten uns für 2 Stunden zusammen, um über die Fliegerei in Nepal zu diskutieren. So kamen wir an sehr viele interessante Infos und Geschichten, ließen uns für geplante Events begeistern und schmunzelten mit, als man uns vom Everest-Abenteuer erzählte. Das Fliegen in Nepal ist wirklich noch in seinen Kinderschuhen und Leute wie Babu kämpfen jeden Tag, um darin eine Ordnung und auch rechtliche Daseinsberechtigung zu schaffen. Babu war eindeutig lange genug in Europa, um die Vorzüge von unserer Bürokratie (im Sinne der Rechte, und nicht nur der Pflichten) kennen zu lernen. Da uns von Blue Sky kein Permit für Sirkot ausgestellt worden ist/werden konnte, hat uns Babu kurzer Hand zu seinen „Schülern“ umgemünzt, so dass wir im vermeintlichen Schulbetrieb legal fliegen konnten (Kostenpunkt ca. 10 €). Ohne Permit fliegen machen nämlich viele, aber wenn was passiert, dann kann es die Konsequenz sein, dass das gesamte Fluggebiet für einen langen Zeitraum durch die Behörden gesperrt wird. Er hat uns von ein paar Japanern erzählt, die bei ihm waren und fliegen wollten – jedoch auch kein Permit hatten. Sie seien dann wohl verschwunden. Am nächsten Tag ruft ihn die Polizei an, ob er wüsste wer da Richtung Pokhara fliegt und den Linienluftverkehr behindert…daraufhin wurde das Fluggebiet für 3 Monate gesperrt…und das ist nur eine der vielen Geschichte. Es war ein super gelungener Abend, wir aßen dann zusammen mit der Gruppe Flugschüler unser Dhal Baat und bezogen ein gemütliche Doppelzimmer im Guesthouse.

Alex war nur schwer zu begeistern, aber wir standen pünktlich zum Sonnenaufgang auf, um die Skyline des Himalayas im rot erleuchten zu sehen. Während die Täler im dicken Bodennebel ertranken, schienen die Berge zum greifen nah zu sein. Es ist unglaublich, was ein Perspektivenwechsel alles ermöglicht! Denn wenn man direkt unter ihnen steht, sieht man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. So genoss ich meinen Morgenkaffee mit Blick zum Dhaulagiri, dem Annapurna und Machapuchare, sowie dem dritten im Bunde: Manaslu. In so einem Moment kann man die Faszination für die Riesen nachvollziehen und es packt einen die Lust auch auf einem der höchsten Gipfel der Welt zu stehen.

Man fliegt in Sirkot erst gegen Mittag, vor allem da in den Midlands bzw. der Mahabharat Range bis dahin noch meist der Nebel im Tal hängt. Wir stiefelten also irgendwann der Flugschule hinterher zum Dorf, das zu Fuß in ca. 10 Minuten erreichbar ist. Babu ist am Übungshang geblieben, während uns Rohan zum Startplatz führen sollte. Dort kachelte ein kräftiger Wind und wir mussten eine ganze Weile abwarten, bis dieser abflaute. Und rate wer am Startplatz saß, die zwei Itaker vom Mardi Himal! Wir hatten ihnen, leider wie es sich später herausstellte, den Tipp gegeben und sie sind uns nach Sirkot gefolgt. Die Stimmung war aber irgendwie nicht gut und der eine Lange hatte nichts besseres zu tun, als sich über Babu lustig zu machen. Aha. Nach einer Stunde brachen die beiden auch plötzlich auf und waren weg. Strange.

Währenddessen überrannten uns Ziegen und wir konnten endlich mehr Gossip von einem der Fluglehrerassis erfahren. Und zwar: Die beiden sind noch auf Nacht zu Babu gegangen und wollten offenbar auch fliegen, hatten jedoch kein Permit und waren auch nicht bereit für einen zu bezahlen. Dabei sind die wohl dermaßen ausfallend und herablassend geworden, dass es kurz vor einer Eskalation war. Falls Babu die beiden beim Fliegen erwischte, würde er es der Polizei melden. Dann sind die beiden verschwunden. (Wir trafen sie am Flughafen wieder und sie sind in Sirkot irgendwo von halber Hanghöhe gestartet. Der eine hat’s dazu auch noch fast in Stromleitungen geschafft und über Sirkot ließ keiner ein gutes Wort. Beide sind dann weiter ins Kathmandu Valley, aber dort ging es dann nicht zum Fliegen und alles in allem waren alle sehr enttäuscht. Selber Schuld.)

So saßen wir am Startplatz, amüsierten uns köstlich, als dann Richtung frühen Nachmittag der Wind etwas nachließ. Der Startplatz ist eine wellig-hügelige Wiese, wenn man es so bezeichnen kann, aber gut zum Starten geeignet. Die Luft war recht thermisch-turbulent, so dass nur Höhe machen abhelfen konnte. Die ersten Übungen bestehen darin, zum Funkmasten zu fliegen und zurück. Wobei das Zurück auf Grund des Winds etwas heikler werden kann. Ich kam z.B. gefühlt auf halber Hanghöhe zurück und musste mich mühsam wieder hoch kämpfen, aber es geht! So krebsten wir umher und versuchten ein Gefühl für die Fliegerei in Sirkot zu bekommen.

Soweit das Auge reicht, gibt es einzelne Hügel und es lacht einen an jeden einzelnen abzufliegen. Aber ganz ehrlich, wenn man dort irgendwo absauft, ist man verloren. Babu lachte nur, dass wenn Rohan euch sieht, versucht er bei euch in der Nähe zu landen, sonst braucht ihr bestimmt eine Woche um wieder zurück zu kommen…So blieben wir lieber an der kurzen Leine. Als irgendwann die Thermik dann doch langsam einschlief, flogen wir raus ins Tal. Die Aussicht auf den Terrassenbau, die verstreuten einzelnen Häuser und die Landwirtschaft beim Andi Khola (Fluss) war gigantisch.

Der Landeplatz ist nicht zu übersehen, da es eine runde Markierung in der Mitte gibt. Neben uns landeten dann noch Bibi und Rohan wartete bereits im Schatten. Nachdem wir die Schirme gepackt hatten, fuhr auch schon der „öffentliche“ Jeep vorbei, wo wir zugeladen wurden. Während ich mich bei der ersten Fahrt zwischen Rucksäcken und einem halben Dutzend Flugschüler noch auf die Ladefläche quetschen konnte, musste ich jetzt auf dem Dach Platz nehmen. Na herzlichen Glückwunsch, da reite ich das nächste Mal lieber einen Bullen. Für Alex blieb immer ein Außenplatz. So schaukelte das überladene Fahrzeug den Berg hinauf.

Am Abend reiste eine Gruppe verhaltensauffälliger Chinesen an, die von einer europäischen Flugschule betreut wurden. Sehr unangenehme, übelst laute Gesellschaft und das arrogante Verhalten scheinbar gegenüber allem, was nicht chinesisch war, ist schon krass gewesen. Am nächsten Tag waren die Bedingungen stabiler, aber immerhin konnten wir uns beim Anblick der Flugsafari recht gut amüsieren. So verabschiedeten wir uns vor unserem Abflug von Bibi & Rohan, Sumita (Babu’s Frau), die sich als Kayak-Meisterin entpuppte und dem Rest der Flugschüler-Meute. Im Tal versuchte ich noch ein Lamm zu stehlen, jedoch wies mich Alex auf etwaige Probleme beim Zoll hin. So musste ich Henriette zurücklassen.

Die Rückreisestrategie beruhte darauf sich am Straßenrand hinzustellen und auf einen Bus zu warten. Es kam tatsächlich einer! Und zwar einer der „Öffis“, also großen pinken bunt behängten Busse und nicht ein Mini-Bus. Hier verhandelten wir eine Überfahrt für 150 NRP pro Person, obwohl man im Fazit sagen muss: fahrt Mini-Bus. Die großen Busse halten gefühlt an jedem Baum, während die Minibusse zügig von A nach B fahren (ca. 1,5 bis 2 h). So kamen wir mitten in der Nacht in Pokhara (nach 2,5 bis 3 h) am Buddha Chowk an, liefen zum Prithivi Chwok erwischten dort für 30 NRP einen weiteren Bus nach Lakeside und genossen nach einer heißen Dusche unseren letzten Abend in Pokhara.

Fazit: Sirkot ist wohl das einzige „echte“ Fluggebiet in Nepal und hat die Ausmaße von ca. 5 km Breite und 50 km Länge. Woanders ohne potentiellen Behördenstress zu fliegen, ist auf Grund der Luftraumregelung nicht legal. Sirkot ist landschaftlich aber auch wirklich ein Schmankerl und hier lohnt es sich auch mal für eine Woche herzukommen. Wir wollen auf jeden Fall wiederkommen, denn geil war’s!


Informationen.


NameSirkot
GruppeAndi Khola Tal
RegionNepal
StartrichtungenSW, S, SO
TalortChhangchhangdi
GPS (Berg)28.02371, 83.73386
GPS (Tal)28.00851, 83.77333
Höhe Startplatz [amsl]1598
Höhenunterschied [m]870
AufstiegsvarianteWir haben den Jeep genommen, der beim Kiosk von Kalikot anhält - irgendwann. Ansonsten gibt es nur die eine Straße, der man nach Sworek folgen kann.
StartplatzGroße Wiese
FlughinweiseAm besten eine Flugeinweisung von Babu erfragen - ansonsten ist das Fluggebiet für Verhältnisse in Nepal sehr großzügig! Beim Absaufen ist man jedoch auf sich alleine gestellt.
LandeplatzSehr große Wiese am Andi Khola.
Talwind am LandeplatzS


Bildergalerie.



Kartenmaterial zum Nachhiken.