Should I stay or should I go.

 

Nachdem wir nach unserer Ankunft im Pustertal und dem Flüge in Gais einen weiteren labilen Tag in Ahornach ausgesessen hatten, juckte es uns noch wieder in den Schuhen. Zwar haben wir schon ausgepflant diese Region im Sommer/Herbst im Details für potentielle Hike & Flys zu erkunden, aber man könnte ja schon mal sondieren.

Wieder war das Wetter schwer zu beurteilen. Tiefbasige fast geschlossene Bewölkung, hohe Luftfeuchtigkeit und eine nahende Front. Regen vielleicht ab 13 Uhr oder auch nicht. Wir sind bereits am Vorabend zu einem wunderbaren Stellplatz vor Mühlbach im Mühlbacher Tal gefahren und wollte von dort aus zu einer der vielen Almen unterhalb des Sonnklars starten. Das erschien uns am Morgen dann doch wieder als nicht mehr ausreichend interessant, also fuhren wir weiter ins Tal Richtung Oberlappach / Lappago di Sopra – bis zum Ende der öffentlichen Straße vor dem Nevesstausee.

Das Mühlbacher Tal bringt einen zum Zillertaler Hauptkamm, ist schmal und malerisch, wie man es sich nur im Südtirol wünschen kann. Verunsichert vom Wetter beschlossen wir also Richtung Schrankwand zu wandern – für den Notfall wollten wir die Schirme mitnehmen. Ziel: Seebergsee. Da hatte jemand eine kreative Ader als ihm/ihr der Name einfiel…

Man folgt vom Wanderparkplatz der Asphaltstraße Richtung Mauthäusle, das unbesetzt war. Dort geht ein breiterer Forstweg mit der Nr. 22 den Berg hinauf. Hier kann man sich eigentlich nicht verlaufen. Nach ca. 300 Höhenmeter erreicht man einen Aussichtspunkt auf den Stausee, was im Mai noch recht unbefriedigend ist – Stausee leer.

Nach weiteren 200 Höhenmetern und einer langen Hangquerung bekommt man auch die Rinsbacher Alm ins Visier. Diese erscheint eher wie ein Holzverschlag und wird immer Sommer wohl auch nur vom Hirten benützt. Man sollte sich jedoch nicht Richtung Alm halten, sondern bei der ersten Abzweigung aufwärts orientieren. Der Weg ist nicht markiert, aber war für uns von oben zumindest gut sichtbar. Denn ja, wir haben uns verlaufen. Wir sind natürlich bis zur Alm gelaufen und mussten uns dann durch Gestrüpp und ein steinernes Meer bemühen. Das war auch kein Problem, aber es geht wie gesagt auch eleganter.

Auf ca. 2250 amsl erreicht man dann ein kleines Plateau, wo sich auch der Seebergsee finden lässt. Im Mai liegt dieser noch unter einer Eisdecke, was uns jedoch nicht weiter gestört hat. Man kann theoretisch direkt von der Plateaukante starten. Wem jedoch 50 Höhenmeter mehr lieber sind, findet auch an der Flanke der Tristenspitze ein feines Plätzchen. Nicht sicher, wie die Luft ist, nahmen wir die paar Höhenmeter extra mit und machten uns wieder in Eile fertig zum Flug.

Alex hat sich diesmal als Vorliegen geopfert, da in der Regel mir diese Rolle zu Teil wird. Nachdem es jedoch ganz wunderbar zu funktionieren schien, durfte der Lhotse auch in die Luft. Eigentlich herrliche Bedingungen, wenn nicht plötzlich diese Regentropfen gewesen wären. Daher nicht wie runter. Oberhalb des Kirchplatzes in Oberlappach gibt eine großzügige Wiese, die nur leicht abfallend ist. Zwar kam ein Windhauch das Tal aufwärts, aber es empfiehlt sich dennoch immer parallel, wenn nicht sogar in dem Fall hangaufwärts zu landen. Durch den abfallenden Hang hat man dann doch einen stark verlängerten Gleitweg und läuft sonst Gefahr auf die Straße zu geraten. Behält man das im Auge, ist es wirklich problemfrei hier zu landen.

Wir stiefelten dann das Stück Wiese bis zum Sportplatz hinuntern und tragen Sepp in seiner Bar. Der konnte es nicht fassen, dass wir a) zum Seebergsee gewandert und b) von dort geflogen sind. Der liebe Kerl hat dann Alex zum Auto kutschiert – immerhin 200 Höhenmeter gespart – während ich ein trockenes Plätzchen zum Schirmpacken suchte. Am Ende saßen wir zu dritt beim Radler und konnte alle kaum glauben, dass die Tour tatsächlich geklappt hat.

Fazit: Mikro-Abenteuer im Südtirol = unbezahlbar. Diese Tour ist einfach unglaublich schön, weil man sich fast im hochalpinen Bereich bewegt, eine fantastische Aussicht (falls wolkenfrei) auf den Nevesgletscher und dessen Stausee hat. Im Sommer bzw. an thermischen Tagen ist der Talwind zu beachten. Zwar kann man auf Grund des Talknicks nach Mühlbach davon ausgehen, dass der Talwind in Lappach eher schwächer ausfällt, sollte man im Idealfall vormittags oder spät nachmittags zum Landen ansetzen.


Informationen.


NameSeebergsee bei der Tristenspitze
GruppeMŸühlwalder Tal
RegionDefregger Alpen
StartrichtungenSO, S, SW
Talort(Ober)-Lappach
GPS (Berg)46.936981, 11.809054
GPS (Tal)46.917973, 11.806210
Hšöhe Startplatz [amsl]2252
Hšöhenunterschied [m]800
AufstiegsvariantenAusgehend vom Wanderparkplatz oberhalb von Oberlappach folgt man den beschilderten Wegen Richtung Rinsbacher Alm bzw. dem Weg Nr. 22. Vor der Rinsbacher Alm muss man sich etwas orientieren und bergaufwŠärts Richtung Schreckwand/Tristenspitze gehen. Je nach Wind kann auf dem Plateau der Seebergseen ein passender Startplatz gefunden werden.
StartplatzMŠäßig abfallende Wiese mit ausreichend Platz fŸür mehrere Schirme.
FlughinweiseIn Sommermonaten auf den Talwind (Pustertaler, MŸühlwalder) achten. Wir vermutlich durch den Talverlauf nur mŠäßig ausfallen.
LandeplatzNordšöstlich der Kirche in Lappach - auf die Hangneigung achten, am besten parallel zum Hang einlanden.
Talwind am LandeplatzSŸüd


Bildergalerie.



Kartenmaterial zum Nachhiken.