Auf den Spuren von Gamskaka.

 

 
Ein viertägiges Wochenende stand uns bevor. Der ultimative Plan war: 4 Tage, 4 Hikes, 4 Starts. Anfangen wollten wir mit dem Schwarzhanskar. Dass es am Ende auch geklappt hat, ist bei dem Wetter ein Wunder gewesen, aber dazu in anderen Berichten. Für diesen Tag war ein kräftiger N/NW-Wind vorhergesagt, mit Nordföhn um die 4 hPa. Auf ca. 2000 amsl sollten uns also ca. 15 km/h Wind und bei 3000 amsl bis zu 25 km/h erwarten.

Das Schwarzhanskar ist ein gut erschlossener Flugberg, wenn man sich etwas umhört. Der Aufstieg von Forchach demnach auch nicht sonderlich spektakulär. Aus dem Grund wollten wir uns die Liegfeistgruppe etwas näher anschauen und danach als Krönung vom Schwarzhanskar abgleiten. Gesagt getan. Wir parkten auf dem Wandererparkplatz bei Stanzach. Hier muss man sich vor der Brücke (Namloser Bach/Krabach) im Stadtkern Stanzach links halten. Da wir aber die Landung beim Auto nicht weiterempfehlen, kann auch direkt in Stanzach bei den öffentlichen Parkplätzen geparkt werden. Von dort ging es dann über einen Waldweg die Westseite der Pleisspitze hinauf. Man kommt immer wieder auf Lichtungen und bekommt einen Ausblick auf die südöstlich liegenden Lechtaler Alpen. Nach ca. 700 hm erreicht man die Pleishütte (privat) von wo es dann über den Grat weiter hinaufgeht. Der Waldweg ist wirklich traumhaft und man trifft auch keine Menschenseele. Die Pleisspitze selbst bildet das westliche Ende eines Talkessels – dem Hühnerspiel. Von dort kann man theoretisch Richtung West starten. Es handelt sich hierbei um einen steinigen und kleinen Startplatz (maximal ein Schirm). Die Länge des Startplatzes ist auch durch Latschen begrenzt, wenn man also nicht schnell genug in der Luft ist, liegt man mit Sicherheit drin. Der Wind steht zwar gut an, wir wollen aber weiter Richtung Schwarzhanskar. Zuerst folgt man dem Weg Richtung Osten, wobei eine Beschilderung des Weges nicht vorhanden ist. GPS empfohlen, bringt am Ende aber auch nichts… Hierbei bietet sich einem ein toller Ausblick in den Kessel, wo wir bestimmt 100 Gämse rumspringen sehen. Auf der anderen Seite fällt eine Wiese ins Rappental ab, wo bei schwachem Südwind bestimmt auch sehr gut gestartet werden kann. Nach einer Viertelstunde erreicht man dann die Ausläufer der Mittergrotzenspitze und steigt ins steinige Gelände ein. Wir waren mit dem GPS unterwegs und versuchten dem Track zu folgen. Zu Beginn war noch ansatzweise ein Weg zu erkennen, aber wir folgten dann relativ schnell nur noch den Gamsspuren bzw. was sie für uns übriggelassen haben. Der „Weg“ führte zwischen Gesteinsnadeln und Geröllfeldern, wobei es nach frischen Schüttungen aussah. Auf halber Strecke zum Schwarzhanskar wurde die Sache dann interessant. Wir sind auf Track, aber ein Weg ist nicht in Sicht. Sowohl unterhalb als auch oberhalb von uns ist das Gelände nicht wirklich begehbar und hier den Gamsspuren zu folgen ist auch nur noch utopisch. Wir kämpften uns demnach durch eine weglose Kletterei, wobei der Stein extrem brüchig ist und ständig kleinere Geröllfelder abgehen. Irgendwann befinden wir uns oberhalb des Tracks, aber unter uns ist nichts, was einem Weg ähneln würde. Nach einer nervenaufreibenden halben Stunde ist jedoch zum Glück das Schwarzhanskar in Sicht und wir hackeln den > 40° steile SW-Schrofenrücken zum Gipfelkreuz hoch. Dort angekommen müssen wir dann wieder zum Startplatz absteigen – aber ich bin heilfroh an einem Stück angekommen zu sein. Wer sich diesen Weg also vornimmt, sollte sich darauf einstellen seinen eigenen Pfad zu suchen und sich bei wegloser Kletterei auch wohl fühlen. Der vermeintliche „Wanderweg“ existiert nämlich nicht wirklich, da die schroffe Verwitterung des Gesteins (Hauptdolomit) zwar für die schönen charakteristischen Gipfelformationen verantwortlich ist – aber zeitgleich eine Instandhaltung eines Wegs unmöglich macht.

Der Startplatz selbst bietet Platz für hunderte von Schirmen und fällt unsteil Richtung Westen ab. Nach unserer Ankunft startet vom unteren Teil der Wiese bereits ein Gleitschirmflieger. Wir gehen den Grat weiter Richtung Norden, wobei uns ein Wind von ca. 17 bis 20 km/h um die Ohren pfeift. Auch wir entscheiden uns ein klein wenig tiefer zu gehen mit der Hoffnung, dass zumindest die Böigkeit des Windes abnimmt. Weit gefehlt. Da der Startplatz aber wenig Gefahren birgt, legen auch wir unsere Schirme aus – die natürlich sofort komplett durch den Wind verunstaltet werden. Ich habe auch das Gefühl gehabt, dass immer, wenn ich starten wollte, der Wind mit Absicht noch stärker und noch böiger zur Sache ging. Nach einer guten Viertelstunde hatte ich es dann endlich mit Starthilfe in die Luft geschafft und wurde sofort in die Höhe katapultiert. Auch wenn der Wind beim Starten eher hinderlich war, war er perfekt zum Soaren. So ging es dann auf knapp 2500 amsl hoch und wir konnten bis zur Pleis und wieder zurück soaren. Der Ausblick rund um war natürlich phänomenal, wobei die gut sichtbaren Lenticularis schon eher verstörend waren. Irgendwann sahen wir auch eine Bodeninversion/Nebelschwaden aus den Lechtaler Nebentälern kriechen, weswegen wir uns nach ca. einer Stunde auf den Weg Richtung Auto machten – kalt ist es nämlich auch geworden und hungrig waren wir auch schon. Füssen und das Alpenvorland waren schon längst unter einer dunklen Wolkendecke vergraben, die sich auch langsam über Reutte hermachte.

Ursprünglich wollten wir beide beim Auto – zwar auf einer größeren Landewiese, aber im Lee von einem Waldstück mit Häusern im Rücken – landen. Je tiefer wir jedoch kamen, desto stärker wurde der Talwind. Da ich noch mehr Höhe hatte als Alex entschied ich mich demnach weiter südlich von Stanzach auf den riesigen Feldern zu landen. 50 m über Grund war der Talwind dann bei knapp 30 km/h und ohne Beschleuniger ging da gar nix. Alex musste sogar voll beschleunigt landen, um wenigstens 2 km/h Vorwärtsfahrt zu haben. Welcome to Lechtal. Ich treffe am Landeplatz noch einen Local, der zum Groundhandln hier war. Die Windverhältnisse waren wohl vergleichsweise kommod. Ich will nicht unbedingt herausfinden, wie es hier im Frühjahr bei Bombenthermik abgeht. Eine Landung zwischen Weißenbach und Stanzach sei wohl aber immer Bockmist. Ok. Zur Kenntnis genommen.

Wir sind trotzdem happy, da die Wanderung schon eher aufregend und der Flug spektakulär war. Der perfekte Tag für das Schwarzhanskar.

Allgemeine Informationen zu den Startmöglichkeiten an der Pleisspitze: Direkt unterhalb des Gipfelkreuzes kann man Richtung West starten. Der Startplatz ist steinig und relativ kurz, daher kann ein Schirm auslegen und der Wind sollte sauber aus West anstehen. Der Startplatz ist anspruchsvoll. Geht man den Pleisgrat entlang, so erreicht man einen großen Wiesenstartplatz der gegen Süd ausgerichtet ist. Dort können mehrere Schirme auslegen und die Startbedingungen sind einfach. Bei mäßigem Südwind ist die Entstehung eines turbulenten Leebereichs zu erwarten – demnach sollte man die Windverhältnisse gut im Auge haben!


Informationen.


NameSchwarzhanskarspitze
GruppeLiegfeis Gruppe
RegionLechtaler Alpen
Startrichtungen(N), NW, W, SW
TalortStanzach, (Forchach)
GPS (Startplatz)47.407620, 10.613406
GPS (Landeplatz)47.379865, 10.555915
Höhe Startplatz [amsl]2227
Höhenunterschied [m]1317
Aufstiegsvarianten1. Langer und anspruchsvoller Aufstieg von Stanzach über die Pleisspitze
2. Aufstieg von Forchach
StartplatzEin sehr großer Wiesenstartplatz. Viele Startrichtungen möglich.
FlughinweiseDer Talwind kann an thermischen Tagen sehr hoch und stark sein.
LandeplatzSehr große Wiesenflächen südlich von Stanzach.
Talwind am LandeplatzSehr starker Talwind in diesem Teil des Lechtals!


NamePleisspitze
GruppeLiegfeis Gruppe
RegionLechtaler Alpen
StartrichtungenW, S
TalortStanzach
GPS (Startplatz West)47.395734, 10.600838
GPS (Startplatz Süd)447.396038, 10.608845
Höhe Startplatz [amsl]2109
Höhenunterschied [m]1140
AufstiegsvariantenGut ausgeschilderter Weg ab Wanderparkplatz Stanzach
StartplatzWest: anspruchsvoller, kurzer und steiniger Startplatz unterhalb des Gipfelkreuzes. Wind sollte sauber aus West anstehen.
Süd: große Wiese mit mäßiger Neigung, bei starkem Südwind Entwicklung von Leebereichen möglich
FlughinweiseWir können nur grundlegende Informationen zu den Startmöglichkeiten geben
LandeplatzSehr große Wiesenflächen südlich von Stanzach
Talwind am LandeplatzOft sehr starker Talwind in diesem Teil des Lechtals!
 


Bildergalerie.



Kartenmaterial zum Nachhiken.