Sattelspitze. Knödeltris und Südtiroler Teigtaschen.

 

 

Wenn man durch das Vinschgau fährt, dann kann man als Flieger nur noch Seufzen. Wo soll man hier nur landen? Apfelbaum reiht sich an Apfelbaum, je nach Lage findet man noch Weinreben und kein Flecken grün in Sicht, wo man nach einem schönen Hike & Fly landen könnte. Nördlich von Meran schaut das aber wieder anders auch. Hier gibt es bekannte Fluggebiete wie die Hochmuth oder den Hirzer und je tiefer man ins Passeiertal fährt, desto mehr Wiesen finden sich, auf denen man landen kann. So machten wir uns auf nach Saltaus und suchten unser Glück an den Südhängen der Texelgruppe. Genauer gesagt an der Sattelspitze, die das Ende des Grats vom Schwarzkopf am Sponserjoch bildet.

Das Wochenende sollte mit einem kräftigen Ostwind durchwachsen sein, jedoch erst in den höheren Lagen. So hofften wir, dass wir auf knapp 2100 amsl wie am Watles nur wenig Wind und bestenfalls Ablösungen auf der Südseite antreffen würden. Man parkt am besten beim unteren Parkplatz der Hirzer Seilbahn in Saltaus, wo man später auch auf der Wiese vor dem Törggelen Hof gut landen kann. Wir starteten in der Früh, als das Tal noch im tiefen Schatten lag und packten uns bei den tiefen Temperaturen dick ein. Man muss die Pseirer Straße queren und folgt das erste Stück der Asphaltstraße den Berg hinauf. Am Ende der ersten Serpentine kann man dann in den Wald abbiegen und orientiert sich am besten Richtung Faglsalm, wo man im Herbst durch eine Laubflut der verfärbten Kastanien geht. Man befindet sich auf dem Passeirer Schildhöfeweg und am Wegesrand gibt es immer wieder Infotafel, die einem sehr interessante Geschichten erzählen. z.B. gab es in Saltaus durchaus noch Weingärten, jedoch bot der Riederberg besten Voraussetzungen für Kastanienhaine. Das Holz, die Kastanien und auch das Laub waren für die Bauern von großer Bedeutung gewesen, sei es als Nahrungsquelle oder auch als Streu in den Ställen.

Recht schnell erreichten wir die Lichtgrenze und freuten uns über die wärmenden Sonnenstrahlen. Der Weg Nr. 6 ist sehr schön angelegt und man kreuzt immer wieder die Fahrstraße, die bis nach Bruno führt – das letzte Haus am Berg. Man ist hier knapp auf 1100 amsl und kann notfalls auch von hier Richtung Ost bis Südost starten. Wir biegen hier in den Wald ab und folgen nun einem Steig zum Brunner Mahder (1600 amsl), womit, glauben wir, ein paar Berghütten am Hang gemeint sind – hier kann man auf Grund vieler Überlandleitungen nicht auf Süd starten. Es gibt jedoch einen Hang, wo man zur Not auf NO herausfliegen kann.

Nach einem letzten Felsriegel erreicht man auf 2000 amsl endlich die grasigen Nasen des Sattelspitzgrats und der Ausblick nach Meran ist phänomenal. Es liegt ein tiefer Schleier über dem Tal und kaum eine Wolke ist am Himmel zu finden. Es weht eine leichte Brise aus NO und wir sind heilfroh, dass man hier auch problemlos Richtung NO starten kann. Man kann zwar direkt von hier starten, wir wollen uns jedoch noch die Sattelspitze anschauen und steigen weglos bis zum Gipfel auf 2137 amsl auf.

Hier gibt es keinen markierten Weg, aber die Ziegen, die immer noch oben weiden, haben einen kleinen Steig ausgetreten. Am Gipfel kann man Richtung S-SW starten, bei dem leicht böigen NO-Wind mussten wir also wieder ein Stück hinunter steigen. Die Wiesen hier oben sind perfekt um von NO über S bis nach SW zu starten. Es können mehrere Schirme nebeneinander auslegen und der Hang hat eine sanft abfallende Neigung. Wir starten also in die Luft und können sogar ein wenig Soaren. Dann können wir die 1600 amsl Höhendifferenz bei herbstlich-kalten Bedingungen geniessen.

Im Tal erwartete uns dann wieder ein leichter Südwind und wir landeten am Törggelen Hof. Hier ist zu beachten, dass es einige Überlandleitungen gibt und man nördlich auch die Hirzer Seilbahn mit ausreichend Höhe zu überfliegen hat. Man kann jedoch problemlos am Hang herunterachtern und hat immer noch ausreichend Platz für den Endanflug auf Süd. Alternativ gibt es weiter nördlich noch einen offiziellen Landeplatz am Quellenhof. Dieser erscheint auf den ersten Blick größer, jedoch ist es südlich und nördlich ebenfalls durch Überlandleitungen begrenzt. Ansonsten gibt es nördlich generell eine Vielzahl von Wiesen, die man landen kann, jedoch muss man die Augen auf Grund der Leitungen immer offen halten.

Fazit: Eine wunderbare Hike & Fly Tour im Passeirer Tal mit vielen Höhenmetern, tollen Ausblicken und der Möglichkeit Mitte November noch in der Meraner Altstadt auf der Sonnenterrasse Knödeltris und Südtiroler Teigtaschen begleitet von einem Spritz zu genießen.


Informationen.


NameSattelspitze
GruppeTexelgruppe
RegionÖtztaler Alpen
StartrichtungenNO, O, SO, S, SW
TalortSaltaus / Saltusio
GPS (Berg)46.74307, 11.16624
GPS (Tal)46.72411, 11.20119
Höhe Startplatz [amsl]2020
Höhenunterschied [m]1550
AufstiegsvariantenMan startet am unteren Parkplatz der Hirzerbahn (kostenfrei) und quert die Flussseite und folgt dem Weg Nr. 6.
StartplatzGroßzügige, ideale Wiese mit Option in so gut wie jede Himmelsrichtung
FlughinweiseIm Frühjahr/Sommer auf Talwind achten, im südlichen Bereich Richtung Meran sehr wenige Landemöglichkeiten! Richtung Norden wird das Landen einfacher.
LandeplatzAm Torgglerhof ist die Wiese groß, nördlich jedoch durch die Bahnseile relativ kurz anzufliegen. Am besten am Hang abachtern und immer die Augen nach Stromleitungen offen halten. Alternativ gibt es eine Wiese beim nördlicher gelegenen Quellenhof - hier jedoch die mittig über die Wiese verlaufende Stromleitung beachten!
Talwind am Landeplatzsüdlich


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