Safari. Looking for game.


Auf die zweite Hälfte des Afrikatrips gehe ich nur in Kürze ein. Nach einem Extratag in Moshi, wo wir tatsächlich sogar mit Einheimischen feiern gewesen sind, hat uns unser Safariguide Nelly einen Besuch abgestattet. Ein tiefenentspannter und sehr zuvorkommender Mensch, der sich am Ende als Träumer und engagierter Tierschützer mit einer Vorliebe für Ornithologie herausgestellt hat. Wir steigen diesmal nicht in einen der Minibusse ein, sondern haben ein 4×4 Toyota Landcruiser mit Aufstelldach als zu Hause für die nächsten 6 Tage.

Nach einer längeren Autofahrt halten wir beim Zion Camp zum Mittagessen und starten danach unsere Safari im Tarangire Nationalpark. Wir betreten den Park um 14.30 Uhr, müssen um 18 Uhr wieder raus, aber können dann ab 6 Uhr bis 14.29 Uhr wieder rein. So zumindest die 24-Stunden-Ticketlogik der Nationalparks. Das ist auch nicht verkehrt, da man somit sowohl die abends aktiven als auch die Frühaufsteher des Tierreichs zu Gesicht bekommt.

Memo: wenn dein Guide dir sagt, dass du vor dem Verlassen des Autos die Fenster schließen sollst, dann hörst du auf ihn. Sonst kommst du von der Toilette wieder und kleine Affen durchwühlen dein Gepäck nach Essbarem. Die kleinen Bastarde kriegst du dann auch nicht mehr so leicht aus dem Auto raus. Sobald man schreiend auf sie zu geht, rennen die nämlich auf einen los. Und ich bin mir nicht sicher wer bei einer Auseinandersetzung den Kürzeren ziehen würde…Aber zum Glück ist Nelli schnell wieder vom Registrierungsoffice zurück und kümmert sich um das Affenproblem.

Wir haben insgesamt vier Nationalpärke besucht, der jeder seinen Reiz hat.


Tarangire Nationalpark


Hier hat man eine sehr hohe Wildtierdichte, da der Tarangire-Fluss viel Wasser mit sich bringt und somit auch in trockneren Zeiten für eine fruchtbare Flora sorgt. Im ersten Moment ist die Masse an Tieren überwältigend: graziöse Impala-Herden, Steppenzebras, quiekende Warzenschweine (Puuumba!), Anubispaviane mit leuchtendem Hintern und Grünmeerkatzen, die einem Blumen aus der Hand reißen und natürlich jede Menge Elefanten. Sogar einen Löwen haben wir gesehen, der faul im Schatten eines Baums lag und sich noch Büffelreste aus den Zahnzwischenräumen schleckte.


Lake Manyara Nationalpark


Bekannt ist dieser Park für seine Elefanten, die es hier auch gefühlt wie Sand am Meer gibt. Da der Park eigentlich komplett um den See angelegt ist, kommt hier auch das Steckenpferd von Nelli zum Vorschein: Ornithologie. Unterschiedlichste Arten von Wasservögeln, Raubvögeln, Singvögeln und Aasfressern hat er uns gezeigt. Flamingoscharen häufen sich ebenfalls am See und wer weiß, vielleicht besuchen einige von ihnen ja hin und wieder unseren heimischen Forggensee? Und nicht zu vergessen: der Wurstbaum. Ja, genau richtig gelesen: Wurstbaum.


Serengeti Nationalpark


Der wohl bekannteste Nationalpark im Norden Tanzanias ist die Serengeti. Im Vergleich zum Tarangire oder Manyara Nationalpark hat man keinen Urwald mehr, sondern befindet sich in der offenen Savanne. Hier hoffen die Meisten Zeuge der Großen Migration als millionschweres Naturspektakel zu werden. In der Serengeti hatten wir sogar die Möglichkeit auf einem Campingplatz zu übernachten, so dass wir weite Strecken im Park zurücklegen und u.a. zum südlichsten Zipfel des Parks fahren konnten. Hier muss man aber mit nächtlichem Grunzen von grasenden Büffeln 10 Meter hinterm rümpeligen Holzzaun rechnen. Wir haben leider nicht das Glück auf die Migration zu treffen, aber nichts desto trotz wimmelt es nur von Afrikanischen Büffeln, Thomson-Gazellen, Weißbartgnus und Oryxen. Neben Warzenschweinen und Dik-Diks treffen wir auch auf Hyänen und Streifenschakale. Wir dürfen sogar beobachten werden, wie ein Leopard eine Antilope erlegt und diese in sein „Nest“ schleift. Hier wird’s jedoch auch zunehmend unappetitlich, da sobald ein Raubtier auftaucht, sämtliche 4×4 des Parks angefahren kommen (alle am Funken) und ein Getümmel entsteht. Die Autos blockieren sich gegenseitig und schlimmer noch, blockieren dem Tier den Weg zu seinem Rückzugsort. Wir sind dann einfach gefahren, weil in unseren Augen an der Stelle der Mensch wieder übers Ziel hinausschießt und statt dem kleinen Finger, gleich die ganzen Arm zu verschlingen versucht. Gut gemacht, denn einige Kilometer weiter konnten wir einen faulen Leoparden auf einem Baumstamm vor uns schlafen sehen ohne dass ein Dutzend Autos sich um ihn drängten.

Die Serengeti ist wegen den Akazienbäumen und zahlreichen Baobabs ein Augenschmaus. Kleine Wasserstellen sind gefüllt mit Krokodilen und Flusspferden. Und mit dem richtigen Guide ist man auch weit entfernt von den Standardrouten durch den Park, von den Menschenmassen und kann die wilde Weite genießen. Das traurigste Erlebnis ist jedoch, wenn eine Löwenmutter schreiend durch die Savanne zieht. Nelli meinte, dass vermutlich ein Junglöwe ihr Junges, das von einem anderen Löwen stammt, gefressen hat, damit die Löwin so schnell wie möglich wieder paarungsbereit ist. Welcome to the Jungle.


Ngorongoro Crater Conservation Area


Auf dem Rückweg machen wir nochmal halt und übernachten im Wild Camp oberhalb des Ngorongoro Kraters – wow! Es handelt sich hierbei um einen gigantischen Einbruchkrater mit einem Durchmesser von bis zu 21 km, der von Seitenwänden von bis 600 Höhenmeter gesäumt ist. Eine riesige Schüssel voller Tiere also. Den Krater kann man mit dem Auto befahren und hat dort die Möglichkeit die Kleine Migration zu bestaunen. Tausende von Gnus und Zebras, die sich um die Wasserquellen sammeln. Der Kraterrand ist gesäumt von Busch- und Heideland, während das Kraterinnere durch eine Kurzgrassavanne mit vereinzelten Akazienwäldern geprägt ist. Der Krater soll scheinbar die größte Raubtierdichte ganz Afrikas haben, wir haben jedoch nur eine freche Fleckenhyäne getroffen. Man munkelt auch, dass es ein paar wenige Spitzmaulnashörner gibt. Diese sind jedoch schwer zu entdecken und erst letztens musste ich in den Nachrichten lesen, dass das letzte bekannte Spitzmaulnashorn des Ngorongoro Kraters gewildert worden ist.


Bildergalerie.