Oltschiburg. Zwischen offizieller Flugerlaubnis und Zuverlässigkeit des Regenradars.

 

 

Kaum als dass wir nach unserem phantastischen Flug von der Silberhornhütte am Boden standen, schmiedeten wir schon den nächsten Plan. Das Wetter sollte am nächsten Tag umschlagen und zwar kam eine richtig dicke gewittrige Kaltfront. Wir spekulierten darauf, dass die Front am Nachmittag die Zentralschweiz erreichen würde und wollten an dem noch jungen Tag noch was machen: Biwak unterwegs zur Oltschiburg.

So verließen wir das Lauterbrunnental nach einem kurzen Abstecher in den Grindelwald (schrecklich überlaufen, schnell weg also) und genossen die Aussichten auf der Panorama Strecke nordseitig des Brienzersees. In Brienz kauften wir noch Speis und Trank an, wonach wir auf Aarregg fuhren. Hier gibt es auf der einen Seite einen Strand, wo man gegen Kleingeld parken darf, und auf der anderen Seite ist hier auch der Landeplatz des Fluggebiets Oberhasli-Brienz. „Oben am See“ gibt es offiziell zwei Startplätze, einmal auf Süd (Hofstetter Dummen) und einmal auf Nord (Axalp Skiberg). Richtung Innertkirchen gibt es nochmal zwei Startplätze und zwar den Sandhubel Reute und die Planplatten. Alle Startplätze befinden sich im CTR Meiringen, was das Fliegen nicht unbedingt einfacher macht, wie wir festgestellt haben. Aber es geht!

Die wichtige Info vorab: nehmt Euer Funkgerät (AM 135.475 MHz) mit! Das macht Euch das Leben um einiges einfacher. Ansonsten ist die Telefonnummer des Flugdienstleiters (+41 (0)33 9726701) auf der Kurzwahltaste ein Muss.

Nachdem wir uns im See erfrischten, gab es erstmal lecker Abendessen am See. Als die Sonne sich langsam zum Horizont neigte, packten wir unsere Flug- und Biwaksachen und brachen Richtung Axalp auf. Unterwegs wollten wir am Flugplatz vorfühlen, wie es mit dem Starten am nächsten Tag ablaufen sollte, leider konnte man uns zur späten Stunde keine Infos mehr geben.

Es gibt mehrere Wege, wie man Axalp erreichen kann, wir sind zum Bächlischwendi gelaufen und dort über den Wychelfluewald den Berg hinauf gekommen. Der Weg geht wenig steil in einem schönen Wald den Berg hinauf, jedoch zieht es sich ein wenig bis man den Brienzerberg erreicht. Ab Teiffental/Biel folgt man der Asphaltstraße, die sich flach das Plateau hinaufzieht.

Bis nach Gou ist das Gebiet dünn besiedelt, wobei es vorrangig Ferienhäuser sind. Passiert man in Rooscht die letzten Bebauungen muss man lange flache Serpentinen in Kauf nehmen. Wer sich durch den Wald schlagen will…bitte. Wir konnte gerade noch die Füße sehen vor Dunkelheit.  Daher schlugen wir unser Biwak noch kurz vor der Grenze der Biwakverbotszone = Jagdbanngebiet Schwarzhorn auf.

Die Nacht war unglaublich warm und unsere einzige Sorge war es morgens von neugierigem Vieh überrascht zu werden. Weit gefehlt, denn wir haben den Wecker verschlafen und machten uns erst nach halb acht auf den Weg Richtung Oltschiburg. Am Hinterburgseeli trafen wir noch auf eine Meute Büffel, die mir ganz schön Angst einjagten, bevor es dann in Murmelbahnserpentinen den Schwand hinaufging. Hier rief ich aus reiner Neugier mal beim Flugdienstleiter in Meiringen an. CTR sei aktiv, ab jetzt. Hätten wir denn ein Funk? Nein. Das ist blöd. Gegebenenfalls könnte er uns in der Mittagspause eine Freigabe erteilen, wir sollen uns nochmal melden…Oha, das sollte noch lustig werden.

Nach der Murmelbahn quert man das Urseliband und kommt auf die Stafelhalden, während die Oltschiburg sich als senkrechte Wand präsentiert. Man erreicht die Oltschiburg nur von der Nordseite und der Weg ist nur mäßig markiert. Ohne GPS am Handy wären wir an dem kleinen Holzpfosten glatt vorbeigelaufen.

Der Weg zieht sich bis dahin ganz schön und das Regenradar machte mich langsam nervös. So legten wir im steilen Wiesengelände einen Zahn zu und standen unter dem Felsplateau. Es gibt eine mit Seil versicherte Kletterstelle, wobei die freien Stellen im Schrofengelände auf Grund der Steilheit etwas anspruchsvoller sind. Insbesondere bei Nässe ist die Nordseite mit Sicherheit kein Spaß, den man runterlaufen möchte.

So erreichten wir das weitere Plateau der Oltschiburg (2334 amsl) vor 11 Uhr und der Himmel hinterm Schwarzhorn wurde zunehmend dunkler. Das Regenradar sprach uns auch keinen Mut zu, insbesondere als dann noch die ersten Regentropfen am Boden der Tatsachen ankamen…Noch ein Anruf beim Flugdienstleiter. Ja, das würde klappen zur Mittagspause. Wir sollen uns vor 12 Uhr nochmal melden und flugbereit sein…Das Regenradar sagt ein trockenes Zeitfenster von 11.40 Uhr bis 12.20 Uhr voraus. Na dann hofften wir mal, dass das reicht. 11:50 Uhr. Ich rief den Flugdienstleiter ein letztes Mal, Luftraum bis 13 Uhr inaktiv und einen guten Flug!

Der See spuckte noch keine Schaumkronen, der Regen hat sich wieder verzogen und wir starteten bei Nullwind auf NO. Nicht desto trotz hatten wir es eilig schnell am Boden zu stehen, denn auf 1500 Meter Differenz kann noch einiges passieren. Uns ist zum Glück absolut gar nichts passiert und wir konnten mit einem mulmigen Gefühl bei Aaregg/Wychelmatten landen. Noch im Trockenen packten wir die Schirme und machen uns wohlwissend, wie blöd es hätte laufen können, auf dem Heimweg. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Luzern erreichte uns die mächtige Front dann und glich einem schwarzen Weltuntergang….

Fazit: Hätten wir Funkgeräte dabei gehabt, wäre alles zeitlich halb so wild gewesen. Ohne Funkgeräte ist man dann an die CTR-Bestimmungen gebunden. Die Oltschiburg selbst ist ein wunderbarer Startplatz, wo man in so gut wie jede Richtung starten kann. Bei Bise sollte man aufpassen, ansonsten wird man mit traumhafter Aussicht auf den strahlenblauen Brienzersee verwöhnt. Schade, dass uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung gezogen hat.

Hinweis: Die Oltschiburg ist im eidgenössisches Jagdbanngebiet Schwarzhorn mit rechtsverbindlichem Status, wo laut Bestimmung Wintersportarten ausserhalb markierter Pisten, Routen und Loipen verboten sind. Hiernach darf man also mit dem Gleitschirm starten bzw. es ist nicht explizit verboten. Bei Streckenflügen und vor allem einer Talquerung zum Brienzergrat ist jedoch die Wildschutzvereinbarung zu beachten (es sind zwar rechtsverbindliche „nur“ Jagdbanngebiete mit Wintersportverbot, eine Abmachung über das Gleitschirmfliegen in dem Gebiet wurde jedoch zusätzlich vereinbart). Starts im Jagbanngebiet Augustmatthorn und Tannhorn sind zu unterlassen. Was aus in der Schweiz höflich formuliert verboten heißt. Flüge von 01.04. bis 30.06. sind unter der Woche verboten. Beim Adlerhorst „Suggiturm“ sind März bis Mai eine Minimalhöhe von 2000 m.ü.M. und ein horizontaler Abstand von 300 m einzuhalten. Zudem ist auf die CTR Meinigen und die TMA Alpnach zu achten. 


Informationen.


NameOltschiburg
GruppeSchwarzhorngruppe
RegionBerner Oberland
StartrichtungenN, NW, W, SW, S, SO, O, NO
TalortBrienz
GPS (Berg)46.716377, 8.079287
GPS (Tal)46.740876, 8.050420
Höhe Startplatz [amsl]2233
Höhenunterschied [m]1660
AufstiegsvarianteZeitaufwendiger Aufstieg über meist alte Schotterwege und Asphalt bis zum Hinterburgseeli. Danach auf ausgeschilderten Wanderweg bergauf. Die letzte Abbiegung ist dann nur mit GPS zu sehen. Denn ein auf den ersten Blick nicht sichtbarer Wiesenweg führt dann Nordseitig auf den Gipfel.
StartplatzDer Berg ermöglicht es in jede Richtung von einer Wiese zu starten. Der genaue Startplatz muss je nach Wind und Weidevieh bestimmt werden.
FlughinweiseAchtung! Start und Landeplatz befinden sich im Luftraum D (Vom Grund bis auf 3950m).
LandeplatzOffizieller Landeplatz direkt am Parkplatz und Brienzer See.
Talwind am Landeplatz


Bildergalerie.



Kartenmaterial zum Nachhiken.