Niederbauen-Chulm. Den Lofoten zum Verwechseln ähnlich.

 

 

In unserer neuen Heimat wimmelt es nur so von Startplätzen und auch wenn diese durch die zahlreich vorhandenen Burebahnen oft auch mit mechanischer Unterstützung erreichbar sind, präferieren wir es zu Fuss zu gehen. Der Frühling kam bei unserem ersten Besuch des Niederbauen-Chulm erst in kleinen Schritten über Nidwalden, aber wen stört das etwas Schnee schon.

Es gibt zwei Hauptrouten, um von Emmetten zu Fuss auf den Niederbauen zu gelangen. Der längere und landschaftliche abwechslungsreiche Weg führt über das Choltal, wonach man den Berg von Süden und über die Scheidegg ansteuert. Wir hingegen wählen den direkten Weg, der hinter Sagendorf die Nordwand des Niederbauen über den Ägerstenwald hinaufführt. Zu Beginn findet man noch einen durch zahlreiche kurze Serpentinen gekennzeichneten Waldweg vor, der in Blättern des letzten Herbstes gekleidet ist. Über der 1000 amsl Marke nimmt die Steilheit des Weges zu, wir müssen uns durch alte Schneefelder kämpfen und queren oberhalb des Steinzugs eine nicht unbedingt flache Schneerinne.

Von dort ist es jedoch nur noch ein Katzensprung über die auslandende sowie schneebedeckte Westseite des Niederbauen, um den offiziellen Startplatz zu erreichen. Dieser ermöglicht es einem so gut wie in jede Himmelsrichtung zu starten und ist für Schulungsbetrieb bestens geeignet. Als wir ankommen, starten die ersten Neulinge bereits ihre Flüge und ziehen (noch) gegen Süden auf. Ab Mittag startet man hier in der Regel auf Nordwest-Nord. Dieser Startplatz ermöglicht es auch z.B. bei mässiger Bise noch zu fliegen.

Wir hingegen wollen weiter und folgen dem für Tagestouristen planierten Weg gen Osten. Dieser führt flach über die Hochebene des Niederbauen und lässt den Besucher die Nordseite des Oberbauenstocks und Zingels bewundern. Im Sommer führt ein schöner Weg, der mit Betonblocktreppen ausgestattet ist, über die Tritthütte zum Niederbauen. Auf Grund des noch grosszügig vorhandenen Schnees und dem Drang die Aussicht über den Seelisberg zu bestaunen, umrunden wir den Niederbauen-Chulm südseitig und erreichen den Hundschopf auf 1649 amsl. Von hier blickt man über schroffe Klippen hinab zum Vierwaldstätter See und den Nachbarskanton Uri. Die Ostflanke des Niederbauen Chulm ist durch Lawinenabgänge gezeichnet, was den strahlend blauen See recht wenig beeindruckt. Wir verweilen auch nicht lange und marschieren nun am rechten Hangrand Richtung Gütsch an eisigen Wächten vorbei, die bedrohlich den Hang hinunter luagen. Der letzte Aufschwung auf die  Gütsch gestaltet sich dann doch recht steil und dort spüren wir auch endlich den regionalen Wind.

Während der Niederbauen-Chulm sich für Starts auf SO bis SW und aus einer tiefer gelegenen Rinne auch auf bei Bedarf West eignet, so ist die Gütsch für Westwind gemacht. So entschliessen wir uns auch von hier zu starten und legen die Schirme auf festem Schnee aus. Bei einer leichten Brise ist der Start ein Genuss und wir gleiten über die Flugschüler auf dem Niederbauen hinweg. Die Südseite pufft bereits einige kleine Thermikblasen aus, jedoch für uns kaum mehr als ein verirrter Piepser am Vario. Die Aussicht auf den Vierwaldstätter See ist zeitgleich eine Irreführung, denn wenn ich es nicht besser wüsste, könnte ich auf den Lofoten unterwegs sein. Die Rigi zu meiner Rechten, und gerade zu auf den Bürgenstock, thronen die Berge über dem glänzenden Wasser und schreien förmlich: Kauf dir ein Boot, Chind!

Der Landeplatz ist in Emmetten, was sich – nicht – auf Seehöhe befindet. Demnach ist bei Flügen über den See die Reichweite zum Landeplatz im Auge zu behalten. In Beckenried gäbe es zwar noch einen weiteren Landeplatz, aber dieser muss auch erstmal erreicht werden. Wir orientieren uns am Sportplatz der Schule sowie Dorfkirche und steuern den Landeplatz an, der leicht ansteigend ist, sofern auf Nord angeflogen.

Fazit: Die Aussicht ist durch den „umzingelnden“ Vierwaldstättersee phänomenal und das alltime-Flugpotential des Berges ist natürlich auch ein gutes Argument dem Niederbauen einen Besuch abzustatten.


Informationen.


NameNiederbauen-Chulm / Gütsch
GruppeUnterwaldner Voralpen
RegionUrner Alpen
StartrichtungenSO, S, SW, W
TalortEmmetten
GPS (Berg)46.946843, 8.556342
GPS (Tal)46.957924, 8.517349
Höhe Startplatz [amsl]1844
Höhenunterschied [m]1106
AufstiegsvariantenEntweder über das Choltal oder die Nordseite des Niederbauen, wobei diese Variante im Winter nicht ganz unschwierig ist.
StartplatzGrosse Wiese
FlughinweiseAuch bei leichter Bise lässt es sich hier noch fliegen
LandeplatzOberhalb des Sees gelegene in Emmetten.
Talwind am LandeplatzNordwestlich


Bildergalerie.


 

 


Kartenmaterial zum Nachhiken.