Namloser Wetterspitze. Mini-Trolltunga inmitten der Lechtaler Alpen.

 

 

Schon lange schwebte es mir vormit dem Gleitschirm von der Namloser Wetterspitz zu starten. In meinem ersten Sommer im Allgäu-Ausserfern bin ich schon mal hier oben gewesen und bin seit damals von der markanten Spitze fasziniert. An dem Wochenende war wieder schwacher Höhenwind zu erwarten, im schlimmsten Fall mit einem Einfall aus Nordwest. Wir hofften einfach, dass die letzten thermischen Ablösung stark genug waren, um uns Richtung S/SW in die Luft zu bringen.

Wir parkten das Auto am Anfang der Auffahrtstraße nach Fallerschein. Die Auffahrt bleibt nur den Eigentümern des sündigsten Almdorfes Tirols vorbehalten. In der Früh ist der Parkplatz noch recht leer. In Namlos selbst haben wir ad hoc keine Parkalternative gefunden. Von da folgt man dem Asphalt bis man nach ca. 200 Höhenmeter in Fallerschein ist. Als wir ankamen, schliefen die Bewohner noch und wir schlichen uns zum südlichen Dorfende. Wir fanden einen Windanzeiger und zur Not gibt es rundherum auch genügend Landemöglichkeiten, wobei wir in Namlos landen wollten.

Von Fallerschein aus folgt man nun dem Trampelpfad über die Weiden schnurstracks Richtung Süden. Nach knapp einem Kilometer endet die Weide und man kommt auf einen Steig, der oberhalb der Sommerbergbachs entlang geht. Wir sind im tiefen Schatten der Wetterspitze und können noch lange auf Sonne warten…Auf ca. 1550 amsl quert man dann den Bach und muss sich rechtsseitig des Geröllabgangs halten. Von hier verläuft der Steig bis auf 1800 amsl ohne weitere Serpentinen.

Zum Ende des Tals erscheint einem eine Hütte im Blickfeld – nicht in Richtung Hütte gehen, sondern nach dem Latschenwald um 90 Grad links den Berg hinauf. In kurzen und langen Serpentinen mit zunehmen Geröll erreichten wir dann endlich die Sonne am Sommerbergjoch, wo es für uns erstmal eine Brotzeit gab. Die ersten thermischen Ablösungen kam die Südostflanke hoch und die Zuversicht stieg ebenfalls. Vom Joch sind es dann noch knapp 400 Höhenmeter bis zum Gipfel, die man recht schnell durch den steilen Zickzack hinter sich bringt.

Am letzte Stück zum Gipfel geht es etwas steiniger zu und endlich sind wir da. Ein phantastischer Rundblick über die Allgäuer, die Lechtaler und die Ammergauer Alpen bis hin zur Zugspitze. Im Alpenvorland hängt ein tiefer Nebel und in den breiten Täler scheint eine dicke Inversion alles im Dunst zu verschleiern. Wir genossen die Aussicht am charakteristischen Felsenvorsprung und freuten uns auf den Abflug ins Tal.

Direkt vom Gipfel ist der Start vermutlich nur bei gutem Wind und einem Schirm mit kurzen Leinen, wenn überhaupt, machbar und mit Sicherheit nicht sinnvoll. Wir stiegen daher die 50 Höhenmeter wieder ab, wo man auf eine großzügige Schorfen wiese trifft. Hier die mässige Überraschung: Wind mit Westkomponente, aber zwischendurch Ablösungen aus Süd. Alex erwischte eine und war in der Luft, während ich an zweiter Stelle nun in der thermischen Flaute stand….aber man kommt immer irgendwie in die Luft, auch wenn es parallel zum Hang geht.

Es empfiehlt sich rechtsrum (über Fallerschein) zu fliegen, denn falls man es braucht, gibt es dort Landewiesen. Ansonsten versuchten wir über dem Karleskamm noch einige Tüpfchen Thermik zu erhaschen, vergeblich. An der Südflanke der Knittelkarspitze ging auch nix, nur ein leichten Lee durch den Westwind, der das Namlostal hinauf zog. So eierten wir ein bisschen rum und landeten westlich des Dorf. Die vorderen Wiesen sind alle geneigt, erst Richtung Kelten werden die Wiesen ebener. Aber alles im grünen Bereich, solange man quer zum Hang anfliegt.

Fazit: Gerade im Herbst ist die Namloser Wetterspitze das ideale Hike & Fly Ziel. Während der Rest des Nordalpenrands im Nebel versinkt, hat man hier meistens gute Karten einen Flug zu machen. 


Informationen.


NameNamloser Wetterspitze
GruppeNamloser Gruppe
RegionLechtaler Alpen
StartrichtungenW, SW, S, SO, (O)
TalortNamlos
GPS (Berg)47.32319, 10.64142
GPS (Tal)47.35713, 10.65361
Höhe Startplatz [amsl]2480
Höhenunterschied [m]1230
AufstiegsvariantenMan parkt entweder in Namlos imd läuft die Straße bis zum Einschnitt des Fallerscheiner Tals oder parkt am Wandererparkplatz. Eine Auffahrt ist nur Anwohnern gestattet. Vom PP folgt man der Straße nach Fallerschein, durchquert das Dorf und folgt dem Wiesenweg weiter Richtung Süden. Ohne viele Schlenker geht es das lange Tal bergauf, wobei man mittig den Sommerbergbach queren muss. Auf ca. 1800 amsl zweigt der Weg unauffällig Richtung Osten ab und schlängelt sich zum Sommerbergjoch hinauf. Bei Westlage kann man notfalls hier starten. Von hier gibt es dann den offensichtlichen Wiesenweg zum wunderbaren Gipfel.
StartplatzDer Gipfel ist steinig und für GS schwierig zu starten. Eine schöne Wiese gibt es 50 Meter unterhalb des Gipfels.
FlughinweiseTagsüber kann es in den Sommermonaten zu stärkeren Talwinden im Lechtal kommen.
LandeplatzGroßzügige Wiesen mit Hangneigung im Tal nördlich von Namlos, auf Weidevieh im Herbst achten. Ggf. auf Kelmen ausweichen (ebene Wiese, weniger Wind).
Talwind am LandeplatzNördlich.


Bildergalerie.



Kartenmaterial zum Nachhiken.