Unterwegs am Fuße des Machapuchare.

 

 
Wir wollten natürlich auf jeden Fall eine der „höheren“ Touren machen, wobei die Auswahl in der Nähe von Pokhara sich primär auf Korchon oder Mardi Himal beschränkt. Wir entschieden uns vorerst für den Mardi Himal, weil uns die Infrastruktur durch mehrere Hütten entgegen kam. Außerdem hatten wir uns mit einem Amerikaner angefreundet gehabt, der sich wiederum mit ein paar nepalesischen Tandemfliegern angefreundet hatte, die zufällig privat zum Mardi Himal aufsteigen wollten und noch Platz im Jeep hatten (wir vermuten, dass wir den Jeep gut mitfinanzieren sollten..). Wir hatten natürlich nichts dagegen bei so einer Tour nicht komplett auf uns gestellt zu sein, also Bingo!

Wir konnten erst gegen Mittag losfahren, da die Tandemkollegen selbst am Vormittag für Flüge gebucht waren. Soweit so gut, also trafen wir uns gegen 11 Uhr und quetschten uns zu 8 in den Jeep (Tandem-Pilot + seltsame chinesische „Freundin“, Tandempilot 2 + Kumpel, Isaac, wir beide und der Fahrer). Unterwegs wurde in Pokhara in den kleinsten Gassen noch 10 Mal angehalten, um hier Wasser zu kaufen, dort die Zigaretten und wiederum gegenüber die Packung Knabbermix. Es zog sich also bis wir aus der Stadt raus waren und alle ohne Passierschein am verlassenen ACA-Schild Richtung Lumle ratterten.

Hinweis: Sowohl Mardi Himal als auch Korchon befinden sich in der Annapurna Conservation Area, die das Lösen eines Permits notwendig machen. Wir hatten zwar einen für unseren Trek gelöst (wird auch an den Wegposten fleißig kontrolliert und ständig werden einem Abschnitte abgerissen), aber der Eintritt ist offiziell nur einmal möglich. Zudem müsste man offiziell einen „High-Altitude-Paragliding Permit“ beantragen und die Tour dürfte nur in Begleitung eines Fluglehrers und halt dich fest zusätzlich eines „Bergführer“ gemacht werden. Naja, lassen wir es mal so stehen, ob der Staat oder doch die Flugschule damit Geld machen wollen…

Bis Lumre folgte der Jeep einer sandigen Piste. Verlässt man das Dorf jedoch, wird die Strecke sogar für den Jeep interessant. Es rumpelt und wackelt wie Pudding, dass nur noch festkeilen hilft, um nicht durch den Jeep geschleudert zu werden. An zwei Stellen schaffte der Jeep es auch erst beim dritten Anlauf und irgendwie wird einem da doch etwas mulmig. So breit sind die Straßen nicht und der Abhang tief.

Wir schafften es dann doch bis knapp nach 2 Uhr Nachmittags bis nach Sidhing (1800 amsl), wo die Nepalis erstmal Pause machen wollten und haltet euch wieder fest, ihre gesamte Tandemausrüstung an zwei Porter übergaben – wir sollten vorgehen. Da eh scheinbar in allen Camps die Plätze voll waren und uns eine Übernachtung in der Küche erwarten sollte, war es somit auch wurscht. Wir waren also keine wirklich feste Truppe und machten uns schon mal auf den Weg, Isaac kam mit.

Hier trennte sich dann auch recht schnell die Spreu vom Weizen. Zu Beginn heizten der Ami und die Porter wie die Irren den Berg rauf und machten dann alle paar Meter Rast. Wir hielten unser Tempo eigentlich von unten bis oben konstant, so dass auf dem Weg zuerst die Porter es aufgaben mit uns mitzuhalten und dann Isaac. Wir wurden vorgeschickt, er müsste jetzt erstmal was essen und würde dann mit den Tandemleuten weiter gehen. Ok, prinzipiell ja in Ordnung. Die Höhenmeter spulten somit an uns vorbei: Low Camp und tatsächlich auch noch vor Sonnenuntergang irgendwann das Middle Camp, wo bereits die ersten nach Höhenkrankheit aussahen.

Ich muss schon zugeben, dass das Trekking um die Annapurna uns natürlich einen immensen Vorsprung verschafft hatte, denn die Höhe spürte keiner von uns beiden. Mit einer Leichtigkeit ging es den Berg hoch, das es in den Ohren klingelte und man dem dicken Blut nach zwei Wochen schon nachtrauern würde. Langsam aber sicher ging die Sonne unter, es wurde kalt und wir holten unsere Stirnlampen raus. Kurz vor 19 Uhr erreichten wir in totaler Finsternis das High Camp und es grauste uns, wie voll es war. Und die Hälfte der Leute wollte / sollte bereits in der Küche / dem Wohnraum schlafen! Nein danke, dachten wir uns. Lieber Biwak, wenn das die Odds sind.

Keine 30 Meter daneben gibt es nämlich noch ein Guesthouse, das Fishtail. Wir betraten die Küche und es war einfach nur chillig. Ein paar Nepalis spielten Karten, zwei drei Touristen wärmten sich am Ofen und wie ein Wunder waren noch Doppelzimmer frei – Check-In please. Hier muss doch wieder eine Mafia dahinter stecken, dass der eine Laden rammelvoll ist und der andere noch Zimmer frei hat. (Theorie: die Guides verdienen mehr, wenn sie die Touristen in Laden Nummer 1 bringen und es ist ihnen komplett egal, wo der Touri pennen muss…) Die Zimmer sind natürlich spartanisch, nicht isoliert, aber zumindest windgeschützt und einer dicken Decke ausgestattet (zusätzlich zum Schlafsack!), denn es wurde sehr sehr kalt nachts. Wir waren schließlich auf 3950 Meter über dem Meeresspiegel.

Zum Abendbrot gab es eine deftige Portion Egg Fried Rice für Alex und mich ein Dhal Baat, wonach wir uns den bis dahin besten Reispudding mit Äpfel teilten. Reispudding ist eigentlich Milchreis und mit normalen Basmati gekocht. Dazu eine riesige Kanne Minztee und warmes Feuerchen. Spät nachts kamen noch zwei (die haben wir beim Dikidanda bereits in der Luft gesehen) plus ein weitere Italiener an. Die Kollegen waren schon lustig, aber auch schräg drauf. Zu ambitioniert wollten sie in Indien fliegen, was kurzzeitig aus irgendwelchen Gründen verboten worden ist, so dass sie nach Nepal „absteigen“ mussten. Der dritte wollte unbedingt am Machapuchare aufdrehen und war entsprechend mies drauf, weil es bereits zum irgendeinem Mal nicht klappte. Naja, jedem das Seine.

Die Nepalis und der Ami ward nicht mehr gesehen. Ohne Empfang konnte wir auch niemanden erreichen, also gingen wir erstmal davon aus, dass die Truppe im Middle Camp geblieben ist. Wir legten uns also Zähne klappernd ins Bett und wollte am nächsten Morgen zum Viewpoint weiter aufsteigen, so dass wir spätestens ab 9 Uhr startbereit sein konnten. Das Problem nämlich ist an der Ostflanke unterhalb vom Mardi Himal die frühe Wolkenbildung. Die Wolken bilden sich in einem Affenzahn und wenn man Pech hat kann es um 10 Uhr schon zu spät für einen Start sein. Daher lieber zu früh als zu spät aufbrechen.

Um 6 Uhr war die Nacht trotzdem vorbei, denn trotz Akklimatisierung schläft es sich nicht unbedingt wie im siebten Himmel. Am Morgen fröstelte es und ich wollte unbedingt den Sonnenaufgang beobachten. Die Annapurna und der Machapuchare tauchten sich also nach und nach ins Morgenrot, während Alex keine Lust hatte und ich meinen Rundgang mit Doggo machte. Zum Frühstück gab es für jeden nochmal Reispudding und wir stiefelten gegen 8 Uhr los. Wie es sich herausstellte, ist Isaac im Middle Camp geblieben, die Tandem-Leute haben es irgendwann nachts in den ersten überfüllten Laden geschafft und waren dermaßen kaputt, dass sie direkt vom High Camp starten wollten. Passt, wir machten uns auf den Weg zum Viewpoint. Der Weg zieht sich nämlich noch ein bisschen und die Luft ist einfach dünn. Bevor der Kreislauf da in Schwung kommt, heißt es erstmal schnaufen.

Nach 9 Uhr erreichten wir jedoch endlich den Viewpoint und im ersten Moment weiß man nicht so recht, was einen in der Luft erwartet. Es kamen bereits starke Ablösungen den Hang hoch, hier und da eine Wolke: keine Ahnung. Die ersten 10 Kilometer ist auch nichts mit Landen, daher sollte schon alles passen. Um 9.30 Uhr nahmen die Wolken an der gegenüberliegenden Ridge bereits zu und die Ungeduld war sehr groß, also nichts wie in die Luft.

Der Startplatz ist gut, wobei es einige einzelne Pflanzenstiele gibt, die sich mit Absicht in den Leinen verfangen. Mit etwas Shimmishimmi jedoch war auch ich in der Luft und bäm ging das nach oben. Mein lieber Scholli. Die Thermik war nicht großflächig und dabei zerissen, und wenn sie einen erwischte, knatterte es überm Kopf. So schaukelte ich so lange hin und her bis auch Alex in der Luft war und erleichtert sahen wir auch, dass die Tandempiloten sowie Italiener vom High Camp gestartet sind. Denn wie und wohin fliegt man denn am besten, war noch die Frage…

Wir machten noch etwas Höhe und folgten dem Pulk, als dieser dann auch Richtung Pokhara aufzubrechen schien. Man fliegt einfach die Ostflanke der Ridge entlang und versucht jeden Heber mitzunehmen. Richtung Tal war das Steigen jedoch nicht mehr so stark, also glitten wir durch die Morgenstimmung dahin. Etwas weiter südlich vom Low Camp auf halber Strecke zum Australian Camp machte ich mich daran Höhe aufzubauen, denn sonst würde es nix mit Landung in Pokhara werden. Alex hingegen steuerte das Tal vor der Sarangkot-Ridge an und suchte sich dort ein nettes Plätzchen zum Landen.

Die Thermik war leicht, aber ganz gut zum Ausdrehen. Ich bekam über mir sogar Gesellschaft von den Italienern, die jedoch mit mehr Höhe ankamen und dann weiter Richtung Phewa Tal den Talsprung machten. Ich kurbelte und kurbelte und positionierte mich geschickt über ebenfalls kurbelnden Piepmätzen, als es plötzlich an mir vorbeizischte. Ein recht großer Piepmatz, der da an mir vorbeigeflogen ist und dann eine Kehrtwendung macht, mich böse anguckte und nun auf der anderen Seite zurückzischte. Das war mir dann zu viel. Ich warf dem Vogel wüste Schimpfwörter an den Kopf und zog von dannen, denn in der Nähe des Schirm wollte ich ihn nicht mehr sehen. Aber hey, vielleicht mag er einfach keine Fremden vor seiner Haustüre 🙂

Ich querte also mit einigem Höhenverlust das letzte Tal und schaffte es noch mit ein paar Metern Luft über die Ridge zu rutschen. Neue Südseite, neues Glück dachte ich mir. Vergeblich. Von Weitem sah ich den roten Explorer des einen Italieners am Hang kratzen und wollte nur noch soweit kommen wie es geht. Ganz hangnah kratzte ich so vor mich hin und war auf einer Terrasseebene auch kurz am Überlegen, dass es für die Landung soweit wäre. Glücklicherweise kam dann doch noch ein Heber und ich rutschte so Richtung See. Dort gibt es nordwestlich genügend Wiesen, wobei man die Augen offen halten sollte, nicht in einem der sumpfigen Bereiche zu landen. Der Explorer landete gleich neben mir und so packten wir mit einem breiten Grinsen unsere Schirme.

Der Kerle wollte auf einen Bus warten, aber ich spionierte einen buddhistischen Pick-Up aus und die jungen Kerle nahmen uns per Anhalter auf der Ladefläche mit Richtung Pokhara Lakeside. Dort versuchte ich Alex zu erreichen, jedoch war sein Handy aus und Funk tot. Also wartete ich und versuchte abzuschätzen, wie lange er für die Heimreise benötigen würde. Mit guten anderthalb Stunden Verzögerung sah ich ihn jedoch zum Glück von unserem Café aus. Alles ist nochmal gut gegangen. Er ist im hinteren Teil des Tals bei Bhindabara gelandet. Dort erwischte er einen Taxifahrer, der ihn nach heftiger Feilscherei für 500 NRP zurück nach Lakeside brachte (Zurück nach Pokhara ist immer ein günstiger Preis möglich, da die Taxifahrer i.d.R. als Alternative eine Leerfahrt hinlegen müssen).

Fazit: Hammergeile Tour, ohne Witz. Sehr schöner Aufstieg und Klasse Aussichten auf dem Weg, sei es ins Tal oder zu den mächtigen 6000ern, 7000ern oder 8000ern. Im Gleitflug wird man nicht ganz nach Pokhara kommen und vielleicht hätte man doch noch eine halbe Stunde warten können…am Ende des Tages ist das eine Tour für jedermann, wobei sich nicht akklimatisierte Personen mehr Zeit nehmen sollten (z.B. beim Middle Camp übernachten und langsam aufsteigen). Ob langsam oder schnell, den WOOOOW-Effekt wird jeder haben 🙂


Informationen.


NameMardi Himal
GruppeHimalaya
RegionNepal
StartrichtungenS, SO, O
Talortz.B. Pokhara
GPS (Berg)28.45795, 83.8897
GPS (Tal)28.226893, 83.934121
Höhe Startplatz [amsl]4106
Höhenunterschied [m]3306
AufstiegsvarianteMan startet entweder vom Punkt, wo der Edi Khola auf den Mardi River trifft (mit Öffis erreichbar) oder fährt bis nach Lumre oder weiter nach Sidhing (mit Jeep), von da hält man sich den Wegweisern Richtung Mardi Himal. Es ist ein guter Steig, wo man am s.g. Low, Middle und High Camp vorbeikommt. Der Startplatz ist nochmal 100 Höhenmeter höher (Viewpoint), wobei man auch direkt vom High Camp starten kann.
StartplatzWiese mit etwas Gestrüpp
FlughinweiseDie Thermik setzt bereits sehr früh ein und ist kräftig, somit auf die Wolkenbildung achten. Flug nach Pokhara geht mit Thermik über das Australian Camp. Auf Himalaya Griffons achten - die sind nicht immer wohl gesinnt...
LandeplatzUnterwegs nach Pokhara oder im Phewa Tal.
Talwind am Landeplatzsüdlich


Bildergalerie.



Kartenmaterial zum Nachhiken.