Monte Sant’Angelo di Lipari. Run for the ferry.

 

 

Nach dem Hike & Fly vom Grande Fossa brauchten wir erstmal Wasser und endlich war der Supermark geöffnet. So deckten wir uns mit Fresschen und Trinke ein, und tüttelten zurück vom Port Ponente. Die LibertyFerry haben wir um 5 Minuten verpasst. Die Nächste kommt erst in 3 Stunden…dann würden wir eben auf Lipari übernachten und hofften nur, dass wir rechtzeitig für unseren Hike & Fly-Versuch am Berg ankommen, um vor dem Sonnenuntergang starten zu können.

Als wir so am Hafen saßen, lief eine der großen Siremarfähren ein und irgendwie dünkte es mich nochmal beim Fährmann nachzufragen, ob nicht doch eine frühere Fähre nach Lipari übersetzen würde. Der Libertyferry-Typ schickte mir zu einem Gebäude weiter zum SiremarFerry-Menschen, der mir um 10:50 Uhr mitteilte, dass um 10:50 Uhr die Fähre nach Lipari ablegt. Na toll. Mit ein wenig Bitten ließ sich der Herr jedoch überzeugen zum Telefon zu greifen und den Bootsmann anzurufen, man solle auf uns warten. Während er heiß diskutierte, druckte er unsere Karten und ich rannte wie von einer Wespe gestochen zu Alex, der sich noch der Hektik unbewusst sonnte. Das Schiffshorn beschwerte sich bereits, als wir zur Rampe rannten und es dank der italienischen Vita rechtzeitig schafften.

In Lipari angekommen fielen uns die zahlreichen Autos und die teure Tankstelle auf (2 €/L Diesel), es gab sogar eine richtige Flaniermeile. Dafür hatten wir jedoch keine Zeit und steuerten direkt Richtung S. Angelo hin. Der Startplatz soll scheinbar beflogen sein und die Satellitenkarten sprechen nicht vollkommen dagegen, daher hofften wir nur, dass der Westwind so debole bleibt, wie wir ihn auf Vulcano erlebt hatten.

Der Weg ist ohne Navigationsgerät nur schwer nachvollziehbar und schlängelt sich in den ersten Kilometern zwischen den einzeln verteilten Häuser den Osthang des Berges hinauf. Unterwegs laufen wir an blühenden Wiesenstücken in Olivenhainen vorbei, die an einen warmen Frühlingstag erinnern, anstelle an die letzten Tage des Jahres. Auf ca. 300 amsl endet die Straße abrupt und man steht vor einer fast geschlossenen Buschwand. Super. Wo ist Machete, wenn man ihn braucht…

Wir stürzten uns in den Floratunnel und musste zu unserer Freude feststellen, dass es nur wenige Piekserpflanzen gab. Das erste Stück ist auch das schlimmste, und nach ein paar Hundert Metern verbreitet sich der Wasserrinnenweg zu einem gut gehbaren Wandersteig. Die letzten Höhenmeter sind sogar von Baumbewuchs geprägt, der eher an einen Tunnel erinnert, als an einen Wald. So kommt man fast direkt bei der Solarfarm unterhalb des S. Angelo raus und darf sich auf die Suche nach den vermeitlichen Startplätzen machen.

Folgt man dem Schotterweg auf die Westseite des Hangs, befindet sich der „westliche Startplatz“ kurz unterhalb des kleinen Schuppens. Von einem richtigen Startplatz kann man hier aber nicht sprechen, denn a) ist das startbare Stück kaum länger als dass man einen Schirm auslegen könnte und man steht in 30 cm hohen Gestrüpp. Zudem heizt uns ein 20-25 km/h starker und böigen Wind aus W/NW um die Ohren, was bei dem reinen SW-„Startplatz“ alles andere als eine gute Idee wäre. Denn angenommen wir würden starten können, müssten wir den Berg um 180 Grad umfliegen, um die einzigen zwei halbwegs ansehnlichen Landemöglichkeiten auf der Ostseite der Insel zu erreichen. Alles nicht so prall.

Wir stiefelten also zurück und suchten den SO/O-Startplatz, der sich ebenfalls im dichten Gestrüpp versteckte. Hier schaute es schon etwas mehr nach Startplatz aus, zumindest wurde hier irgendwann mal einen Gleitschirm breit das grobe Buschwerk entfernt. Schön ist trotzdem anders. Hier hatten wir natürlich Rückenwind und keine Chance in die Luft zu kommen und wollten noch eine Stunde ausharren mit der Hoffnung auf eine plötzlich Windstille bevor wir die letzte Fähre nach Stromboli nehmen wollten. Von hier aus konnten wir unsere französischen Kollegen beim Soaren am Vulcano beobachten und freuten, dass es für die beiden doch noch geklappt hat und ich stöberte im LibertyFerry-Zeitplan, als mir ein fieser Fehler auffiel…die letzte Fähre fährt nur an bestimmten Wochentagen und zwar nicht am heutigen.

Wir hatten genau mehr oder weniger eine Stunde Zeit, um 550 Höhenmeter und gute 7,5 Kilometer diesmal über die Westseite zum Hafen rennen. Also Schuhe festziehen und los. Eine halbe Stunde später standen wir dann am nächsten Supermarkt und prosteten mit der Weghalben bevor wir das Aliscafo nach Stromboli betraten.

Fazit: Es gibt noch zwei weitere potentielle Startplätze auf Liparis, aber der Sant’ Angelo ist nun wirklich nichts empfehlenswertes. Den SW-Start kann man getrost vergessen und wer dann doch unbedingt muss, der kann sich beim SO-Startplatz mit dem Gestrüpp ruhig vergnügen. Die Landemöglichkeit A ist der Sportplatz nördlich von Lipari. Wir sind vorbeigelaufen und naja, kann man machen, wenn es sein muss. Die Landemöglichkeit B ist der Strand von Canneto, wobei hier unbedingt mit der Gleitleistung seines Schirmes und entsprechendem Sinkverhalten bei Wind etc. Kalkuliert werden muss. Lipari ist somit recht unattraktiv für das Gleitschirmfliegen, man kann es zwar irgendwie hinbiegen, aber man kann es aber auch genauso gut lassen. Dann lieber ein Glas Wein bestellen und den Fischern dabei zusehen, wie sie belustigt die zeternden Möwen am Kai mit Fischköpfen füttern.


Informationen.


NameMonte Sant'Angelo
GruppeLipari
RegionIsole Eolie
StartrichtungenSW
TalortPorto di Lipari
GPS (Berg)38.48506, 14.93242
GPS (Tal)38.470840, 14.954690
Höhe Startplatz [amsl]ca. 550
Höhenunterschied [m]ca. 550
AufstiegsvariantenWeg ohne Markierung - hier ist GPS (z.B. am Handy) ein Muss.
StartplatzSP (SO, S): kurzer verwachsener Startplatz, Nullwindstart schwer. SP (SW): kein schöner Startplatz.
FlughinweiseBei viel Wind auf ausreichend Gleitstrecke achten.
LandeplatzLandung am Strand.
Talwind am Landeplatzk. A.


Bildergalerie.



Kartenmaterial zum Nachhiken.