Man spure mir den Weg!

 

 
Mangels Schneeschuhen und dem Nichtvorhandensein von leichten Sitzgurtzeugen haben wir uns bei den winterlichen Bedingungen bisher auf das Skitouren und Skaten konzentriert, so dass wir einem Hike & Fly eher skeptisch gegenüber standen. Letztendlich ließen wir uns doch von einem Kollegen – dem größten Dieter Bohlen Fan schlecht hin – zu einer Winterwanderung mit Schirm hinreißen und starteten zum Hirschberg – der Kuppe östlich des Spiesers, die oberhalb von Oberjoch und Bad Hindelang liegt.

Ein großflächig über Europa liegendes Hoch versprach kalte Luft und ungetrübten Sonnenschein. Ideale Flugbedingungen mit schwachem Wind aus „Süd“. Mit unseren Gurtzeugen macht ein Ski & Fly wenig Sinn und Schneeschuhe besitzen wir nicht, daher wollten wir großartige Tiefschneebedingungen vermeiden. Die Feuerspitze hat uns eines Besseren belehrt. Das Ziel der Wahl war also ein leicht begehbarer Berg mit ausgewiesener Rodelstrecke, da dort hoffentlich genug Winterwanderer für einen angenehmen Zustieg vorgesorgt haben.

Uns standen zwei Fahrzeuge zur Verfügung. Eins davon wurde daher beim Bauernmarkt in Bad Hindelang geparkt, da wir auf der südlich gelegenen Loipe landen wollten. Von dort fuhren wir ein Stück Jochstraße hinauf und parkten in einer der unteren Parkbuchten. Es gibt zwar einen Wanderweg von Bad Hindelang aus, der zum Ausgangspunkt der Rodelstrecke führt, aber von unserem Startpunkt aus, mussten wir leider erstmal ein Stück dem Straßenverlauf folgen. Die Rodelstrecke selbst war nicht planiert, aber es war eine gute Spur durch Skitourer, Rodler, Schneeschuh- und Winterwanderer ausgetreten. So folgten wir den Serpentinen durch den Wald und konnten teils wunderbar gehen, teils sanken wir fluchend knietief in den Schnee ein. Die Kulisse war bei dem Sonnenschein trotzdem traumhaft schön.

Nach ca. einer Stunde erreicht man die Hirschalpe, die im Winter nicht bewirtschaftet ist. Von dort sieht man direkt auf den Osthang des Kreuzbichels. Im Sommer führt ein Weg oberhalb der Hirschalpe durch ein Waldstück. Auf Grund der Schneebedingungen hielten wir uns jedoch Richtung Kreuzbichel und steuerten von Süden auf den Großen Hirschberg zu, der auch als Spieser Ost bezeichnet wird. Von Weitem sahen wir eine schier endlose Karawane von Skitourengehern, wie sie den Gipfel des westlich gelegenen Spiesers erreichten. Zumindest hielt sich ein Großteil an das winterliche Betretungsverbot des Wald-Wild-Schongebiets südlich des Gipfels und fuhr über den Grat Richtung Feldalpe ab. Wir hingegen kämpften uns durch die letzten Schneefelder und erreichten den Hirschberg. Dort gibt es eine Windfahne, welche erstaunlicherweise 7-8 km/h Ostwind anzeigte. Nichts mit vernachlässigbarem Südwind.

Von dem Startplatz lässt es sich jedoch ideal gegen Ost starten und die Flugroute über den Jochschrofen Richtung Bad Hindelang scheint auch unproblematisch. Wir genossen den Ausblick zum Kühgundkopf im Tannheimer Tal und konnten sogar ein Dutzend Heißluftballone in der Luft beobachten. In der Kälte wurde die Verschnaufpause kurzgehalten und wir machten uns startbereit. Am Gipfel wurde die Tage zuvor vermutlich der ganze Schnee verblasen so, dass wir praktischerweise nur wadentief im Schnee standen. Alex startete zuerst und ich hinterher. Im Augenwinkel konnte ich noch sehen, wie sich Skitourengeher zu unserem Dieter Bohlen gesellten und schon ging es Richtung Jochschrofen. Dort strömten immer noch Unmengen von Skitourengehern gen Berg. In der steilen Krähenwand brachten dann sogar ein paar thermische Fetzen mein Vario zum Piepsen. Der geringfügig verlängerte Abgleiter ließ also Freude auf den Frühling aufkommen.

Wie es sich nach der Landung herausstellte, wurde unser Kollege am Gipfel noch von aufgebrachten Skitourengeher angepöbelt, wir sollen in Zukunft mit Ski auf den Berg, da wir zu Fuß die feine Spur zerstört hätten. Auf dumme Antworten gibt es aber zum Glück immer dumme Rückfragen: Also geht ihr in den Berg, um Spuren zu folgen? Wer unbedingt eine Spur braucht, um seine Tour zu schaffen, sollte dann in Zukunft doch lieber auf eine der wunderbar präparierten Pisten zurückgreifen oder einfach stillschweigend die gigantische Aussicht genießen.

Fazit: Eine Winterwanderung ist im Schnee natürlich etwas anstrengender als sonst, aber ein Flug in eine ins Weiß getauchte Alpenlandschaft entschädigt für alle Mühen. Der Große Hirschberg/Spieser ist von Bad Hindelang aus sehr gut erreichbar und kann wie es scheint ganzjährig beflogen werden. Auch wenn die topografisch bedingte Lawinengefahr als eher gering einzuschätzen ist, muss man sich hier jedes Mal selbstständig über die aktuellen Bedingungen erkundigen. Und keine Sorge, dass man jemandem die Spur zertreten könnte. Üblicherweise ist jeder Tourenski konstruktiv im Stande seine eigene Spur zu ziehen (kein Upgrade notwendig), wenn ihm die vorhandene optisch nicht gut genug erscheint (ein paar Trittlöcher von ca. 30 bis 40 cm Länge, sind normalerweise kein Hindernis für Skier, die eine Länge von > 150 cm haben. Betonung auf normalerweise.).


Informationen.


NameHirschberg / Spieser
GruppeAllgäuer Voralpen östlich der Iller
RegionAllgäuer Alpen
StartrichtungenN, NO, O, SO, S, (SW)
TalortBad Hindelang
GPS (Berg)47.527268, 10.389619
GPS (Tal)47.503973, 10.370808
Höhe Startplatz [amsl]1643
Höhenunterschied [m]657 bis 808 m
Aufstiegsvarianten1. Aufstieg von Bad Hindelang/einem Parkplatz entlang der Jochstraße aus. Man folgt im Sommer vermutlich dem Fahrweg bzw. im Winter der Rodelstrecke zur Hirschalp (Hirschalpe im Winter geschlossen). Über den Kreuzbichel (startbar nach SW bis SO) gelangt man dann zum Hirschberg bzw. dem Spieser Ost.
2. Ausgehend von Oberjoch folgt man dem Wanderweg über den Ornach und erreicht den Hirschberg von Osten aus.
StartplatzAm Hirschberg steht eine Windfahne und man hat ideale Startbedingungen ohne Hindernisse
FlughinweiseWald-Wild-Schongebiete südlich des Spiesers und nördlich des Hirschbergs
Landeplatzz.B. südlich des Busbahnhofs in Bad Hindelang
Wind am Landeplatzwestlich


Bildergalerie.



Kartenmaterial zum Nachhiken.