Auf den Spuren von Gamskaka.

 

 
Daniel? Ups? Nein, danke.
Ja, an einem Samstag zum Ferienbeginn Richtung Fernpass zu fahren, ist gewagt. Und ja, wir standen im Stau auch wenn wir erst Reutte Süd auf die B179 raufgefahren sind. Und ja, es hat sich gelohnt. Wir wollten ursprünglich den Daniel bzw. die Upsspitze über den Grat des südlichen Ammergauer Hauptkamms erreichen, sind dann aber auf Grund der hohen Labilität lieber vom Herbertaljoch gestartet. Wieso? Weil der Startplatz einfach schöner ist, wir in die Luft wollten bevor es doch noch regnet und wieso laufen, wenn man fliegen kann!

Nach einer Weile Stop & Go auf der B179 haben wir in Lähn geparkt. Man kann die Fernpassstraße tatsächlich nur in Etappen, aber nicht in Gänze vermeiden – deswegen üben wir uns schon mal in Geduld, denn der Sommer kommt und damit auch die Touristenmassen. Vom Parkplatz folgt man dem ausgeschilderten Weg Richtung Alpenrosensteig/Daniel und läuft direkt am Landeplatz bzw. Soaring-Buckele vorbei. Man geht das erste Stück auf einem geschotterten Forstweg bevor es in den Wald geht.

Der ganze Aufstieg ist wirklich sehr schön, da man nicht konstant im Wald geht, sondern immer wieder saftige Blumenwiesen quert. Hier wird uns auch klar, weswegen Hike & Flys bei uns daheim so viel schöner sind als z.B. am Südalpenrand. Am Südalpenrand kann zwar im Herbst noch schöne Strecken fliegen, aber man findet meistens eine struppige trockne Vegetation vor, man sieht selten Wasser in Form von Bächen und die Landschaft wirkt fast blass. Wohingegen daheim die bunt blühenden Wiesen, der gesunde Wald und einfach das Grün jede Tour zu etwas Besonderen machen.

Oberhalb der Baumgrenze ist man schon weit weg vom Fernpass, wird von Gämsen heimlich beobachtet und eine Menschenseele trifft mir auch nicht. Man kann hier auch eigentlich überall starten. Wir laufen aber weiter zum Herbertaljoch und behalten die starke Wolkenentwicklung im Auge. Am Joch angelangt kommt der Wind teilweise von Norden, und tatsächlich könnte man hier auch dahingegen mit dem Plan am Plansee zu landen starten. 5 km Strecke sollte man auch bei einem schlechten Gleitwinkel hinkriegen. Blöd nur, wenn es doch nicht klappt, da man im Herbertal dem GPS zur Folge gar keine Notlandemöglichkeit hat. Die Idee schieben wir somit auf ein nächstes Mal, da wir uns erstmal mit Hilfe von Satellitenkarten ein Bild von der Landschaft machen sollten.

Wir entscheiden uns nicht weiter Richtung Upsspitze bzw. Daniel zu gehen, da uns die dunkle Wolke über dem Daniel schon beeindruckt hat. Also machen wir uns startbereit. Der Startplatz ist riesig und bietet ideale Bedingungen zum Starten Richtung S und SW. Bei SO hat man schon mehr Wind von der Seite als von vorne. Mit der nächsten thermischen Ablösung starten wir und es geht direkt nach oben. Die Thermik ist sehr stark und bringt uns instantös Richtung Basis. Über dem Daniel zeigten zwei Segelflieger den Gipfelstürmern wie eine hochgezogenen Fahrtkurve zu nehmen ist, wo wir uns im direkten Vergleich in SloMo bewegten.

Beim Flug über den Daniel/die Ups ist uns auf den ersten Blick nicht ganz ersichtlich, wo man dort gscheit starten können sollte. Klar, man kommt da mit Sicherheit aus einer der Geröllscharten in die Luft, aber ob das unbedingt so schön ist… Dann lieber vom Herbertaljoch oder von der Kohlbergspitze. Dort ist übrigens immer ganz besonders knackige Thermik. In der Regel kann man den gesamten Kamm ohne Probleme abfliegen und der Talsprung zur Gartnerwand ist ebenfalls ohne große Höhenverluste möglich.

Fazit: Die kommode Wanderung über saftige Almwiesen bringt einen zu einem erstklassigen Startplatz. Der Blick zum imposanten Zugspitzemassiv ist bei dem Ganzen noch das i-Tüpfelchen. Demnach TOP, mehr braucht es zu einem schönen Tag nicht.


Informationen.


NameHerbertaljoch
GruppeSüdlicher Hauptkamm
RegionAmmergauer Alpen
Startrichtungen(SO), S, SW
TalortLähn
GPS (Berg)47.439394, 10.854224
GPS (Tal)47.420127, 10.829108
Höhe Startplatz [amsl]2104
Höhenunterschied [m]995
AufstiegsvariantenBeim Aufstieg aus Lähn gibt es einige Wege die zum Grat des südlichen Hauptkamms der Ammergauer hochführen. Wir haben den direktesten gewählt.
StartplatzIn südliche Richtung einfacher Wiesenstartplatz
FlughinweiseThermisch aktive Südflanke
Landeplatz1. Landeplatz beim Lähner Übungshang (mit Windfahne)
2. Offizieller Landeplatz in Lermoos
Wind am LandeplatzIm Sommer drückt der bayerische Wind ins Tal


Bildergalerie.



Kartenmaterial zum Nachhiken.