Hike and No-Fly.

 

 
Der Nebel hängt im gesamten Alpenvorland und Nordalpenrand tief in den Tälern. Die Aussichten auf Sonne in Bodennähe waren vernichtend gering. Nichts desto trotz wollten wir in die Berge und da die Hoffnung bekanntlich als letzte stirbt, schleppten wir unsere Gleitschirme mit auf die Geierköpfe.

Nach über einer Woche Föhn (teilweise mit Föhnsturm = mehr als Δ10 hPa und > 100 km/h Böen am Tegelberg…) war endlich „nur“ Südwind angesagt. Im Laufe des Tages sollte als Vorbote einer Kaltfront kräftiger Westwind einsetzen, weswegen wir uns in aller Herrgottsfrühe auf den Weg zum Plansee machten. Der Nebel war überall und hob sich erst am Plansee ein wenig über Grund. Wir waren schon sehr sehr skeptisch. Aber was soll’s, Bewegung ist gesund (:D) und es muss immer ein erstes Mal für einen Hike & No-Fly geben…

Wir parkten direkt am See (P2) und liefen ein Stück Richtung Norden/Opelhaus. Nach etwa 500 Metern leitet einen ein gut sichtbares Schild in den Wald. Der Steig hält sich links von einer riesigen Schuttreiße. Zwischen Schutt und abgestorbenen Bäumen erscheint einem diese Kulisse im Nebel beinahe postapokalyptisch. Dementsprechend erleide ich auch beinahe einen Herzinfarkt als uns aus dem Nichts eine Gams über den Weg springt.

Der Weg führt relativ steil zum Zwerchberg hinauf. An einer Stelle ist eine Querung mit einer Stahlkette abgesichert und uns kommt eine weitere gemeingefährliche Gams entgegen, die im Nebel von uns genauso überrascht zu sein scheint. Vom Weiten sehen die Viecher größentechnisch immer wie herkömmliche Ziegen aus, aus nächster Nähe erkennt man jedoch, dass Crazy Eyes ein ganz anderes Format von Ziege ist…

Bei ca. 1500 amsl verlassen wir endlich den Nebel und können strahlenden Sonnenschein genießen. Durch die Tannen sehen wir, dass die Nebeldecke über den gesamten Heiterwanger See bis zum Thaneller reicht. Weiter südlich schieben sich auch in großer Höhe Cirren vor die Sonne. Es ist erst 9 Uhr morgens und demnach hoffen wir, dass die Sonnenkraft vielleicht trotzdem reicht, um ein kleines Loch in den Nebel zu brennen.

Auf dem Zwerchberg muss man eine schöne Ebene queren und kommt zur Zwerchbergalpe. Dort gibt es eine größere freie Wiese, die Potential für eine halsbrecherische Zwischenlandung hätte, falls der Nebel sich nicht lichten sollte. Um es vorweg zu nehmen: Gott sei Dank versank der gesamte Zwerchberg im Laufe des Tages im Nebel, weswegen wir auf keine dummen Ideen kommen konnten. Von dort geht es weiter durch den Wald Richtung Kreuzjöchl. Stellenweise läuft man in einer Art Rinne in einem Latschentunnel, wodurch eine natürlich Höhen- und Breitenbegrenzung vorhanden ist…

Am Kreuzjöchl hat man dann endlich freie Rundumsicht. Es ist faszinierend, dass Nebel sich teilweise wie Wasser verhält. Man konnte richtig sehen, wie der Nebel sich aus dem Tannheimer Tal ins Reuttener Becken goss. Auf dem Grat der Geierköpfe selbst turnte hingegen weitgehend unbekümmert Gamsvieh in Massen durch die Gegend. Um zum Gipfel zu gelangen, muss man hier sogar einmal Hand anlegen, wobei man insgesamt ca. 2,5 h unterwegs ist. Oben angekommen, bietet sich einem ein fantastischer Rundumblick. Auf der einen Seite blickt man über das Alpenvorland mit dem schönen Säuling, weiter über die Tannheimer Berge bis zum Thaneller. Auf der anderen Seite sieht man dann die Zugspitze von der weniger bekannten Nordseite und das Wettersteingebirge. Der Wind kommt zwar laminar, aber etwas kräftiger aus Süd. Und alles ist mit Nebel geflutet – kein einziger freier Fleck.

Wir wollen uns noch etwas gedulden, genießen die Sonne bzw. suchen den Windschatten, um nicht zu frieren. Dort freunden wir uns mit lustigen Dohlen an, die uns verdächtig nahekommen. Da sie die Maiswaffeln nur wenig begeistert vertilgen, kommt der Verdacht auf, dass ihnen auch nur langweilig ist und sie uns genauso interessant finden, wie wir sie. Es ist immer wieder eine Freude zu sehen wie diese Tiere in den Wind hopsen, die Flügel ausbreiten und die Berge entlang soaren. Und manchmal werden die Flügel eingeklappt und es geht mit einem Swoosh im Sturzflug bergab. Da kann ich nur sagen: Piiiieeepmatz.

Wir beobachten die wabernden Massen im Tal etwa anderthalb Stunden, aber mehr als leichte Hebung ist nicht festzustellen. Es schieben sich immer wieder Cirren vor die Sonne, die Strahlungsintensität nimmt schlagartig ab und es sind sogar Lenticularis in großer Höhe zu sehen. Wir können sogar irisierende Wolken beobachten! Im Gegensatz zum oft sichtbaren Haloeffekt um die Sonne findet hier keine Lichtbrechung statt, sondern das Licht wird bei dünnschichtigen Schleierwolken an sehr kleinen und unterkühlten Wassertröpfchen gebeugt. Regenbogenschimmernde Glitzerwolken sozusagen. Im Tal hingegen sieht man, dass ein Westwind den Nebel weiter in die Täler drückt, aber das bringt lediglich Bewegung in die Sache. Wir sehen es dann auch endlich ein, dass eine Lichtung des Nebels unwahrscheinlich ist und machen uns auf zum Abstieg.

Der potentielle Startplatz befindet sich auf dem Westgrat des Westgipfels der Geierköpfe. Es ist eine schöne Wiese mit moderater Steigung (< 30 °), die perfekt nach Süd ausgerichtet ist. Unterhalb des Westgipfels könnte auch bei schwachen Winden Richtung SW gestartet werden. Da jedoch der Gratausläufer bei stärkeren westlichen Winden ein Lee verursachen könnte, muss die Lage jeweils vor Ort ausgecheckt werden. Östlich des Westgipfels kann man auf einem Wiesenstück Richtung SO starten. Da hier die Startbahn jedoch in ihrer Länge begrenzt ist, ist der Start wohl eher anspruchsvoll. Trittsichere und Schwindelfreie können dem Grat zum Hauptgipfel folgen, dort sind die Wiesen jedoch weitaus steiler und weniger zum Starten geeignet. Alles in allem ein exquisiter Hike and No-Fly. Durch die Aussicht und Prominenz ist der Geierkopf ein richtig schöner Berg, der sich auch ohne Möglichkeit zum Fliegen gelohnt hat. Auf Grund guter Startmöglichkeiten und einer geringen Frequentierung des Berges, werden wir bei weniger Nebel bestimmt wiederkommen.


Informationen.


NameGeierköpfe Westgipfel
GruppeKreuzspitzgruppe
RegionAmmergauer Alpen
Startrichtungen(SW), S, SO
TalortPlansee Campingplatz
GPS (Berg)47.516239, 10.864473
GPS (Tal)47.488096, 10.842802
Höhe Startplatz [amsl]2145
Höhenunterschied [m]1162
AufstiegsvariantenNördlich des Campingplatzes Richtung Opelhaus laufen, beim Schild westlich der Schuttreiße dem Steig folgen. Auf dem Zwerchberg Richtung NO halten (Höhenverlust ca. 70 hm). Über das Kreuzjöchl erreicht man den Westgipfel.
StartplatzAm Westgrat gibt es einen Wiesenstartplatz mit moderater Neigung (S). Bei schwächerem SW lässt sich auch gut starten (Auf Lee durch Ausläufer achten). Östlich des Westgipfels lässt sich besser gegen SO starten (anspruchsvoll!)
FlughinweiseBis auf den Campingplatz gibt es begrenzt Landemöglichkeiten in nächster Nähe
LandeplatzSehr große unkomplizierte Landewiesen beim Campingplatz – Fahne als Windindikator vorhanden
Talwind am LandeplatzMeist Nordwind aus dem Ammerwald


Bildergalerie.



Kartenmaterial zum Nachhiken.