Bei Regen wird es nass.

 

 

Nach unseren Hike & Flys im Pustertal und einer allgemein labilen – wechselhaften Wetterlage wussten wir nicht so recht wohin es weiter gehen sollte. Biken am Gardasee? Hin und her gerissen zwischen dem Westen (Piemont, Annecy) und dem Osten (Friaul-Julische Alpen, Kroatien) wollten wir das Wetter erstmal weiter beim Pizza essen beobachten. Und wo gibt es die beste Pizza? Im Partenope in Bassano. Man fährt da nicht zum Fliegen, sondern zum Essen (Vino Frizzante aus dem Zapfhahn) und Pizza (Cacio e Pepe) hin.

Nachdem wir einen vollen Tag lesend im Bulli verbracht haben, da es dermaßen geschüttet hat, dass einem ein simpler Spaziergang zuwider war, sollte es zumindest am Vormittag trocken bleiben. Wir parkten bei der Taverna, die einen Landeplatz in der Nähe von Caltrano zur Verfügung stellt und tranken erstmal einen Caffé. Danach stiefelten wir verunsichert von einer tiefen Basis Richtung Startplatz Caltrano.

Um nach Caltrano zu kommen, sollten man sich am besten Richtung Temoio halten – falls ausgeschildert. Die Ausschilderung ist jedoch spärlich, demnach ist ein GPS-fähiges Gerät oder Handy zu empfehlen. Ansonsten sind die Wege ideal zum Gehen, nur stellenweise verwachsen und die Vielfalt an Vogelgesang ist auffällig hoch. Man fühlt sich fast wie in einem südalpenländischen Regenwald / Dschungel.

Nach ca. 1.5 h erreichten wir Caltrano, der auf den ersten Blick sehr gut gepflegt aussieht. Eine mäßig abfallende Wiese, im Auslegebereich scheinbar dieses Jahr schon mal gemäht, und mit einer wunderbaren Aussicht in toskanisch-anmutende Tal bei Marostica. Übrigens auch ein geniales Gebiet zum Rennradfahren. Gefühlt fahren hier alle Menschen Rennrad, alleine, zu zweit und in überdimensionierten Gruppen.

Der Wind stand super an, aber es juckte uns nach einem Tag Rumsitzen doch noch etwas weiter den Berg hinauf zu gehen. Als Referenzpunkt für die Wolkenbasis haben wir den Monte Summano genommen und haben einfach gehofft, dass die Basis noch etwas steigt. Knapp 1200 amsl könnten wirklich knapp werden. No risk, no fun, also machten uns wir uns weiter auf den Weg durch den Dschungel. Ab ca. 1000 amsl sind wir dann jedoch in den Wolken. Wir liefen weiter und hofften wohl auf ein Wunder.

Sobald man es bei der Forsthütte auf den vermeintlichen Fahrweg (das rumpelt) schafft, folgt man gemütlich den Serpentinen und erreicht nach einer guten weiteren Stunde (vom unteren Startplatz aus gezählt) die geteerte Straße, die bis zum Startplatz führt. Die Malga Foraóra hat offiziell erst am 01. Juni (ca./im Jahr 2018) geöffnet und der Wirt aus der Taverna im Tal fährt einen auch auf Anfrage hoch.

Wir hockten uns auf die Startrampe und warteten. Als wir nach 10 Minuten halb erfroren waren, macht sich wirklich wie durch ein Wunder plötzlich ein Fenster in den Wolken auf und wir sahen direkt auf den Landeplatz runter. Yeah, das Pokern hat sich gelohnt.

Als wir uns fertig zum Start machten, zogen die Wolken immer wieder zu – aber auch immer wieder auf. Somit warteten wir geduldig die nächste kleine Böe ab und auffi ging’s.

In der Luft ging es zuerst ziemlich Richtung Wolken, also blieb uns nichts anders übrig als die Ohren anzulegen. Im unteren Bereich war dann wieder tote Hose und zu lange in der Luft sein bei der hohen Labilität war sowieso keine gute Idee.

Man orientiert sich für die Landung am besten an der großen Fabrik. Am Landeplatz steht auch eine große Windfahne und man hat tendenziell Wind von Osten (siehe Vorbuckel, der den Südwind abschirmt). Beim Landen kann es bei stärkerem Südwind zu einer leichten Ausprägung eines Lees kommen, daher ist hier an besonders thermischen Tagen mit Obacht zu fliegen.

Nach dem abenteuerlichen Flug haben wir uns dann in der Taverna unseren Vino Frizzante gegönnt und die jungen und alten Menschen die feucht-fröhliche ihre Bierchen seit dem Frühstück genossen, beim Diskutieren beobachtet. Uns wurde angeboten auch direkt bei der Taverna zu parken / zu übernachten – demnach ist das für Camper eine idealer Hike & Fly Spot. Am besten vorab kurz mit dem Wirt abquatschen und dann nichts wie happy landings.


Informationen.


NameCaltrano / Malga Faraóro
GruppeVizentiner Voralpen
RegionVenetische Voralpen
StartrichtungenSW, S, SO
TalortSieresara
GPS (Berg)45.789486, 11.484202
GPS (Tal)45.765326, 11.476508
Höhe Startplatz [amsl]1324
Höhenunterschied [m]1116
AufstiegsvariantenRecht wenig Varianzmöglichkeit. Man hälts sich anfangs Richtung Castellan und folgt danach den unterschiedlichen Wegen Richtung Monte Faraóro. Für Caltrano den Schilder nach Castegnaroli folgen.
StartplatzCaltrano: angenehme Wiese mit Windfahne, auch bei wenig Wind gut startbar.
Faraóra: Man startet nicht direkt von der Alm, sondern vom Startplatz an der darunterliegenden Schotterstraße. Entweder Wiese oder Rampe ohne weitere Hindernisse.
FlughinweiseAufdrehen und nach dem Talsprung bei Bassano kann Anschluss an die "Standard-Routen" gefunden werden.
Landeplatzgroßzügige Wiese mit vereinzelte Bäumen, thermisch aktiv im Sommer
Talwind am LandeplatzSüdwestlich


Bildergalerie.



Kartenmaterial zum Nachhiken.