Wir hätten schon mal gespurt.

 

 
Nach entspannten Weihnachten in Andalusien juckte es uns doch ins alpenländische Winterwonderland zu gehen. Voraussage auf WNW, wir erwarteten jedoch Süd und machten uns auf dem Weg zum seit Längerem geplanten Einstein. Mit Schnee in rauen Mengen hatten wir jedoch nicht gerechnet.

Da die Loipen in Füssen längst versickert sind, waren wir doch überrascht, dass im Tannheimer Tal noch so viel Schnee vorzufinden war. Um den Loipenverkehr nicht zu stören, entschieden wir uns am offiziellen Landeplatz des Neunerköpfles zu landen. Von dort hält man sich Richtung Dorfteil Berg und muss hinter dem Dorfkern auf den vermeintlichen Steig abbiegen.

Zu aller Anfang waren wir noch hochmotiviert und ließen uns von den wenigen Spuren und dem vielen Schnee nicht irritieren. Noch war das Ziel die Schneeschuhwanderer einzuholen. Im ersten Stück kamen wir sogar noch recht flott voran, aber wir folgten schließlich auch einem oberhalb des Dorfs gelegenem Winterwanderweg. Dieser war dann irgendwann zu Ende.

Der schneebedeckte Untergrund glich einem Russischroulette. Man hoffte, dass der Schritt hebt, und dann ließ der Boden mit einem Sekundenversatz doch nach. Von Schritt zu Schritt wurde der Schnee tiefer und der Aufstieg mühsamer. Uns kam eine Gesellschaft von vier Wanderern entgegen, die verkündeten, dass der Weg unmöglich sei und wir auch lieber umkehren sollten. Noch nicht. Nun fehlten uns die Spuren der vier, so dass wir komplett neu spuren mussten. Nach einiger Zeit kamen uns noch zwei Kerle entgegen, die bei hüfttiefem Schnee aufgegeben haben. Ich wollte aber bei den bereits aufgewendeten Mühen nicht umkehren, da der Abstieg mit Sicherheit genauso anstrengend würde, wie ein weiterer Aufstieg.

Die Jungs sollten recht behalten. Zuerst kam der hüfttiefe Schnee. Bei einem Schritt vorwärts, landete man in der Regel einfach wieder an derselben Stelle, so dass man mehr oder weniger nur ein Loch um sich herum grub. Die einzige Lösung bestand darin die Taktik zu ändern und sich einfach auf allen Vieren in den Schnee zu werfen. So krabbelten wir stellenweise Richtung Steilhang. In dem Steilhang selbst ist vermutlich vor einiger Zeit eine Lawine abgegangen, für uns galt jedoch Lawinenwarnstufe 2 und die Schneedecke hat sich bereits sehr gut gesetzt, so dass wir von geringer Gefahr ausgehen konnten.

Da ein hinaufkommen an der Stelle ohne Schneeschuhe, Steigeisen und Pickel wirklich anstrengend war, änderte ich im Gegensatz zu Alex die Taktik. Er blieb im Steilhang, benutzte die Hände als Pickel (einfach in die Schneedecke rammen…), während ich im steileren steinigen Gelände soweit wie möglich schneefrei hoch klettern versuchte. Die Kräfte waren schon ziemlich am Ende. Das letzte Stück ist aber in der Hinsicht auch wirklich gemein, da man nur äußerst langsam vorangekommen ist.

Alles hat ein Ende und somit standen wir nach gut 3 Stunden (!) am Grat. Das kurze Stück zum Gipfel schenkten wir uns und konzentrierten uns eher den auflebenden Südwind zu nutzen, solange er da ist.

Im Sommer ist der Startplatz vermutlich etwas handlicher, da man im Schnee bei der moderaten Steigung doch schnell ins Rutschen kommt. Ansonsten muss man sagen, dass der Startplatz einen Wind braucht. Ohne Wind kann die Sache auf Grund der vereinzelten Bäume in der Startschneise schon etwas knapp werden. Einerseits hat man nicht viel Raum, um den Schirm zu unterlaufen und andererseits muss man schnell in der Luft sein, um nicht an der ersten Baumreihe hängen zu bleiben. Hat man jedoch > 5 km/h Wind und kann sicher starten, ist der Abflug vom Einstein kein Problem.

Fazit: Der Aufstieg war natürlich um diese Jahreszeit brutal. Keine Hütte, keine Kundschaft, die einem den Weg vortrampelt. Mit Blick auf das überfüllte Neunerköpfle war der einsame Start vom Einstein jedoch ein Genuss.


Informationen.


NameEinstein
GruppeTannheimer Berge
RegionAllgäauer Alpen
StartrichtungenSO, S, SW
TalortTannheim
GPS (Berg)47.521085, 10.516137
GPS (Tal)47.499584, 10.525151
Höhe Startplatz [amsl]1760
Höhenunterschied [m]666
AufstiegsvariantenAusgehend vom offiziellen Landeplatz des Neunerköpfles läuft man nach Berg bei Tannheim und folgt dem ausgeschilderten Steig. Im Winter ist die Wegfindung teilweise schwierig und in einer Rinne, die zum Grat führt, u. U. auch lawinengefährdet!
StartplatzAm Grat findet man einen Wiesenstartplatz mit moderater Neigung – der Schirm bleibt noch liegen. Anspruchsvoll bei seitlichem oder sehr schwachem Wind auf Grund von vereinzelten Bäumen, die den Start-Flug-Bereich mäßig eingrenzen.
FlughinweiseIn Sommermonaten auf mögliches Lee durch einströmenden Bayerischen Wind achten.
LandeplatzGroßzügige Wiese beim NK-Parkplatz
Talwind am Landeplatzwestlich


Bildergalerie.



Kartenmaterial zum Nachhiken.