Alle Jahre wieder.

 

 
Eigentlich sollte man meinen, dass über die heimischen Berge, wie dem Edelsberg, alles gesagt sei. Aber Infos darüber wie gut sich der Edle zum Fliegen eignet, sind nicht wirklich weit verbreitet. Weiterhin so gutes Wetter, also nichts wie raus und selbst nachschauen.

Der Edelsberg wird auch gerne in Kombination mit der Alpspitze begangen, wobei hier durch die Vielzahl an Hütten auch eine ganze Menge Fußvolk unterwegs ist. So gehörte das Duo auch zu den ersten Gipfeln, die ich überhaupt in den Alpen “erklommen” habe. Im April 2011 besuchte ich zum ersten Mal einen guten Freund aus Berliner Zeiten in seiner Heimat – Pfronten Röfleuten. Ich war bis dahin noch nie wirklich in den Alpen geschweige denn beim Wandern gewesen. Als Berlin-Neukölln-Stadtkind ist man nachts höchstens zum nächsten Späti gepilgert.

Der Edelsberg steht in Röfleuten eigentlich direkt vor der Haustür, also machten wir uns zu historischen Zeiten auf den Weg dahin. Der Existenz von Gleitschirmen war ich mir damals eher nicht bewusst. Wie so oft im Frühjahr herrschte dichter Hochnebel vor, so dass wir fünf Meter voreinander stehend uns weder sehen noch hören konnten. Wäre also sowieso nix fürs Fliegen gewesen. Das wohl aufregendste Erlebnis bei dieser Wanderung war ein schleimiger Alpensalamander. End of story.

Aktuell sollten bei dem anhaltenden guten Wetter dann doch nochmal die Startverhältnisse am Edelsberg begutachtet werden, also folgte ich einem der vielen Wege, die hinaufführen. Parken kann man in Röfleuten-Nord, wobei man auch in Kappel, beim Lift oder direkt aus der Vilstalsäge losgehen kann. Man wechselt zwischen Waldweg und Forstweg hin und her, wobei die einzelnen Wegvarianten sich zeitlich nicht sehr viel nehmen. Der östliche Ausläufer vom Edelsberg wird als Beerenmoos bezeichnet und mit ein wenig Glück kann man dort auf irgendwelche Hühner (genauer gesagt Raufußhühner) treffen. Diese sind scheinbar Sensibelchen, weswegen vor Jahren sogar ein Wildschutzgebiet geplant war. Würde so ein Wildschutzgebiet in Kraft treten, so würde ein Betretungsverbot bestehen. Ironischerweise würde die forstwirtschaftliche Nutzung durch Rechtlerverbände natürlich nicht eingeschränkt werden. Willkommen im Allgäu. Wie dem auch sei, mittlerweile gibt es zwischen der Fichtelhütte und dem Edelsberg ein mikroskopisches Wald-Wild-Schongebiet mit einer Größe von 0.03 km2 (entspricht etwa 175 m x 175 m), das im Winter nicht betreten werden sollte (zusammengefasst: ein Ski/Schneeschuhverbot auf freiwilliger Basis). Demnach ist es eher ein gewollter, aber nicht gekonnter Entschluss des Landratsamts gleichzeitig die Natur schützen zu wollen und dabei dennoch den scheinbar allmächtigen Rechtlern und Jägerverbänden hörig zu bleiben.

Landschaftlich ist es trotzdem sehr schön und der Ausblick vom Startplatz gigantisch. Man bekommt nicht nur einen Einblick ins Tannheimer Tal, sondern hat einen erstklassigen Panoramablick auf die Allgäuer Voralpen. Insgesamt gibt es drei Wiesenstücke beim Edelsberg, die einen Gleitschirmstart ermöglichen. Der östliche Startplatz ist mit 1590 amsl am höchsten gelegen, wobei man sehr gut nach Süd, SO und Ost starten kann. Stärkeren Ostwind sollte man in dem Fall nur mit größter Vorsicht genießen, da man Gefahr läuft es mit viel Gegenwind nicht aus dem Tal zu schaffen. Für alle Eventualitäten gibt es jedoch um den Röfleuterberg drei riesige und vor allem flache Wiesen, die in etwa auf halber Strecke ins Tal Notlandemöglichkeiten bieten. Gegebenfalls kann man auch im Vilstal selbst landen, wobei die Landewiesen von oben nicht sichtbar sind! Man sollte demnach lieber nur starten, wenn man die ca. 3.5 km Luftlinie auch ohne Zwischenfälle erfliegen kann.
Zwischen Fichtelhütte und Edelsberg kann man unter Umständen sogar Richtung NO starten, wobei es hierfür keine empirischen Belege gibt.
Südlich vom Gipfel befindet sich ein weiteres Wiesenstück mit Ausrichtung nach Süden. Hier ist es etwas steiler und durch Nachforstung sind die Startbedingungen suboptimal.
Demnach kann man als letzte Alternative bei S-SW besser auf die oberhalb der Dinserhütte gelegene Wiese gehen.

Ich hatte das Glück, dass immer wieder Ablösungen aus Süd die Wiese hochströmten und konnte problemlos vom östlichen Startplatz nach Süd starten. In der Luft merkte man lustigerweise, dass hin und wieder etwas thermisch hochblubbt. Oberhalb des Röfleuter Bergs piepste mein Vario sogar ganz kurz, aber sonst war es einfach ein entspannter Abgleiter. Mit guter Höhe kam ich in Röfleuten an, sah noch meinen Bekannten, wie er mir durchs Dachfenster zuwinkte und landete auf einer der vielen Wiesen.
Beim Landen sollte man vorab die Augen etwas offenhalten, da es hier Strom/Telefonleitungen en masse gibt und die meisten Wiesen nicht wirklich eben sind.

Hinweis: Falls man im Sommer unterwegs ist, sollte man beim Edelsberg auf der Hut sein. Ähnlich wie beim Achtal kann der Bayerische Wind kräftig ins Vilstal drücken. Bei thermischen Bedingungen in den Alpen ist es also schnell mal ein klassisches Sauftal. Ehe man sich versieht, geht es hier unter Umständen mit 5-6 m/s Richtung Grund.

Fazit: Der Edelsberg thront über dem Vilstal und ist einen Hike and Fly definitiv wert. Der Aufstieg zieht sich teilweise ein wenig, aber so merkt man die 700 Höhenmeter fast gar nicht.


Informationen.


NameEdelsberg
GruppeAllgäuer Voralpen östlich der Iller
RegionAllgäuer Alpen
Startrichtungen(SW), S, SO, O, (NO)
TalortPfronten-Röfleuten
GPS (Berg)47.591550, 10.499032
GPS (Tal)47.591375, 10.546263
Höhe Startplatz [amsl]1590
Höhenunterschied [m]704
AufstiegsvariantenMan kann eigentlich eigentlich in Kappel, Weißbach oder Röfleuten-Halden oder sogar bei der Vilstalsäge loslegen. Man folgt einem der vielen, gut ausgeschilderten Wege Richtung Dinserhütte/Edelsberg.
StartplatzÖstlicher Wiesenstartplatz ideal für S – O, weiter unten sogar NO (nur bei schwachem Wind). Westlich vom Gipfel weitere Wiesenflächen für S-SW.
FlughinweiseFlugrichtung Pfronten. Bei starkem Wind unbedingt auf ausreichende Höhe achten und ggf. im Vilstal oder auf einer der großen Ebenen beim Röfleuter Berg/Stockenbichel zwischenlanden.
LandeplatzGroße Landewiesen im Tal. Achtung: viele Stromleitungen und Wiesen teils uneben.
Talwind am LandeplatzNördlich


Bildergalerie.



Kartenmaterial zum Nachhiken.