Risikomanagement am Berg.

 

 

Manchmal will man es einfach nicht wahr haben wollen. Für den nächsten Tag auf unserer Reise durch Slowenien sollte es mal wieder mega-super labil sein, so dass ab 11 Uhr die ersten Gewitter angesagt waren. Der Ehrgeiz und Bewegungsdrang zum morgendlichen Bergspaziergang war jedoch sehr groß, so dass wir uns in einer Herrgottsfrühe (nach 6 Uhr) von Dovje aus auf den Weg zur Dovška Baba machten.

Der im Deutschen als Frauenkogel bekannte Grasgipfel in den westlichsten Spitzen der Karawanken bietet vielversprechende Blicke zum Triglav, dem umliegenden Nationalpark und vor allem ideale Startbedingungen in südliche Richtung von einer ordentlichen Höhe über dem Meeresspiegel von 1890 Metern. Der nur teils gut ausgeschilderte Weg war nach den regenreichen Tagen eine reine Schlammschlacht und stellenweise sehr verwachsen. Passiert man die erste Almwiese, wo aktuell eine neue Hütte entsteht, muss man die Augen offen halten, um die richtige Abzweigung vom Forstweg auf einen kleinen Waldpfad zu erwischen. Um 9 Uhr morgens war der Himmel schon wolkig mit Aussicht auf Käsebällchen, so dass wir bergauf sputeten.

Das nächste Mal mit freier Fernsicht waren wir an der Planina Dovška Rožca, der Blume von Dovje, wo sich auch die erst ab Juni bewirtschaftete Hütte auf knapp 1650 amsl befindet. Ernüchterung holte uns ein, denn der Himmel hat scheinbar innerhalb einer Stunde komplett zugezogen. Wir standen wieder knapp unterhalb der Basis und seltsame Böen aus Ost wehten mit teilweise über 20 km/h von der Seite. Die Fernsicht ging plötzlich durch die feuchteschwere Luft gegen Null und just in dem Moment, wo wir die Schirme ausgelegt haben, zog es zu. Wir warteten eine gute Viertelstunde und spekulierten darauf, dass eine möglicherweise zu durchfliegende Wolkenschicht keine 20-30 Meter haben könnte…Aber letztendlich entschieden wir uns für einen Rückzug, da einfach zu viele Faktoren gegen einen „nur ganz kurzen“ Flug „nur um nicht runterlaufen zu müssen“ stimmten. Die Schirme wurden widerwillig unter Aufsicht eines seltsamen einzelnen Japaners, der kurz nach uns bei der Hütte ankam, eingepackt.

5 Minuten später hatten wir beim Runterweg wieder Sicht ins diesige Tal. Weitere 5 Minuten später hallten uns schwere Donnerschläge um die Ohren. Nochmal 10 Minuten vergingen und wir waren auf die Unterhose durchnässt. Ganz schnell verflog die Unzufriedenheit wegen des Hike & No-Flys, da kein Flug das Risiko im Gewitter zu fliegen es wert ist. Wir kommen jedoch wieder! Wenn es halt mal ein wenig stabiler ist, denn auch hier gibt es noch einen Haufen weiterer Gipfel, die zum Wandern mit dem Gleitschirm einladen.


Informationen.


NameDovška Baba
GruppeKarawanken
RegionSüdliche Kalkalpen
StartrichtungenSO, S, SW
TalortDovje
GPS (Berg)46.487147, 13.992175
GPS (Tal)46.465069, 13.945057
Höhe Startplatz [amsl]1. 1651
2. 1892
Höhenunterschied [m]1. 977
2. 1201
AufstiegsvariantenMan startet in Dovje und läuft Richtung Kamp, auf dem breiten Forstweg gibt es immer wieder Beschilderung Richtung Dovška Baba. Unterwegs passiert man ein Haus im Wald und folgt ansonsten dem Rest steilen und nach Regen rutschigen Waldweg. Im Wald ist die Wegführung nicht immer eindeutig, GPS von Vorteil. Erreicht man die Hütte muss man nur noch ca. 200 Höhenmeter weiter bergauf, um zum oberen SP zu gelangen (SW nur am Gipfel).
StartplatzRiesige Wiesen
FlughinweiseBei Südwind unproblematisch
LandeplatzViele Wiesen, jedoch auf Harpfen und Leitungen achten.
Talwind am LandeplatzSehr starker Talwind im Frühjahr und Sommer


Bildergalerie.



Kartenmaterial zum Nachhiken.