Belluno, wir sind wieder da, die tiefe Basis auch.

 

Kaum von unserer MTB-Transalp wieder zu Hause werden wir durch ein langes Wochenende und einen bitterkalten Nordstau wieder gen Süden verjagt. Dank sportlicher Flexibilität stört ein anfänglicher Nordföhn nicht, denn man mag’s glauben oder nicht, aber es gibt in Bassano, Belluno und Feltre auch genügend Möglichkeiten zum Klettern, Klettersteigen und Biken!

Wieder sitzen wir also am Lago di Santa Croce bei Alpago und schauen den Kitern beim Aufziehen zu. Im Hintergrund thront am Ostufer der Piave der felsige Monte Dolada an der Seite des Monte Toc, während westlich des Flussverlaufs die Wiesenhänge des Monte Serva in der Abendsonne zu erkennen sind. Letztes Jahr waren wir bereits in Belluno und haben vom Monte Serva nur gute Erinnerungen mitgenommen. Tolle Leute kennen gelernt und eine unterschätzte Alternative zum überlaufenen Bassano gefunden. Um dieses Gebiet weiter zu erkunden, war nun der Dolada auf dem Planstand.

Am nächsten Morgen parkten wir am offiziellen Clublandeplatz. Hier hätte man auch nach Absprache campen können und es besteht ein Zugang zu Duschen/Toiletten. Die lokalen Doppelsitzer haben auch vor Ort ihr Büro und stehen für etwaige Rückfragen zu den Flugbedingungen zur Verfügung. Zumindest im Sommer ist direkt am Landeplatz auch eine kleine Bar mit Grill und netter Gesellschaft. Wir sparten uns das Erfrischungsgetränk für später auf und marschierten von Garna Richtung Piave d’Alpago los, wobei wir einem ausgeschilderten Spazierweg gefolgt sind. In Piave selbst gab es zuerst Cappuccino, Cioccolata calda und Brioches zum Frühstück. Dort fiel uns auf, dass wo man nur hinschaut eine Ausschilderung des Start- und Landeplatzes zu finden war. Bei der ausgezeichneten Infrastruktur kamen bei uns an dem Punkt die Sorgen auf, dass es sich hier um ähnlich verstörende „Consorzio“-Verhältnisse wie in Bassano handelt…nichts desto trotz folgten wir der Beschilderung und schrubbten Asphalt. Auf etwa 1010 amsl erreicht man endlich das so genannte Rifugio Carotta, was eigentlich nur ein Albergo ist und nichts mit einem alpinen Rifugio zu tun hat. Dort kann man jedoch endlich die Asphaltstraße verlassen und biegt links auf einen Schotterweg ab. Nach ca. 100 m muss man sich bei der Kreuzung Richtung Rif. Dolomieu halten und folgt einem schnurstracks geraden Waldweg steil bergauf.

Der Weg ist für italienische Verhältnisse wirklich sehr schön und gut ausgebaut. Man geht durch eine Mischung von Buchen- und Kiefernwald, hat jedoch selten einen Ausblick ins Tal. Für Gehfaule besteht die Möglichkeit am Landeplatz eine Fahrgemeinschaft, auch mit den lokalen Fliegern, zu bilden und hoch zu fahren. Unter Umständen bieten die Doppelsitzer mangels Kunden auch einen Shuttleservice an. Hier ist der beste Ansprechpartner Felice Boccanegra (+39 338 33 90 070).

Keine zwei Stunden und 900 Höhenmeter später kamen wir unterhalb des Startplatzes aus dem Wald und sahen zur unserer Überraschung keinen einzigen Gleitschirmflieger. Die gesamte Gebirgskette und der Monte Toc hing in tiefen dunklen Wolken und eine Gewittervorhersage für den frühen Nachmittag hinterließ ein mulmiges Gefühl. Deswegen ging es für uns erstmal ins Rifugio Dolada. Bei einem Erfrischungsgetränk fragte ich bei den Wirten nach, ob es beim Flug vom Monte Dolada etwaige Besonderheiten zu beachten gäbe. Er schaute nur in den Himmel, zog die Augenbraue hoch und fragte: „Meinst Du etwas außer den Gewitterwolken da hinten?“

Die Skepsis wurde dadurch nicht geschmälert und wir schlurften zurück zum Startplatz. Wie gerufen stand jedoch Felice am Startplatz und hatte noch einen weiteren Gastflieger im Schlepptau. Wir sollten nicht zu weit ins Tal hinter fliegen und lieber Richtung Lago vorhalten, denn man könnte nicht genau sagen, was die dunklen Wolken so vorhätten. Wir sollten auch eine potentiell turbulente Ecke zwischen Startplatz und Rifugio meiden. Zudem seien die Kiter auf dem Lago di Santa Croce ein guter Indikator für die Stärke des Talwinds. Viele Kiter entsprechen einer stehenden Landung bis hin zum Rückwärtsflug.

Wir ließen den beiden den Vorflug und mussten feststellen, dass die zunehmende Bewölkung zunehmend abschirmte. Während die Jungs noch eine gute Brise zum Starten hatten, blieb uns nichts als Flaute übrig. In der Luft regte sich auch noch kaum etwas, die beiden Vorflieger waren auch längst gelandet. Also nichts wie Abflug Richtung Landeplatz. Dieser ist im ersten Moment nicht sofort zu erkennen und außerdem in der Talmitte, so dass eine Abflughöhe von 1000 bis 1100 amsl zu empfehlen ist. Für uns ging es also gemütlich über die Ebene und wir landeten bei Nullwind. Schade eigentlich.

Am Landeplatz alberten die Doppelsitzer rum, wir schlossen uns an und gönnten uns Bierchen, Spritz und eine warme Dusche. Danach ging es direkt weiter Richtung Feltre bzw. zum Fuße des Monte Avena.

Fazit: Der Monte Dolada bietet im Vergleich zum Monte Avena ein Sprungbrett für inneralpine Flüge, während Monte Serva bereits Alpenrandcharakter vorweist. Die Infrastruktur ist sehr gut und an guten Flugtagen ist diese Location mit Sicherheit einen Flug besonders zur Abendstunde wert!


Informationen.


NameMonte Dolada
GruppeGruppo Col Nudo-Cavallo
RegionBelluneser Dolomitten
StartrichtungenSO, S, SW
TalortPiave d'Alpgago
GPS (Berg)46.191821, 12.352662
GPS (Tal)46.158221, 12.368782
Höhe Startplatz [amsl]1502
Höhenunterschied [m]906
AufstiegsvariantenVom Landeplatz geht es auf Asphaltstraßen durch ein Wohnviertel in den Talort Pieve d'Alpago. Von der Bar direkt auf dem Rathausplatz geht es im Zickzack den Asphalt hoch. Kurz nach dem Bergdorf Plóis geht es dann auf einem ausgeschilderten Wanderweg bis zum Rifugio Dolada.
StartplatzWiesenstartplatz mit entspannter Neigung und ein paar Steinen zwischendurch.
FlughinweiseZwischen Rifugio Dolada und dem Startplatz sollte man nicht zu tief fliegen. Laut den Einheimischen soll es dort turbulent sein. Abflughöhe zum Erreichen des Startplatzes ca. 1100hm
LandeplatzSchöne Wiese. Bei zu hohem Anflug kann eine Asphaltstrasse überflogen werden. Verkehrsschilder warnen die Autofahrer.
Talwind am LandeplatzNachmittags starker Südwind! Kiter auf dem Lago di Santa Croce beobachten.


Bildergalerie.



Kartenmaterial zum Nachhiken.