Blegoš. Die richtige Perspektive ist der Schlüssel zum Erfolg.

 

 

Mal wieder Urlaub, also wollten wir eigentlich in die Hohe Tatra. Blöd nur, dass das Wetter Ende Juli nun wirklich miserabel angesagt war. Was macht man also…da hin fahren, wo das Wetter gut ist. Südalpenseite, in specificum Slowenien.

Wieso gerade Blegoš? Keine Ahnung, dieselbe Frage habe ich mir beim Aufstieg auch gestellt. Der Startpunkt ist bei Hotalvje mitten im nirgendwo. Man fährt durch den Ort, wenn man zum Winterskiresort Črni Vrh will. Aber wer fährt da hin? Vielleicht gerade deswegen suchen wir uns solche Berge aus, denen man sonst wenig Aufmerksamkeit schenken würde. So parkten wir Kowalski beim Marmorbruch oberhalb von Hotalvje und starteten unseren Weg auf der Asphaltstraße Richtung Čabrače. Man kann hier nicht wirklich abkürzen. Unterwegs wurden wir von einer älteren Dame angesprochen, die mir auf slowenisch bzw. in einem slowenischen Dialekt so viel erzählen wollte, ich jedoch leider nichts verstand. Sie erzählte und erzählte, ich fragte auf polnisch, deutsch und italienisch nach, aber die Verständigung war nicht geglückt. Aber nicht minder war das Wohlwollen und die Offenherzigkeit, dass es einen nur motivieren kann ein paar Brocken der Sprache zu lernen – für das nächste Mal also.

Nicht weit hinter der Siedlung kommt man zu einem letzen großen Bauernhof und kommt ans Ende der Straße. Der Weg zweigt sich laut OSM-Karte auf, wir haben jedoch nur einen Weg an den weidenden Kühen vorbei gefunden. Diesem folgt man nun recht steil durch den Wald hinauf, wo wir endlich Schatten gefunden haben. Nach etwa 15 Minuten gelangt man zu einer offenen Weide und folgt dem steilen Grat Richtung Prva Ravan. Man kommt nach einem kurzen Wiesenstück zum Glück in den Wald, da die Sonne Ende Juli einem gefühlt die Kopfhaut wegbrennt (das am Vormittag!) Aus dem Waldweg heraus kommt auf einen Wirtschaftsweg, dem ein kurzes Stück entlang folgen und bei dem Denkmal für die Gefallenen des zweiten Weltkriegs biegt man wieder in den Wald. Von hier sind es laut Beschilderung nur noch 35 Minuten bis zum Blegoš.

Recht schnell ist man dann am Grasbuckel und sieht auf dem Weg zum Špik einige Bunker. Sobald man auf der Kuppe ist, verschlägt es einem den Atem. Der Rundumblick ist gigantisch. Triglav mit seinen Freunden, die Kette der Karawanken mit den Sanntalern zu ihren Füßen und dann südlich noch das Mittelgebirge soweit, dass man an guten Tagen bis zum Meer sehen kann. Selten von so einem guten 360 Grad Panorama gestartet.

Wir hatten an dem Tag eine leichte Nordlage mit ca. 6-9 km/h NW-Wind. Man kann vom Wiesenbuckel auch problemlos von NW über S bis O starten, ein reiner Nordwind ist etwas tricky und nur mit „mehr“ Wind machbar. Da es jedoch stark thermisch war, kamen uns die Ablösungen aus jeder Richtung entgegen, wobei zur frühen Mittagszeit die Startrichtung der Wahl gegen SO war. Der Startplatz ist oberflächentechnisch super, teilweise jedoch etwas flach. Wenn man in einer stärkere Ablösung reinstartet, ist es jedoch kein Problem.

Während unserer Startvorbereitungen ist auch ein Flieger, der beim Stari Vrh – einem gut frequentierten Flieger-Berg mit Gondelanbindung – gestartet ist, neben uns Top gelandet. Einerseits wollte er wohl wissen, wer dort (also wir) am starten ist, und andererseits hat er den Zwischenstopp zum Umpacken benutzt.

Das Aufdrehen vom Blegoš in ein einer leeigen Thermik ist einfacher als gedacht. Oberhalb des Startplatzes bildeten sich langsam dicke Quellwolken, also ging es eigentlich überall hoch. Die leicht mit Nordwind durchsetzte Thermik war in dem Fall äußerst kräftig, aber noch gut fliegbar. Von hier aus fliegt man die Ridge bis zum Porezen, um dann weiter zur Črna Gora. Wer keinen Stress mit Rückholung hat, hat es nur noch einen Katzensprung über den Wocheiner See, um am Triglav aufzudrehen. Wie unauffällig der Blegoš auf der Karte auch wirken mag, es ist ein TOP-Augangspunkt für Streckenflüge und zeitgleich ein Panoramaflug für Genießer.

Der Rückflug zum Landeplatz ist auch ohne Thermik bei der Höhedifferenz von > 1000 m kein Problem. Bei einer Landung beim Marmorbruch ist ein Nordwind (entgegen der Erwartung!) anzutreffen, während im Poljanska Sora Tal (Hotalvje) ein Talwind aus klassisch Ost zu finden ist. Auch an stark thermischen Tag entwickelt sich hier durch den ungleichmäßigen Talverlauf von Škofja Loka nur ein leichter bis mäßiger Talwind. Es gibt viele Windanzeiger im Tal und die Landung ist im Sommer thermisch, aber unproblematisch.

Fazit: Wider Erwarten war das ein echt schöner Hike & Fly mit grandioser Aussicht auf die Julischen Alpen und den Karawanken-Kamm. Bei Streckenfluglust ist das auch der Top-Startpunkt in der Region.


Informationen.


NameBlegoš 
GruppeKamniker-Savinjer Alpen
RegionSüdliche Kalkalpen
StartrichtungenNO über S bis NW
TalortHotalvje
GPS (Berg)46.164599, 14.113503
GPS (Tal)46.120596, 14.117969
Höhe Startplatz [amsl]1550 amsl
Höhenunterschied [m]1108 m
AufstiegsvariantenMan parkt in Hotalvje beim Marmorbruch und geht Richtung Norden - der Weg ist gut ausgeschildert und unter Einheimischen ist der Berg gut bekannt.
Startplatz360 Grad Panorama und bis auf N große flache Wiese.
FlughinweiseAusgangspunkt für Streckenflüge oder als Brotzeit-Toplandung auf dem Weg.
LandeplatzThermik in der Mittagszeit. Ansonsten viele Wiesen im Tal.
Talwind am LandeplatzSüdlich


Bildergalerie.



Kartenmaterial zum Nachhiken.