Schnee bis zum Umfallen.

 

 
Von Winter ist im Tal kaum noch eine Spur zu sehen – im Alpenvorland zumindest. Der Tag sollte uns strahlenden Sonnenschein und nicht unbedingt wenig Wind aus Osten bringen. Thermik war jetzt auch nicht unbedingt angesagt, was förmlich zu einem Frühlings-Hike-Fly aufforderte. All zu hoch konnte man inneralpin nicht gehen (wegen s.g. „Restschnee“) und wir hatten zusätzlich zu uns beiden noch zwei weitere Flieger und eine Wanderin dabei. Die Wahl fiel somit auf das Bernhard’s Eck mit der Option weiter zur Mutte aufzusteigen.

In Elbigenalp angekommen, parkt am besten auf dem Wandererparkplatz bzw. beim Geierwallyparkplatz. Von da ist dann auch der Weg zur Bernhard’s Eck Hütte gut ausgeschildert – u.a. ist unten auch vermerkt, ob die Hütte geöffnet hat. Im Winter kann man auch eine entspannte Skitour/Rodeltour zur Hütte machen und der Forstweg ist meistens planiert.

Die ersten paar Meter folgt man einer Asphaltstraße, die am Ende in einen Forstweg mündet. Dort folgt man dem Weg bis zur Gibler Alm, wo die ersten bereits gerne eingekehrt wären. Mit Gejammere geht es also weiter hinauf, wobei man an zwei Stellen getrost dem Fußweg folgen kann, um sich die weiten Serpetinen des Forstwegs zu sparen.

Je höher wir kamen, desto mehr Schnee fanden wir auf dem Weg, was bei der fast unwinterlichen Stimmung schon etwas verwunderlich war. Aber fix an der Hütte angekommen, begrüßten uns die drei Hüttenkatzen, was definitiv auf Frühling hindeutete. (Eine Katze verachtet aus Prinzip Schnee, da das nur gefrorener Regen und somit Wasser ist.) Der gute Hummel wusste bei unserem Gepäck schon warum wir da waren und warnte uns vor dem vielen Schnee vor. Ggf. hätten wir eine Chance auf der ersten Kuppe, da womöglich der Wind den Schnee verblasen haben würde. Im Frühjahr wollte er dort oben auch noch ein bissl Gestrüpp rausschneiden, um den Fliegern den Start Richtung SO zu erleichtern (eine exzellente Idee, wie wir später feststellten).

Nach einer kurzen Einkehr ging es also weiter. Und der Schnee, der uns versprochen wurde, war da. Bis zu den Kniekehlen. Richtig schön nass und sulzig. Abwechselnd spurten wir uns also den Weg bis zur Kuppe hoch und vertagten den Start von der Mutte auf einen schneeärmeren Tag. Bei dem ganzen Schnee würde der Start von hier schon interessant genug werden. Wir hatten gehofft, dass wir den stärker angesagten Wind aus Osten antreffen würde. Falsch gedacht, oben kam hin und wieder mal nur ein laues Lüftchen an. Schade, wäre ja auch zu schön gewesen.

Da es sonst keine anderen Freiwilligen gab, machte ich mich als erste auf zum Starten…kurz gesagt: Schnee bis zum Umfallen. Aufziehen des Schirms war an sich kein Problem, blöd nur, wenn man einen Schritt tun wollte. Das nämlich endet in einem eleganten Umfallen. Nachdem man mir hunderte schlaue Tipps geben wollte, ließ ich die Herrschaften mal probieren – oh, siehe da, auch der Schlaumeier macht ein paar Schneeengel in den Schnee. Nach einer Handvoll Startabbrüchen und einem strategischen Wechsel der Startrichtung (nicht mehr Richtung Hütte, sondern fast gegen Nordosten) war die Startschneise einigermaßen planiert, weswegen es dann endlich in die Luft ging. An dem Gestrüpp vorbei, das hoffentlich bald geköpft werden wird.

Alex und ich genießen unseren verlängerten Abgleiter ins Lechtal und sind überrascht, dass uns im Tal ein sehr strammer Talwind erwartet. Stehende Landung und das noch vor 12 Uhr. Wir funken unsere Kollegen am Berg an, was sie im Tal erwartet und warten. Eine ganze Weile. Wie sich herausgestellt hat, ist kurz nach unserem Start der Wind am Startplatz komplett eingeschlafen und Starten wurde somit unter den Bedingungen nicht weniger einfach. Wir warteten also weiter und mussten beobachten, wie der Talwind immer und immer stärker zunahm. Böen von weit über 40 km/h fegten über den Platz. Oha, aufbrausende Frühlingsgefühle im Lechtal. Irgendwann schafften es unsere Kollegen doch in die Luft und hatten beim Landen mittlerweile äußerst sportliche Bedingungen…

Fazit: Kommoder Aufstieg, tolle Einkehrmöglichkeit und an sich ein super Hike&Fly-Spot – wenn es denn nicht so viel Schnee gibt. Für einen Ski&Fly mit Sicherheit auch sehr gut geeignet.


Informationen.


NameBernhard’ Eck
GruppeHornbachkette
RegionAllgäuer Alpen
StartrichtungenNO, O, SO, S, SW
TalortElbigenalp
GPS (Berg)447.289241, 10.386219
GPS (Tal)47.286526, 10.429513
Höhe Startplatz [amsl]1999
Höhenunterschied [m]975
AufstiegsvariantenAufstieg vom Parkplatz führt an der Gibler Alm vorbei über eine Forststraße zum Bernhard’s Eck.
StartplatzWiesenkuppe, wobei Richtung Süden auf Lawinenbebauungen geachtet werden muss.
FlughinweiseTalwind im Lechtal (Nordwind)
LandeplatzLandeplatz südwestlich vom MPreis – hier gibt es auch Fahnen als Windindiaktor
Wind am LandeplatzStarker Talwind


Bildergalerie.



Kartenmaterial zum Nachhiken.