Hat jemand was von Kuchen gesagt?

 

 
Daheim war das Wetter zwar flugtauglich, aber wir waren mal wieder reif für Italien. Wärmende Sonne, italienisches Essen und Vino. Die lieben langen Maiwochenende sind perfekt für solche Trips gen Süden ausgelegt, wo es im Schnitt immerhin 10 Grad wärmer ist. Ursprünglich wollten wir uns auf den östlichen Teil der Belluneser Voralpen konzentrieren, um das vermutete Fliegerspektakel in Bassano zu vermeiden. Eine tiefe Basis und doch eher ungünstige Wetterbedingungen trieben uns nach einem kurzen Hike & Fly Abenteuer in Revine Lago aber doch Richtung Westen: Bassano del Grappa.

Nachdem wir uns die Cima Fava angeschaut haben, ging es mittags noch Richtung Bassano del Grappa. Die Ausblicke auf den Landstraßen in Treviso sind wirklich einmalig. Nachmittags kamen wir gemütlich am Camping Santa Felicita und bei der unter Flieger gut bekannten Antica Abbazia, an. Nachdem wir unseren Caddy dann sachgemäß geparkt hatten, ging es los Richtung Stella Alpina. Einem der tiefer gelegenen Startplätze im Konglomerat des Fluggebiets Bassano. Aus Mangel an Wegbeschreibungen und Unlust zur zeitraubende Wegsuche, folgten wir einfach der Asphaltstraße. Diese führt in langen sich ziehenden Serpentinen mit leichter Steigung nach oben. Die zahlreichen Fliegertaxis wollten uns jedes Mal einsammeln und niemand schien zu verstehen, was wir da eigentlich machen wollten. Irgendwie brachten wir es auch bei der Hitze nicht übers Herz das kleine Stückchen Berg nicht zu Fuß zu bewältigen. Als wir knapp nach halb sechs bei der Stella Alpina angekommen sind, breiteten noch zwei Flieger ihre Schirme auf der oberhalb leicht abgewätzten Wiese aus und starteten bei leichter Brise aus Süd. Wir wollten es erstmal entspannt angehen. Blöd nur, dass der Südwind plötzlich nachgelassen hatte, nun mehr von hinten kam und wir die Schicht im Schacht zu erreichen drohten. Daher ging es im Vorwärtsstart schnell Richtung Abflug und im verlängerten Abgleiter ins Tal.

Abends wollten wir uns noch Bassano del Grappa und die berühmte Ponte Vecchio anschauen. Parken kann man am besten und kostenlos auf dem Parcheggio Prato 2 (unterhalb der Stadtmauern). Direkt am Parkplatz sollte es laut TripAdvisor auch einen guten Italiener geben, aber die Umgebung war auf den ersten Blick nicht unbedingt einladend. Auf der Suche nach einem vorzüglichen Italiener in Italien (davon gibt es an touristischen Ballungspunkten weniger als man glauben mag) machten wir uns also auf in die Altstadt und suchten und suchten und suchten. Auf der Brücke fanden wir sehr leckere hausgemachte Aperitivi, aber leider nichts Ansprechendes zum Essen. Hungrig und müde kehrten wir also zum Auto zurück und kehrten beim Partenope ein. So unscheinbar der Laden auch sein mag, ohne Reservierung läuft auf der Terrasse oder im primären Speisesaal gar nichts. Wir wurden dann in den noch leeren zweiten Speisesaal geführt, der auf den ersten Blick auch eher unspektakulär schien. Keine 10 Minuten später war der Laden bumsvoll (ca. 30 Minuten nach Eröffnung; nur abends Betrieb). und zwar bumsvoll mit Einheimischen. Die Speisekarte ist nur auf italienisch und die Auswahl der Pizzen wirklich italienisch. Keine Nudeln oder anderen Schnickendödel. Nur Pizzen und Getränke. Und die Pizzen sind himmlisch. Teig fluffig, Belag mega frisch, Käse ein einmaliges Geschmackserlebnis. Und die Preise sind unschlagbar günstig – teuerste Pizza liegt bei ungefähr 7 € (05/ 2016). Ein Must-Eat.

Am nächsten Tag wollten wir hoch hinaus: Panettone. Ein von Faschisten errichtetes Denkmal, dass den Piaveschlachten während des ersten Weltkriegs gedenken soll. Ein Monument, dass jedoch eher einem traditionellen Kuchen ähnlich sieht und somit im Volksmund auch als Panettone bezeichnet wird. Die OSM-Karten für die Region sind alles andere als exakt (unser GPS-Track abzüglich etwaiger Verläufer ist weiter unten). Zuerst läuft man bis zur Kirche in Semonzo und schlägt sich vorerst flach durch den verwachsenen Wald. Im Valle Cornòsegna gibt es gefühlt 30 unterschiedliche Wege, die alle irgendwie nach oben führen. Hält man sich links kommt man beim Startplatz Tappeti raus. Wir halten uns rechts und erreichen nach ca. 600 Höhenmetern zum ersten Mal die Asphaltstraße. Dort geht es auf dem Monte Cornòsegna an einem/r Hof/Pension vorbei, wobei man über eine Art Kuhweide stiefeln muss. Dort gelangt man dann auf einen gut ausgetretenen Pfad, der der Gebirgskante entlang zum Monte Legnarola und Monte Palla führt – alles eher flache Vorstufen des Grappa. Man trifft immer wieder auf die Asphaltstraße und scheinbar sollte es am DHV-Startplatz Bassano 4 auch möglich sein zu starten. Trotz weitgehend genauer GPS-Punktmarkierung konnten wir keinen schönen Startplatz finden. Der vermeintliche Startplatz ist also eher als schlecht als recht einzustufen, daher ging es für uns weiter Richtung Monte Grappa. Oben angekommen hat man kaum noch Bäume und somit freie Sicht. Sehr sehr schönes Gelände.

Der Startplatz Panettone befindet sich vier Serpentinen und ca. 150 Höhenmeter unterhalb des Gipfels des Monte Grappa. Man hat dort eine große Windfahne und kann bei Wind von Ost bis Südwest starten. Bei SO kann der Wind mal etwas seltsam sein, da ein vorgelagerter Hügel im Weg ist. Ansonsten sind die Startmöglichkeiten unbegrenzt. Toplanden ist auch sehr gut möglich, da man das Anfliegen theoretisch relativ risikoarm üben kann. Praktisch beobachteten wir einen Flieger, der regelrecht in den Monte Colombera bombte. Der hat wohl nicht viel geübt bzw. der Blasendruck war größer als die Geduld…Wir befanden uns fast an der Wolkenbasis und wurden teilweise in Wolkenfetzen getaucht. Nach einer kurzen Pause starteten wir dann auch und genossen einen gefühlt ewig dauernden Rückflug Richtung Bassano. Man erwischt eigentlich überall etwas Thermik und kann sich immer wieder zur Basis raufschaukeln. Man kann bei besseren Bedingungen weit Richtung NO fliegen, aber da die Gewittergefahr nicht unerheblich war, hielten wir uns Richtung SW. Dort kann man den kleinen Talsprung zur Antenna Lunga auf dem Monte la Gusella machen (bei starker Thermik auf Düseneffekt im Tal achten) oder am östlichen Ufer der Brenta Richtung Bassano del Grappa ins Flachland fliegen. Es gibt einen Landeplatz direkt bei der Antica Abbazia. Dort stehen jedoch meistens viele Camper, der kontrollierte Höhenabbau sollte gekonnt sein und wenn man sich bei der Länge verschätzt – blöd, weil u.a. Baumreihe vorhanden und das Landen auf dahinterliegenden Wiese sehr unerwünscht ist. Eine weitaus einfachere und primär genutzte Landemöglichkeit gibt es dann in Semonzo selbst.

Abends gibt es dann wieder Essen, diesmal in der Antica Abbazia. Auch sehr empfehlenswert, falls man nicht jedes Mal in die Stadt gurken möchte. Zu Feiertagen gehen die Italiener gerne essen, weswegen auch hier alles rappelvoll war und im Gegensatz zu Deutschland auch mit Kindern bis weit nach 23 Uhr ausgiebig gefeiert wurde.

Am nächsten Tag sollte das Wetter sehr labil sein, also machten wir uns früh vom Acker und stiefelten Richtung Startplatz Tappeti. Viele Flieger reisten auch schon ab, da der Monte Grappa Bike Day eine Straßensperrung mit sich führte. Der Rest versuchte vor der Sperrung um 9 Uhr noch ein Fliegertaxi zu erwischen. Auf Grund der steilen Waldwege sind wir aber zu Fuß auch recht zügig beim großen Startplatz gewesen, wo schon einige auf „den Moment“ warteten und versuchten sich die Plätze in der ersten Reihe zu reservieren. Der Startplatz ist von einer grünen Matte überzogen und sogar recht steil, so dass die Schirme nur so runterrutschen. Ein Stückchen weiter Straße aufwärts befindet sich die Drachenstartrampe und ein Imbiss. Wir hatten leicht böigen Südwind und wieder tiefhängende Basis. In der Luft konnte man wieder relativ gut aufdrehen und sogar zurück zum Panettone fliegen. Die Basis war aber so tief, dass der Startplatz immer wieder in den Wolken waberte. So krebsten wir die Ridge vor und zurück. Nach zwei Stunden hatten wir keine Lust mehr, da die Wolken auch nur noch dunkler wurden. Nach der Landung packten wir dann unseren Kram zusammen und entschieden uns nach Hause aufzubrechen, da schon die ersten Tropfen vom Himmel fielen. Unterwegs machten wir einen Abstecher zum Gardasee – wieder Pizza essen und übernachten. Am nächsten Tag kam dann die Strafe für die ganze Völlerei: knapp zwei Stunden vor Sterzing im Stau stehen, nur um zu bezahlen (!!!).

Fazit: Bekanntes, stark beflogenes Fluggebiet, da es hier scheinbar immer irgendwie geht. Auch wenn die Südalpen nordföhnig sind, kann man in Bassano teilweise noch fliegen. Für den Frühling oder Spätherbst, wenn man in den alpinen Fluggebieten nicht mehr weit genug kommt, bestimmt keine schlechte Wahl. Die Infrastruktur ist für Flieger gut ausgebaut. Der Campingplatz ist mit ca. 25-28 € (PKW + 2 Personen) nicht der günstigste. An langen Wochenende kann es auch mal ziemlich voll werden (Reservierung empfehlenswert). Man kann sich auch für 7,50 €/Person ein sehr gutes Frühstück in der Abbazia dazu buchen. Die Sanitäranlagen sind sauber, obwohl bei uns irgendwie nur eine von vier Duschen wirklich warm war. Das Personal ist supernett und hilfsbereit. Als günstige Alternative kann man auch auf dem Parkplatz der Antica Abbazia parken und für 2-3 € die Duschen nutzen. Es werden für die Region jedoch öfters Einbrüche und Diebstähle gemeldet. Wir werden irgendwann hauptsächlich wegen der Pizza im Partenope zurück nach Bassano pilgern, aber ansonsten sind umliegende Fluggebiete mit Sicherheit auch sehr interessant und nicht so stark frequentiert.


Informationen.


NamePanettone
GruppeGrappagruppe
RegionBelluneser Voralpen
StartrichtungenSW, S, SO, O
TalortSemonzo
GPS (Berg)45.861485, 11.804049
GPS (Tal)1. 45.807933, 11.769801
2. 45.809698, 11.759727
Höhe Startplatz [amsl]1558
Höhenunterschied [m]1358
AufstiegsvariantenAusgangspunkt ist hinter der Kirche in Semonzo (Asphaltstraße Richtung Osten folgen). Aufstieg erfolgt über versteckte Pfade im Wald und im oberen Teil entlang der Gebirgskante auf einem ausgeschilderten Waldweg. Oberhalb von 1300 amsl kommt man wieder auf den asphaltierten Fahrweg. Von dort führt ein Pfad parallel zum Straßenverlauf zum Panettone.
StartplatzRiesiger Wiesenstartplatz mit Windsack
FlughinweiseToplandemöglichkeit
Landeplatz1. Landeplatz in Semonzo
2. Landeplatz beim Camping Santa Felicita (anspruchsvoll)
Wind am LandeplatzSüdlich


Bildergalerie.



Kartenmaterial zum Nachhiken.



 

Weitere Startplätze.


 

NameStella Alpina
GruppeGrappagruppe
RegionBelluneser Voralpen
StartrichtungenSW, S
TalortSemonzo
GPS (Berg)445.819543, 11.763110
GPS (Tal)1. 45.807933, 11.769801
2. 45.809698, 11.759727
Höhe Startplatz [amsl]724
Höhenunterschied [m]524
AufstiegsvariantenEinfachster Aufstieg erfolgt über die Asphaltstraße
StartplatzFlacher Wiesenstartplatz
Flughinweisekeine
Landeplatz1. Landeplatz in Semonzo
2. Landeplatz beim Camping Santa Felicita (anspruchsvoll)
Wind am LandeplatzSüdwind


 

 

 

NameTappeti
GruppeGrappagruppe
RegionBelluneser Voralpen
StartrichtungenSW, S, SO
TalortSemonzo
GPS (Berg)45.823575, 11.768737
GPS (Tal)1. 45.807933, 11.769801
2. 45.809698, 11.759727
Höhe Startplatz [amsl]835
Höhenunterschied [m]625
AufstiegsvariantenAufstieg durch den Wald östlich von Semonzo
StartplatzStartplatz mit rutschiger Matte
Flughinweisekeine
Landeplatz1. Landeplatz in Semonzo
2. Landeplatz beim Camping Santa Felicita (anspruchsvoll)
Wind am LandeplatzSüdwind