Fernab von jeglicher Zivilisation mit dem Himalaya im Rücken.

 

 Nachdem wir nach unseren Abenteuern im Andi Khola Tal / Sirkot einen tollen Abschluss-Abend bei Dhal Baat in Pokhara verbrachten, fuhren wir mit unserem Taxifahrer zum Prithvi Chowk und er half uns beim Feilschen für unsere Anschlussverbindung nach Dumre, wo wir nach Bandipur umsteigen mussten. Zuerst schrie der Busfahrer 600 NRP pro Kopf. Never! Nach einer kleinen Diskussion einigten wir uns auf 250 NRP pro Kopf. (Im Nachgang verlangte er nochmal 100 NRP extra für das Gepäck, aber ein netter mitfahrender Geschäftsmann bestätigte, dass auch er 50 NRP nachzahlen musste). Also let’s survive and go to Bandipur!

Auf der Busfahrt unterhielten wir uns mit dem Mann, der im Aussendienst für eine Bank tätig war, die s.g. Micro-Loans / Mini-Kredite anbietet. Er fährt dann immer zu Aussenstellen und vergibt diese Kredit in der Regel an Frauen, die eigene Unternehmen aufbauen wollen. In seinen Augen sind die Frauen im Land tüchtig, während Männer naja zum Spielen und Genießen tendieren. Wir können das bestätigen…Er ist jedoch sehr froh über seinen Job gewesen, weil er das Gefühl hat tatsächlich, was Gutes zu bewirken und ausserdem werden die kleinen Kredite meist verlässlicher zurückgezahlt als große – also eine Win-Win-Situation für alle. Coole Sache!

Nach 3 holprigen Stunden kamwn wir in Dumre an und suchten eine Anschlussverbindung. Taxis wollten 600 NRP (utopisch) und wir gingen zum Bus nach Bandipur, der uns für 50 NRP per capita genauso weit brachte. Dieser fährt jede Stunde, also warteten wir 30 Minuten im Bus und „reservierten“ uns somit Sitzplätze des bereits gut gefüllten Busses. Oben angekommen, standen die ersten Hotelfänger, die uns in ein Hotel locken wollten. Man merkte sofort, dass hier mittlerweile der Tourismus Einzug genommen hat und das Publikum zum großen Teil aus Kulturreisenden im Rentneralter besteht. Den Leute geht es auch soweit gut, denn auf Verhandeln lässt man sich nicht ein und Preise von über 3000 NRP pro Nacht sind nicht unüblich.

Wir fanden dann im einer Nebengasse dann doch noch ein nettes Guesthouse für 800 NRP pro Nacht und machten uns direkt auf zum Startplatz. Bei den Hotelfängern fragten wir nach in welche Richtung es geht und man wollte uns hinführen. Nein danke, danke für die Wegbeschreibung. Man führte bzw. folgte uns trotzdem zum Startplatz. Man geht von der Bushaltestelle ein Stück die Straße zurück Richtung Dumre und biegt nach ca. 200 Metern links auf eine Schotterstraße die parallel zum Hang nach Ramkot führt. Nach ca. 750 m erreicht man dann einen großen Baum auf der rechten Seite, während hinter ein paar großen Steinen der Startplatz links zu finden ist.

Unser aufgezwungener Begleiter verkaufte sich als „Startplatzverantwortlicher“, der Geld für die Informationen zu bekommen hat…nope. Sowas einfach ignorieren, keine Diskussionen anfangen und die Kollegen verdrücken sich schnell.

Am Startplatz stand um halb vier am Nachmittag ein angenehmer Südwind an und wir waren begeistert vom Blick ins eingekesselte runde Tal. Überall Terrassen, dazwischen grüner Wald und in der Ferne weiche Hügel. Im Rücken hingegen ragen schneebedeckte Riesen am Horizont und die Augen können sich am Ganesh Himal und der Langtang-Gruppe nicht satt sehen.

Wir starteten gemütlich und soarten die gesamte Kante auf und ab, hin und zurück. Mit thermischer Unterstützung kamen wir so auf immerhin 200 Meter über Grat und genossen die Leichtigkeit des Seins. Ich machte Dutzende Top-Landeversuche, aber egal von welcher Seite man anfliegt, ist ein Baum oder der Hang im Weg. Der Startplatz selbst ist thermisch aktiv, so dass es schwer ist plötzlich genug Höhenverlust zu generieren…ich hab’s aufgegeben. Als die Luft an Tragkraft verlor, machten wir uns im Tal auf die Suche nach dem Landeplatz.

Der Landeplatz ist der offizielle Sportplatz, d.h. es gibt an der Seite zwei Masten, die zum Aufhängen vom Volleyballnetz genutzt werden. Sonst ist es ein flache Wiese ohne Hindernisse, die direkt an der Hauptstraße = halbbefestigte Sandpiste liegt. Nach der Landung rannten uns ein paar neugierige Kinder entgegen, aber hier schreit niemand „Gimme Sweets“ oder „Gimme Money“, sondern wir erfuhren, dass einer Jungs sogar bereits im Tandem geflogen ist, als vor paar Jahren ein Franzose vor Ort war.

Zurück in die Stadt führt nur der Weg zu Fuß, da weder Taxis noch Busse unterwegs waren. Busse fahren wohl nur am Vormittag und ein Taxis hätten wir vorab buchen müssen, das uns für 1000 NRP abgeholt und wieder hochgefahren hätte. Der Rückweg ist jedoch umbeschwerlich und dauert keine Stunde, so dass wir mit dem Sonnenuntergang im Rücken gemütlich nach Hause liefen.

Bandipur ist vor allem für seine Newari-Kultur bekannt. Eigentlich siedelten hier Magar. Im 19 Jahrhundert jedoch kamen Newaris, ein Händlervolk, ins Kathmandutal und siedelten in Bandipur, was sich an der alten Handelsroute von Indien nach Tibet befand. Die Kultur zeichnete sich vor allem durch ihre Architektur aus, denn sie bauten bunte Häuser mit 2 bis 3 Geschossen, was auf dem Land eher selten zu beobachten ist. Die Bedeutung von Bandipur verlor sich, als der Prithvi Highway (H04) in den 1960er ausgebaut worden ist. Seitdem ist vom Handel wenig übrig und die Bevölkerung lebt vom Tourismus.

Am nächsten Tag wanderten wir am Vormittag durch Bandipur und seine Umgebung. Wir hofften, dass wir ab Mittag noch einen guten Flug absolvieren könnten, bevor die Warmfront das Fliegen für die nächsten Tage verhindern würde. So standen wir gut nach 12 Uhr wieder am Startplatz und wurden von keinem flauen Lüftchen begrüßt. Um 14 Uhr entschieden wir uns es sei Zeit und konnten uns nur mit Müh und Not kaum halten. Nach dem kurzen Vergnügen ging es dann zurück nach Bandipur, wo wir nach einem frühen Abendessen zum Aussichtspunkt aufstiegen. Von dort sollten wir den letzten Sonnenuntergang am Himalaya erleben und der Ausflug war jede Treppenstufe wert.

Am nächste Morgen wollten wir den Bus um 8.30 Uhr nehmen, der ist jedoch schon um 8.15 Uhr weg gewesen, so dass wir bis 9.15 Uhr warten mussten. Von Dumre mussten wir dann nochmal mit unserem in Summe gut über 50 kg Gepäck nochmal 350 NRP pro Kopf für einen Platz im Mini-Bus nach Kathmandu zahlen und langsam kam die Freude auf, bald wieder nach Hause zu fahren.

Fazit: Im Bandipur kann man für ein zwei Tage bei guten Bedingungen viel Spaß haben und in die Newari-Kultur eintauchen. Also lohnt sich ein Abstecher auf dem Weg nach oder von Pokhara auf jeden Fall.


Informationen.


NameBandipur
GruppeMahabharat pre-Himalaya
RegionNepal
StartrichtungenS, SW
TalortBandipur
GPS (Berg)27.93934, 84.3968
GPS (Tal)27.92787, 84.39118
Höhe Startplatz [amsl]1062
Höhenunterschied [m]371
AufstiegsvarianteEs gibt wenig Auswahl zwischen Straße und gut ausgetretenem Fußweg. Am besten die Augen aufhalten und bergauf Richtung Bandipur steuern.
StartplatzSchöne Startwiese
FlughinweiseBesonders am Abend kann man thermisch soaren, man sollte jedoch im Talbecken bleiben.
LandeplatzAus der Luft schwer erkennbar, jedoch gibt es zum "Sportplatz" einige Wiesen zum Landen.
Talwind am LandeplatzS, SW


Bildergalerie.



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